Kohlenstoffspeicher Wald
Schadauer K., Weiss P.

Siehe auch http://science.orf.at

Die Kohlenstoffbilanz des österreichischen Waldes und Betrachtungen zum Kyoto-Protokoll

"Die Kohlenstoffbilanz des österreichischen Waldes und Betrachtungen zum Kyoto-Protokoll", eine gemeinsame Publikation des Umweltbundesamtes und der Forstlichen Bundesversuchsanstalt, ist soeben erschienen. Darin werden Möglichkeiten und Grenzen des Waldes als Kohlenstoffspeicher und sein Beitrag zur Reduktion des Treibhauseffektes einer kritischen Betrachtung unterzogen. Diese Publikation ist beim Umweltbundesamt erhältlich.

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Das Kyoto-Protokoll
legt erstmals international rechtlich verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen fest. Ferner wird im Kyoto-Protokoll die Berücksichtigung des Waldes als Kohlenstoffsenke und die Möglichkeit zum Emissionshandel festgeschrieben. Der Prozess zur Festlegung aller Detailbestimmungen sollte bei der 6.Vertragsstaatenkonferenz abgeschlossen werden; diese Konferenz wird wegen mangelnder Übereinstimmung der Positionen im November 2000 im Juli 2001 fortgesetzt. Die EU strebt die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls im Jahr 2002 an.

Was leistet der Wald?
Der österreichische Wald speichert ca. 800 Mio. t Kohlenstoff. Das entspricht der 40-fachen Menge der jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs. Da im österreichischen Wald in den letzten Jahrzehnten mehr Holz zugewachsen ist, als genutzt wurde, hat dieser Kohlenstoffvorrat laufend zugenommen. Während der letzten eineinhalb Dekaden entsprach diese Zunahme etwa 15% der Treibhausgasemissionen. Hingegen gilt, dass weltweit in tropischen Gebieten die Entwaldung weiterhin fortschreitet, womit beachtliche Kohlenstoffemissionen an die Atmosphäre verbunden sind.

Das Problem der Senken
Kohlenstoffsenken - wie der Wald oder die Weltmeere - sind für die Bilanz des globalen Kohlenstoffkreislaufes von großer Bedeutung. Derzeit können sie die enormen Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle) nur in geringem Ausmaß kompensieren. Es ist nicht vorhersehbar, wie lange solche Waldsenken ihre Funktion aufrechterhalten werden Der Bedarf an landwirtschaftlichen- und Siedlungsflächen führt auf Grund der steigenden Weltbevölkerung gegenwärtig zu einer weiteren Verminderung der Waldflächen. Durch Waldrodungen wird der zuvor in den Bäumen und im Waldboden gespeicherte Kohlenstoff zum großen Teil freigesetzt. Hingegen ist der Einsatz von Holz als Rohstoff kohlenstoffneutral, sofern dieses aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung gewonnen wird. Der Ersatz fossiler Energieträger durch rezent und nachhaltig produzierte Biomasse stellt darüber hinaus eine anhaltende Möglichkeit dar, die Zunahme der atmosphärischen Kohlenstoffdioxidkonzentration zu verringern.

Lösung derzeit noch nicht in Sicht

Die Emissionen an Treibhausgasen überschreiten jene Menge um ein Vielfaches, die stabile Kohlenstoffsenken aufnehmen können. Daher kann das Klimaproblem letztlich nur durch eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern gelöst werden. Das vereinbarte Reduktionsziel von 5 % zwischen 1990 und 2008/12 durch die Industrienationen ist also nur ein erster Schritt zur Lösung des Problems. Maßnahmen zur Emissionsminderung müssen unverzüglich in Angriff genommen werden und dürfen nicht durch eine großzügige Anrechenbarkeit von Senken unterlaufen werden. Vor diesem Hintergrund wäre ein erfolgreicher Abschluss der laufenden Klimaverhandlungen, der eine tatsächliche Reduktion der Treibhausgasemissionen im festgesetzten Ausmaß garantiert, von großer Wichtigkeit. Der Forderung der EU nach einer restriktiven Anrechenbarkeit von Senken widersetzten sich andere Industrienationen wie die USA, Kanada, Japan und Australien bisher entschieden, was zur Unterbrechung der Vertragsstaatenverhandlungen in Den Haag beitrug.

Autoren:

Dr. Klemens Schadauer, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, Institut für Waldinventur

Dr. Peter Weiss, Umweltbundesamt, Abteilung Wald

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