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Ein kurzer Rückblick auf 125 Jahre Forstliche Bundesversuchsanstalt
Direktor HR Dipl.-Ing. Friedrich Ruhm

DI Ruhm

Mit Erlaß vom 8. Juli 1874 wurde die „K.K. Forstliche Versuchsleitung“ geschaffen, die ab 1891 „K.K. Forstliche Versuchsanstalt Mariabrunn“ hieß. Dieses Datum jährt sich heuer zum 125. Mal. Aus diesem Anlaß wurde die vorliegende „Chronik 1975-1999“ zusammengestellt. Da zum 100jährigen Bestehen der FBVA im Jahre 1974 zwei Publikationen herausgegeben wurden, die sich mit der Zeit zwischen 1874 und 1974 befassen, beschränkt sich dieser Band im wesentlichen auf eine chronologische Darstellung wichtiger Bereiche während der letzten 25 Jahre.

Namen und Fakten aus 125 Jahren

Die Zunahme forstlicher und naturräumlicher Probleme sowie der immer knapper werdende Holzvorrat führten Ende des 19. Jahrhunderts in einigen europäischen Ländern zur Institutionalisierung des forstlichen Versuchswesens. Die ersten Versuchsanstalten entstanden zu Beginn der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts in Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Bereits 1872 konstituierte sich der Verein der forstlichen Versuchsanstalten Deutschlands. In Österreich wurde mit Erlaß des Ackerbauministeriums vom 8. Juli 1874 die „K.K. Forstliche Versuchsleitung“ geschaffen, die 1891 in „K.K. Forstliche Versuchsanstalt Mariabrunn“ umbenannt wurde. 1962 wurde der Name „Forstliche Bundesversuchsanstalt Wien“ festgelegt. Seit 1991 wird „Waldforschungszentrum“ hinzugefügt.


 

Direktoren und Mitarbeiter

Der erste Leiter war Arthur von Seckendorff-Gudent (1874-1886). Ihm folgten Fritz Wachtl (1886-1887, provisorisch), Ludwig Dimitz (1887-1888), Josef Friedrich (1888-1908), Adalbert Schiffel (1908-1911), Anton Hadek (1911-1912), August Kubelka (1912-1915), Heinrich Lorenz-Liburnau (1915-1919), Gabriel Janka (1919-1922), Walter Sedlaczek (1923-1933), Josef Klimesch (1934-1935), Leo Tschermak (1935-1936), Herbert Schmied (1937-1945), Rudolf Scheuble (1945-1952), Anton Horky (1952-1957), Josef Pockberger (1957-1961), Johann Egger (1961-1983) und Friedrich Ruhm (seit 1979 Verwaltungsdirektor, seit 1984 wissenschaftlicher Direktor).

Von 1874, als die Versuchsleitung ein Einmannbetrieb war, bis zur heutigen Versuchsanstalt mit einem Personalstand von rund 250 Mitarbeitern war es ein weiter Weg, der nicht ohne Hindernisse verlief. Im Jahre 1923 wurde sogar die Auflassung der Versuchsanstalt erwogen. 1937 erlebte sie mit einem Bestand von nur zwei Abteilungen und zwei Akademikern eine weitere schwere Krise. 1956 jedoch, im Jahr vor der Verlegung des Hauptsitzes von Mariabrunn nach Schönbrunn, beschäftigte die Versuchsanstalt bereits 134 Mitarbeiter. Ein Grund des Aufstiegs lag in der Eingliederung der Waldstandsaufnahme als Institut für Forstinventur mit 1.1.1957 in die Forstliche Bundesversuchsanstalt. Sie brachte eine große Anzahl von Mitarbeitern und erforderte eine moderne EDV-Ausstattung. Auch die Druckerei an der FBVA wurde in Zusammenhang mit der Übernahme der Waldstandsaufnahme eingerichtet. Zu einer weiteren größeren Personalaufstockung kam es in den achtziger Jahren aufgrund der öffentlichen Diskussion über neuartige Waldschädigungen und die daraus resultierenden neuen Projekte.

Der bisherige personelle Höchststand war im Jahr 1991 mit 282 Mitarbeitern zu verzeichnen. Seit damals geht der Personalstand zurück. Bis zu Redaktionsschluß der „Chronik“ gab es um 38 Mitarbeiter weniger als 1991.


