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Mariabrunner Waldbautage 2000

Alarm bei der Qualitätssicherung von forstlichem Saat- und Pflanzgut

Die Liberalisierung des Handels durch den Beitritt Österreichs zur EU vergrößert die Gefahr, dass der Wald mit genetisch ungeeignetem Pflanzenmaterial künstlich verjüngt wird. Die Folgen sind teuer und langfristig. Sie umfassen mögliche erhöhte Kulturkosten durch Ausfälle, erhöhten Pflegeaufwand, Zuwachs-, Qualitäts- und Stabilitätsverluste und reichen bis zu irreversiblen Beeinträchtigungen der lokalen natürlichen Zusammensetzung der Wälder. Auf lange Sicht können an ihre Umwelt angepasste Baumarten durch Fremdherkünfte verdrängt oder in ihren genetischen Eigenschaften verändert werden. Diese aktuelle und komplizierte Materie stand im Mittelpunkt der Mariabrunner Waldbautage 2000, die vom 14. –15. Februar an der Forstlichen Bundesversuchsanstalt in Wien stattfanden. Um dem Bildungsauftrag der FBVA nachzukommen und um Warnungen bewusst zu machen, die schon vor 120 Jahren der Waldbau-Pionier Adolf Cieslar ausgesprochen hat, stellte der Leiter des Instituts für Waldbau der FBVA Dr. Ferdinand Müller folgende Fragen zur Diskussion: Anforderungen an das forstliche Vermehrungsgut und Erfüllung dieser Anforderungen, zukünftige Vermarktung des forstlichen Vermehrungsgutes und Kontrolltätigkeit. Alle beteiligten Seiten kamen zu Wort: Die Wissenschaft, vor allem die Forstgenetik, deren Aufgabe es ist, äußerlich unsichtbare “innere Werte” der Forstsamen ans Tageslicht zu bringen, weiters die Forstbehörden, der Naturschutz und ganz besonders jene, die das Thema dieser Tagung in ihrer wirtschaftlichen Existenz betrifft: Forstbetriebe und Forstpflanzenproduzenten.

Handlungsbedarf und Maßnahmen

Die zweitägigen Fachgespräche ließen die deutlichen Defizite in der Erfüllung der Anforderungen an das forstliche Vermehrungsgut erkennen, die das Waldbauinstitut zur Durchführung dieser Veranstaltung veranlasst hatte. Die Liberalisierung des Handels innerhalb der Europäischen Union ermöglicht die Überschwemmung des heimisches Marktes mit Fremdherkünften. Besonders bei Baum- und Straucharten, die mit geringen Mengenanteilen vermarktet werden, ist die flächendeckende Versorgung mit heimischen autochthonen Herkünften zu verbessern, um eine Verdrängung und Bastardierung heimischer Populationen zu vermeiden. Auch bei Baumarten, deren Vermarktung gesetzlich geregelt ist, gibt es regionale Versorgungsprobleme, Gefährdungspotenziale durch Vermarktung ungeeigneter Fremdherkünfte und somit Handlungsbedarf. Seitens der Waldbesitzer besteht überwiegend geringes Interesse an der genetischen Information des Pflanzenmaterials. Merkmale wie Angepasstheit, Anpassungsfähigkeit oder Eignung für verschiedene Verwendungszwecke treten gegenüber offensichtlichen äußeren Merkmalen, Sortier- und Preiskategorien in den Hintergrund, sofern sie überhaupt beachtet werden.

Nötige Maßnahmen sind demnach:


2000-02-21 LinR, Rückfragen: Ferdinand.Mueller@bfw.gv.at
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