Käferalarm in Braunau - Asiatischer Bockkäfer erstmals in Europa gefunden
Tomiczek Ch., Wolf W.

Käferalarm in Braunau

 Asiatischer Bockkäfer erstmals in Europa gefunden

Experten des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft haben den Asiatischen Bockkäfer erstmals in Europa im Stadtgebiet von Braunau, Oberösterreich, an 20 Ahornbäumen gefunden. Sollte dieser Käfer hier Fuß fassen, besteht höchste Gefahr für die heimischen Wälder und innerstädtischen Baumbestände. Die Heimat des Schädlings ist Südost-Asien, sein Hauptverbreitungsgebiet liegt in China, Korea und Japan. Bereits 1996 wurde diese Bockkäferart in die USA eingeschleppt, wo er im Stadtbereich von New York und Chicago massive Schäden am Baumbestand verursacht hat (mehrere Mio. US $ pro Jahr) und bisher trotz größter Anstrengungen nicht ausgerottet werden konnte.

Der erwachsene Käfer ist glänzend schwarz mit weißen Flecken und rund 30 mm lang. Besonders auffallend sind seine langen Fühler, die bis zu 5 cm lang werden können. Nach dem Schwärmen der Käfer im Mai bis August verursachen diese zunächst Rindenschälungen an den Zweigen (Reifungsfraß). Die anschließende Eiablage erfolgt in Rindenschlitzen am Stamm und an den Ästen, wo in Folge Saftfluss auftritt. Die Larven fressen zuerst im Bast und gehen später ins Holz, was am Auswurf von Bohrspänen erkennbar ist. Die ausschlüpfenden Käfer hinterlassen 10-12 mm große, kreisförmige Ausfluglöcher. Durch den Minierfraß der Larven sterben die betroffenen Baumteile, später auch der gesamte Baum ab. Je nach den klimatischen Bedingungen dauert die Entwicklung der Käfer 1-2 Jahre.

Entgegen den Gewohnheiten der meisten heimischen Bockkäfer, die geschwächtes oder totes Material für die Eiablage suchen, befällt der Asiatische Bockkäfer völlig gesunde Bäume. Es besteht daher höchste Gefahr für die heimischen Wälder und innerstädtischen Baumbestände, sollte der Asiatische Bockkäfer Fuß fassen. Vor allem Ahorn, Pappel, Weide, Esche, Rosskastanie und Apfel werden befallen, Nadelholz ist aber nicht betroffen. Die befallenen Spitzahorne in Braunau zeigen im Kronenbild erste Welkesymptome, sind aber noch auffallend gut belaubt und grün. Am gesamten Stammbereich befinden sich Ausbohrlöcher und am Stammfuß reichlich Bohrspäne. Teilweise sind auch größere Rindenschäden zu beobachten, nämlich dort, wo durch den Larvenfraß Gewebe zerstört wurde. Gut erkennbar sind auch die Rindenschälungen an den Zweigen.

Die bisher betroffenen Bäume stehen in unmittelbarer Nähe eines Baumarktes. Man kann daher annehmen, dass der Schädling mit Verpackungshölzern eingeschleppt wurde. Noch diese Woche wird der genaue Umfang des Befalls abgeklärt. Die betroffenen Bäume werden sofort gefällt und an Ort und Stelle durch Häckselmaschinen zerkleinert werden. Auf diese Weise soll verhindert werden, dass die Insektenlarven ihre Entwicklung beenden können. Weitere, wahrscheinlich das ganze Bundesgebiet betreffende Bekämpfungsstrategien werden von der Forstlichen Bundesversuchsanstalt ausgearbeitet.

Wer die beschriebenen Symptome an Laubbäumen findet, sollte umgehend das Institut für Waldschutz (Ansprechpartner: Dr. Tomiczek oder Dipl.-Ing. Krehan , Tel.: 01-87838/DW 1133 od. 1128) und/oder die Landesforstdirektion Oberösterreich (Ansprechpartner: Dipl.-Ing. Jasser, Tel.: 0732-7720/DW 4663) informieren.

Anschrift der Verfasser: OÖ- Landesforstdirektor-Stellvertreter Dipl-Ing. Dr. Walter Wolf, Anzengruberstraße 21, 4020 Linz und Dipl.-Ing. Dr. Christian Tomiczek, Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft, Seckendorff-Gudent-Weg 8, 1131 Wien

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