Mariabrunn

Schönbrunn

Standorte

 Die erste Adresse der Versuchsleitung war ab dem 12.11.1874 ein kleines Büro in der Traungasse 2 im 3. Wiener Gemeindebezirk. 1877 übersiedelte man in die Tulpengasse 3 im 8. Bezirk und 1887 in das leerstehende, im 17. Jahrhundert erbaute ehemalige Klostergebäude Mariabrunn, in dem von 1813 bis 1875 die Forstlehranstalt Mariabrunn bzw. die Forstakademie untergebracht war. Mariabrunn blieb von 1887 an 70 Jahre lang Hauptsitz der Forstlichen Versuchsanstalt. 

Die durch den ansteigenden Personalstand verursachte Raumnot sowie die immer umfangreicher werdenden Aufgaben führten in den fünfziger Jahren zum Bau einer für die damalige Zeit sehr modernen Forschungsstätte in Wien Schönbrunn. Dieses Gebäude ist seit 1957 Hauptsitz der Forstlichen Bundesversuchsanstalt. Seit 1988 heißt die Straße, die zur Forstlichen Bundesversuchsanstalt führt, auf Initiative von Direktor Friedrich Ruhm und in Würdigung des ersten Leiters der Versuchsanstalt „Seckendorff-Gudent-Weg“.

Innsbruck Hofburg

Auch nach der Verlegung des Hauptsitzes nach Schönbrunn blieb ein Teil des Personals weiterhin in Mariabrunn, das zwischen 1988 und 1994 generalsaniert wurde. Derzeit befinden sich in Mariabrunn das Institut für Waldbau, das Institut für Forstgenetik, die Abteilungen für Wildbach- und Abtragsforschung und für Wildbachhydrologie des Instituts für Lawinen- und Wildbachforschung, ein Versuchsgarten und die Gartenleitung, das Museum für das Forstliche Versuchswesen sowie die Haustischlerei. In Schönbrunn befinden sich Direktion und Verwaltung sowie die Institute für Forstökologie, Forstschutz, Waldwachstum und Betriebswirtschaft, Immissionsforschung und Forstchemie und für Waldinventur.

Imst - Mykorrhizaforschung

Seit 1963 gehörte als weiterer Standort die Außenstelle für subalpine Waldforschung in der Hofburg in Innsbruck mit dem Klimahaus auf dem Patscherkofel und dem Labor für Mykorrhizaforschung im Gebäude der Gebietsbauleitung Imst der WLV zur Forstlichen Bundesversuchsanstalt.

Die Außenstelle ging aus der von Robert Hampel geleiteten „Forschungsstelle für Lawinenvorbeugung“ hervor, die 1954 gegründet worden war und ab 1955 Teil der Sektion Innsbruck der forsttechnischen Abteilung der Wildbach- und Lawinenverbauung war. Zu ihr gehörte auch die ökologische Station Obergurgl, die, ebenso wie das Klimahaus auf dem Patscherkofel vor der Übernahme durch die FBVA, von Dipl.-Ing. Dr. Herbert Aulitzky geleitet wurde.

Klimahaus Patscherkofel

Seit 1985 ist das vormalige Institut für Lawinenkunde in Innsbruck ansässig, das seit Ende 1993 Institut für Lawinen- und Wildbachforschung heißt. Mit gleichem Zeitpunkt wurde die Außenstelle für subalpine Waldforschung aufgelöst, ihre Aufgaben wurden anderen Instituten eingegliedert.

Von 1952 bis 1963 war das Institut für Entomologie als Außenstelle in Kärnten bzw. Osttirol vorerst in Bodensdorf am Ossiachersee, ab 1954 in Lienz angesiedelt. Es wurde von Karl Schedl geleitet und war für die Forstschutzberatung in Kärnten, Osttirol und Steiermark verantwortlich.

Von 1958 bis 1967 gehörte auch das „Institut für angewandte Pflanzensoziologie“ mit Sitz in St. Georgen am Sandhof/Ktn. zur FBVA. Der Leiter dieser Außenstelle war Erwin Aichinger.

