Neues über den Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) in Braunau/Österreich
Tomiczek Ch., Krehan H., Hoyer U. English

  Verbreitung ALB Braunau

Verbreitung ALB Braunau/Inn

ALB Larve

ALB - Larve

ALB Fraßbild

ALB-Fraßbild

Verifizierung des ALB-Befalles an Blutbuche

Verifizierung des ALB-Befalles an Blutbuche

Mon.sartor (fem.), Anopl.glabr.(male)

Mon.sartor (fem., links), Anopl.glabr.(male, rechts)

genetische

genetische "fingerprints"

Keine Entwarnung

Trotz intensiver Bemühungen seitens der verantwortlichen Behörden konnte der gefährliche Quarantäneschadorganismus in Braunau noch nicht erfolgreich ausgerottet werden. Bisher wurden insgesamt 65 (davon 5 im Jahr 2003 bis Ende Juli) befallene Bäume im Stadtgebiet und im Bereich der B 148 sowie in einem Stadtteil von Ranshofen entdeckt (Karte), an Ort und Stelle sofort gefällt, verhäckselt und das Hackgut verbrannt. Bei dieser Gelegenheit wurden seit 2001 auch insgesamt 113 Asiatische Laubholzbockkäfer gefangen. Zur Feststellung von frischen Befallssymptomen (Eiablagen, Larvenfraß) wurden potentielle Wirtsbäume mit Hebebühnen im Kronenbereich untersucht.

Befallene Baumarten

Während im ersten Jahr nur befallene Ahornbäume entdeckt werden konnten, hat sich das Wirtsspektrum in der Zwischenzeit deutlich vergrößert: So wurden außer an/in 57 Silber-, Berg- und Spitzahornen auch an/in 3 Birken, 2 Blutbuchen (bisher generell nicht als Wirtsbaum bekannt!), 1 Platane und 1 Roßkastanie lebende Stadien des ALBs gefunden.

Entwicklungsdauer

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass der ALB in Braunau eineinhalb bis zwei Jahre benötigt, um sich vom Ei bis zum fertigen Käfer zu entwickeln. Im Labor des BFW, wo einige Larven unter Quarantänebedingungen gehalten werden, verpuppten sich zwei Larven ein Jahr nach dem Schlüpfen (Puppe). Eine einjährige Entwicklungsdauer ist anscheinend nur unter optimalen klimatischen Bedingungen ohne Kältephase (Winter) möglich. Die Puppenruhe dauert durchschnittlich drei Wochen.

Verwechslungsmöglichkeiten

Am ehesten wird der ALB als adulter Käfer mit dem Alpenbock oder mit Monochamus-Arten (letztere kommen in Europa nur auf Koniferen vor; im Bild links) verwechselt. Schwieriger ist die Diagnose in anderen Entwicklungsstadien des Insekts wie im Larven- (ALB, Gr. Pappelbock = Saperda carcharias, Grüner Lindenbock = S. octopunctata, Monochamus alternatus), Puppen- (ALB , S. perforata) oder Ei-Stadium (ALB-Ei). Die erwachsenen Saperda-Käfer unterscheiden sich aber deutlich vom ALB (Gr. Pappelbock = S. carcharias, Grüner Lindenbock = S. octopunctata, S. perforata). Das Schadbild vom ALB (1; 2; 3) kann mit demjenigen des Großen Pappelbocks, des Blausiebs (Zeuzera pyrina) oder des Weidenbohrers (Cossus cossus) verwechselt werden.

Neue Diagnosemethode

Am Institut für Waldschutz wurde in Zusammenarbeit mit dem Institut für Forstentomologie, Forstpathologie und Waldschutz der Universität für Bodenkultur in einem vom BMLFUW finanzierten Projekt eine Methode entwickelt, die eine eindeutige Differenzierung von ALB mittels molekulargenetischer Bestimmungskriterien ermöglicht. Durch die Entwicklung artspezifischer genetischer "fingerprints" können nun auch Eier, Larven und Puppen untersucht werden und eine sichere Zuordnung zum ALB erfolgen.
Kontakt: e-mail: ute.hoyer@bfw.gv.at
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