Schnee- und Lawinen
Lambert Rammer

Forschung
Lawinensimulation
Katastrophenanalyse 
Schneegleiten
Schneedecke und
Wald

Mitarbeiter
Liste
Numerische Lawinensimulationsmodelle

Im Rahmen des Projekts P/8/5 Numerische Simulation von Lawinen - Parameterstudien,
Projektleiter Dr. Horst Schaffhauser


Für die Gefahrenzonenplanung und für die Dimensionierung von Lawinenverbauungen wird mit Hilfe numerischer dreidimensionaler Simulationsmodelle eine genaue Vorhersage der zu erwartenden Lauflänge der Lawinen und von deren räumlicher Entwicklung (über die gesamte Lawinenbahn hinweg) ermöglicht. Diese Kriterien gelten ebenso für die Darstellung des dynamischen Druckes.

Eine weitere Qualität der Modellentwicklung ist große Anwenderfreundlichkeit, sowohl in bezug auf die dreidimensionale Berechnung als auch in bezug auf die mehrdimensionale graphische Darstellung von Fließlawinen mit und ohne Staubanteil.


Das Modell hat bereits eine Bewährung im Routinebetrieb der Wildbach- und Lawinenverbauung erfahren und wird laufend in Hinblick auf Anwenderfreundlichkeit und neu anfallende Fragestellungen weiter entwickelt. Beispiele dafür sind:
Ischgl 1974 und 1984, St. Anton 1988, Galtür 1999.

Das Simulationsmodel wurde in Zusammenarbeit mit der Fa. AVL/Graz, der Wildbach- und Lawinenverbauung/BMLF und der Technischen Universität Wien, Institut für Strömungslehre erarbeitet und in der internationalen und österreichischen Fachliteratur vorgestellt:

SCHAFFHAUSER, H., 1996, Experiences with the Austrian Powder Avalanche Model, in: Proceedings, International Conference "Avalanche and Related Subjects", Kirovsk, Russia, September 2-6, 1996, p. 33-36

SCHAFFHAUSER, H., SAUERMOSER, S., 1998, Practical Experience with the Austrian Powder Avalanche Simulation Model in Hazard Zoning, in: 25 Years of Snow and Avalanche Research, VOSS 12-16 May 1998, p. 229-233, NGI, Oslo 1998

SCHAFFHAUSER, H., SAMPL, P. RAMMER, L., 1998, Computed Powder Avalanche Impact Pressures on a Tunnel-bridge in Außerfern-Tirol, in: Proceedings IUFRO Kongress, Kyoto, Div. 8, p. 599-605



Katastrophenuntersuchungen an Lawinen
Projekt P/8/1, Projektleiter Dr. Horst Schaffhauser

Seit dem Winterhalbjahr 1967/68 erscheinen in regelmäßigen Abständen die alljährlichen gesamtösterreichischen Lawinenberichte mit ausgewählten fachlichen Einzelbeiträgen und Unfallanalysen.

In den letzten Winterhalbjahren ereigneten sich ca. 75% der tödlich verlaufenen Lawinenunfälle im freien Schiraum. Klassische Katastrophenereignisse, die den Siedlungsraum bedrohen, sind deutlich rückläufig.



Schneegleiten

Schneegleiten

Abb.: Schneegleiten in einem südexponierten Lärchenbestand (Beschirmung 75% ) in 1900 m im Gemeindegebiet von Neustift/Stubai (aufgenommen am 16.12.92).

 

Das Schneegleiten ist eine translatorische Bewegung der Schneedecke am Hang. Voraussetzung für erhöhtes Gleiten ist eine glatte Bodenoberfläche sowie eine Naßschnee-Grenzschicht an der Basis der Schneedecke. Da das Gleiten zu einer Beeinträchtigung von Aufforstungen führen kann, hat man schon in den 50er Jahren - und hier insbesondere in der Schweiz - mit einschlägigen Untersuchungen zu diesem Thema begonnen.

Beobachtungen haben nun aber gezeigt, daß das Gleiten nicht nur auf Freiflächen beschränkt ist, sondern auch innerhalb von Waldbeständen auftreten kann. Insbesondere in nach Süden exponierten Lärchenwäldern mit geringem Beschirmungsgrad (oder ausgeprägteren Lücken) und glatter Bodenoberfläche (langhalmiges Gras) sind entsprechende Gleitraten festzustellen.

Untersuchungen versuchen nun abzuklären inwieweit mit einer Zunahme des Schneegleitens in Beständen mit hohem Lärchenanteil (und geringem Beschirmungsgrad) zu rechnen ist und ob gegebenenfalls auch Gleitschneelawinen ausgelöst werden können.

 

 

Höller P. , 2001: Snow gliding and avalanches in a south-facing larch stand. .
In: Soil-Vegetation-Atmosphere Transfer Schemes and Large-Scale Hydrological Models (Proceedings of a symposium held during the Sixth IAHS Scientific Assembly at Maastricht, The Netherlands, July 2002). IAHS Publ. 270, pp 355-358.




Schneedecke und Wald


Schneedecke

Abb.: Oberflächenreif im Bereich einer Zirbenwaldlücke in 1900 m im Kühtai (aufgenommen am 18.1.2001).

 

Subalpine Gebirgswälder sind nicht selten von einem geringem Beschirmungsgrad bzw. dem Bestehen von Lücken und Blößen gekennzeichnet. Dies kann dazu führen, dass die Schneedecke an diesen Standorten mehr und mehr gleichmäßig geschichtet ist (ähnlich wie auf Freiflächen). So können unter anderem die Voraussetzungen für einen Schneedeckenaufbau mit Schwachschichten (Oberflächenreif, Tiefenreif) gegeben sein. Beobachtungen haben gezeigt, dass der Schneedeckenaufbau an diesen Standorten offenbar derart gestaltet (Schwachschichten...) ist, dass die Bildung von Lawinen begünstigt wird. Bestätigt wird dies auch durch Angaben in der Literatur, wo mehrfach über Schneebrettanbrüche in Gebirgswäldern nahe der Waldgrenze berichtet wird.

Untersuchungen sollen sich nun mit der Frage auseinandersetzen unter welchen Umständen die Bildung von Schwachschichten in diesen Beständen möglich ist und welche Auswirkungen auf die Lawinenbildung zu erwarten sind.

 

Höller, P. , 2001: The influence of the forest on night-time snow surface temperature.
Annals of Glaciology, 32, pp. 217-222.

Höller P. , 1998: Tentative investigations on surface hoar in mountain forests.
Annals of Glaciology, 26, pp. 31-34



Seitenanfang