Weitere Standorte der Forstlichen Bundesversuchsanstalt sind die Versuchsgärten in Mariabrunn (seit Beginn der Forstlichen Versuchsanstalt), Schönbrunn (seit den frühen sechziger Jahren) und Tulln (seit 1949 bzw. 1970).

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Aufgaben und Organisation

Die Aufgaben und die Organisation der Versuchsanstalt wurden erstmals im Forstrechtsbereinigungsgesetz 1962 gesetzlich verankert. Die derzeit gültige gesetzliche Festlegung ist im Forstgesetz 1975, in der Fassung von 1987, Abschnitt IX, §§ 135-140 enthalten: Die Forstliche Bundesversuchsanstalt ist eine Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft und zur fachwissenschaftlichen Bearbeitung und Lösung forstlicher Fragen berufen. Ihre Aufgaben bestehen aus Forschung, Gutachtertätigkeit und Beratung. Sie soll durch Untersuchungen und Versuche auf fachwissenschaftlicher Grundlage sowie durch Vermittlung der Anwendbarkeit ihrer Untersuchungsergebnisse für die forstliche Praxis den forstlichen Belangen im allgemeinen und der Forstwirtschaft im besonderen dienen.

Die erste offizielle Gliederung in Institute erhielt die Forstliche Bundesversuchsanstalt mit einem Erlaß des BMLF vom 11. 3. 1964. Vorher war die Forstliche Bundesversuchsanstalt zuerst in Abteilungen gegliedert und später intern in Institute und Abteilungen. Am 19.10.1970 wurde die Geschäftsordnung vom Bundesministerium genehmigt, welche die Gliederung der FBVA in neun Institute und die Außenstelle in Innsbruck bestätigte. 1984 wurden zwei neue Institute geschaffen, sodaß es bis Ende 1993 elf Institute, eine Außenstelle in Innsbruck und die Versuchsgärten als eigene Einheit gab. Seit der Reorganisation vom Dezember 1993 ist die Forstliche Bundesversuchsanstalt in folgende acht Institute gegliedert: Institut für Waldbau, Institut für Forstgenetik, Institut für Forstökologie, Institut für Forstschutz, Institut für Waldwachstum und Betriebswirtschaft, Institut für Immissionsforschung und Forstchemie, Institut für Waldinventur und Institut für Lawinen- und Wildbachforschung.

Derzeit umfaßt das Arbeitsprogramm der Forstlichen Bundesversuchsanstalt rund 100 Forschungsprojekte und Facharbeiten sowie die Betreuung von rund 280 Versuchsflächen. Die Untersuchungsergebnisse werden in hauseigenen Publikationsreihen und in Publikationsmedien außerhalb der FBVA sowie seit März 1998 auch über das Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Forschungsziel einst und jetzt: Erhaltung der

Umwelt

Obwohl das Wort „Umwelt“ vor 125 Jahren noch kein gebräuchlicher Begriff war, waren es große Umweltprobleme, die den Anlaß zur Gründung der Forstlichen Versuchsanstalt bildeten, und zwar großflächige Entwaldungen in der Folge von Großkahlschlägen, vor allem für den Bergbau. Sie waren damals Ursache von zum Teil katastrophalen Schadensereignissen, wie Lawinen- und Hochwasserkatastrophen sowie von starken Vermurungen. Diese Probleme wurden sehr ernst genommen. So empfahl der 1873 anläßlich der Wiener Weltausstellung tagende Internationale Land- und Forstwirtschaftliche Kongreß den Regierungen, den Aufbau des forstlichen Versuchswesens in Angriff zu nehmen. Zur Lösung der Waldschutzfrage wurde ein internationales Beobachtungssystem empfohlen, das den Einfluß des Waldes auf Klima, Niederschlag, Quellenbildung, Überschwemmungen usw. feststellen sollte. Internationale Vereinbarungen sollten getroffen werden, um der fortschreitenden Waldverwüstung wirksam entgegenzutreten. Schon damals überschritten die Umweltprobleme also die nationalen Grenzen.

