Aktuelles aus dem Bereich Forschung / Naturgefahren

 

Klimaänderung und ihre Auswirkung auf Wildbäche

Die Erwärmung des Klimas in seit der Besiedelung des Alpenraum nicht dagewesenem Ausmaß ist eine kaum noch zu leugnende Tatsache. Die Auswirkungen werden für den Menschen und seine Umwelt beträchtlich sein und natürlich auch den Naturraum mit seinen innewohnenden Gefahren in mehrfacher Hinsicht betreffen. Die im Moment existierenden Prognosemodelle zur Abschätzung der künftigen Entwicklung unseres Klimas (insbesondere Temperatur und Niederschläge) sind schon aufgrund der ungewissen Entwicklung der künftigen Emission von Treibhausgasen mit großen Unsicherheiten behaftet. Aber auch unzureichende Kenntnisse der klimatischen Zusammenhänge und Wechselwirkungen sowie die derzeit noch schlecht berücksichtigbare Auswirkung der topographischen Gegebenheiten auf die regionale Entwicklung in Simulationsmodellen erschweren Vorhersagen.

In Bezug auf die zu erwartenden Intensitäten und Auftretenswahrscheinlichkeiten von - in Wildbacheinzugsgebieten besonders bedeutsamen - Starkniederschlagsereignissen, zeichnen sie derzeit kein klares Bild, was notwendige vorausschauende Planungen zusätzlich erschwert. Während in der Literatur bislang überwiegend die Meinung vorherrscht, die Intensitäten von Niederschlagsereignissen würden in Zukunft nicht zunehmen, lassen höhere Temperaturen (erhöhter Energie- und Wasserdampfgehalt) diese Möglichkeit nicht unwahrscheinlich erscheinen. Die zu diesem Thema analysierten Datensätze der Messstelle Sonnalm (Zell am See, Salzburg) weisen für die letzten 20 Jahre jedenfalls eine eindeutige Intensitätssteigerung auf, wenngleich der Beobachtungszeitraum noch zu kurz ist um langfristige Tends ableiten zu können.

Niederschlagsintensitäten - Trend
Abbildung: Steigerung der Niederschlagsintensitäten kurzer Dauer in den letzten 20 Jahren an der Messstelle Sonnalm (Zell am See, Salzburg)

Um negative Effekte der Klimaerwärmung bestmöglich abzupuffern und die Bandbreite der möglichen Szenarien einzuengen ist es wichtig, diese nicht nur zu beobachten, sondern insbesondere auch die Auswirkungen auf den Naturraum und das Naturgefahrenpotenzial zu dokumentieren.

Die in den "Torrent Research Areas" z.T. schon über 30 Jahre lang erhobenen Datenreihen werden daher weitergeführt und mit aktuellen "globalen" Forschungsergebnissen verglichen um Rückschlüsse auf regionale Auswirkungen im Bereich von Wildbacheinzugsgebieten der Klimaänderung ziehen zu können .


Geländeanleitung zur Abschätzung des Oberflächenabflusses bei konvektiven Starkregen (MARKART et al. 2002)


Lehrtätigkeit

Dipl.-Ing. Dr. Peter Höller

Wildbach- und Lawinenkunde I

Vorlesung (1stündig), Universität Innsbruck, Institut für Botanik, Wintersemester

Im Rahmen dieser Vorlesung wird zunächst ein Überblick über die Wildbach- und Lawinengefährdung in Österreich gegeben. In einem weiteren Abschnitt werden die Prozesse der Abtragung sowie die Ursachen des Wildbachgeschehens behandelt. Die spezielle Wildbachkunde widmet sich unter anderem der Bewegung in Wildbächen aber auch den Anrissmechanismen von Muren und deren Besonderheiten. Im Kapitel Schneekunde werden schwerpunktmäßig die Schneearten, die Schneemetamorphose, sowie die verschiedenen Schneedeckenuntersuchungen besprochen. Dieser Abschnitt leitet nahtlos in den lawinenkundlichen Teil über, wo unter anderem die Beurteilung der Lawinengefahr, sowie die Einflussfaktoren auf die Lawinenbildung (Gelände, Witterung...) näher erörtert werden.

Im letzten Abschnitt schließlich wird ein Überblick über mögliche Schutzmaßnahmen gegeben, wobei insbesondere auf die Gefahrenzonenplanung eingegangen wird.

 

Wildbach- und Lawinenkunde II

Vorlesung und Übung (2stündig), Universität Innsbruck, Institut für Botanik, Sommersemester

Diese Lehrveranstaltung dient vor allem dazu über die allgemeine Vorlesung im Wintersemester hinaus spezielle Fragestellungen zu erörtern. Dabei wird im schnee- und lawinenkundlichen Teil unter anderem auf die Mechanismen beim Anbruch von Schneebrettlawinen und die Bedeutung der Deformationsgeschwindigkeit näher eingegangen. Das Kapitel Risikoanalyse setzt sich mit der Problematik Schutzbedarf und Kosten auseinander. Temporäre Maßnahmen wie die künstliche Lawinenauslösung und die verschiedenen Modelle zur Lawinenprognose stehen im Mittelpunkt des Abschnittes Lawinenschutz. Der wildbachkundliche Teil befasst sich mit den Niederschlags-Abflussbeziehungen (Bestimmung des Abflusses), sowie mit dem Geschiebetransport und dessen Berechnung. Abgerundet wird dieser Teil mit einer systemanalytischen Betrachtungsweise der Gebirgsgewässer. Im Kapitel Wildbachschutz werden neben den technischen Maßnahmen, auch die ökologischen Aspekte und die Methoden der Grünverbauung beleuchtet.

Praktische Übungen im Gelände vervollständigen die Lehrveranstaltung.

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