Obwohl zu Ende des vorigen Jahrhunderts das Ertragsdenken im Vordergrund stand, zeigte bereits der erste Leiter der Forstlichen Versuchsleitung, Arthur von Seckendorff-Gudent, umweltorientiertes Denken und Handeln. Zu seinen bedeutendsten Leistungen im Bereich der Umwelt zählten Arbeiten auf dem Gebiet der Wildbachverbauung. Seckendorff nahm auch die Fachgebiete Pflanzenphysiologie und Klimakunde in das forstliche Versuchswesen auf. Einer seiner ersten Mitarbeiter auf diesem Fachgebiet war der Botaniker Wilhelm Velten, der 1876 während seines Außendienstes in der Nähe von Lienz tödlich verunglückte. Velten führte Untersuchungen über das Dickenwachstum, vor allem über das Kambialwachstum bei Pflanzen durch und studierte den Einfluß der Temperatur auf die Keimfähigkeit von Nadelholzsamen sowie die Verbreitung der Lärche. Sein Nachfolger, Joseph Moeller - ein promovierter Mediziner - studierte den "Einfluß der Bodenbeschaffenheit auf die Entwicklung der Schwarzkiefer", die "Physiologie und Anatomie der Schwarzkiefer" und die "Auswirkungen der Kohlensäure im Boden auf die Vegetation". Die Wirkungen verschiedener Umweltfaktoren, wie Temperatur, Elektrizität, Schwerkraft, Licht usw. auf die Lebensvorgänge der Pflanzen wurden ebenfalls untersucht.

Der Einfluß des Waldes auf das Klima beschäftigte schon vor der Gründung der forstlichen Versuchsanstalten die Fachleute. Es war daher naheliegend, den Aufbau eines forstmeteorologischen Beobachtungssystems in Angriff zu nehmen. Mit der wissenschaftlichen Leitung dieses Projekts wurde Josef Roman Lorenz von Liburnau betraut. Ein wichtiges Thema war der Einfluß von Klimafaktoren auf die Ertragsleistung des Waldes. Auch der Einfluß des Waldes auf die nähere und fernere Umgebung wurde beobachtet und Spezialuntersuchungen des Lokal- und Mikroklimas in Angriff genommen. Diese Untersuchungen bezogen sich sowohl auf die Nutzwirkung als auch auf die Wohlfahrts- und Schutzwirkung des Waldes.

Zum damaligen Zeitpunkt galt es bereits als wissenschaftlich erwiesen, daß ein wesentlicher Teil des Niederschlages von den Baumkronen zurückgehalten wird. Heute nennen wir das Interzeptionsverlust. Die mittleren Interzeptionsverluste von Nadelbäumen wurden mit 30 % und mehr, die von Laubhölzern mit 20 % angegeben. Die Werte stimmen übrigens mit heutigen vergleichbaren überein. Diese Arbeiten wurden von der im Jahre 1880 in Wien abgehaltenen internationalen Konferenz für Agrarmeteorologie als vorbildlich bezeichnet und die Durchführung derartiger Projekte auch in anderen Ländern empfohlen. Als Folge dieser Erkenntnisse wurden Rodungen in Einzugsgebieten von Wildbächen und in Quellschutzgebieten verboten.

Ein wesentliches Ziel der Forschung in den Anfangszeiten der Forstlichen Versuchsanstalt war es, die Ertragsfähigkeit der Wälder zu erhalten. Die Nachhaltigkeit war bereits ein Thema der forstlichen Forschung. Als besonders gefährlich für den Wald sah man Waldweide, Streunutzung, Großkahlschläge, hohen Wildstand sowie nicht standortsgerechten Waldbau an.

Vergleicht man die Ziele der Forschung in den Anfangszeiten der Forstlichen Versuchsanstalt mit den Zielen heutiger Arbeiten, so wird deutlich, daß es im wesentlichen dieselben geblieben sind, nämlich die Nutz- und Schutzfunktion unserer Wälder zu erhalten und den Zustand der Umwelt des Landes dort, wo es notwendig ist, zu sichern und zu verbessern.

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Höhepunkte und Krisenzeiten

Die vorherrschenden Untersuchungsgebiete der ersten Jahrzehnte waren Holzmeßkunde und Ertragskunde, Holztechnologie und Holzbiologie sowie Forstmeteorologie und Wildbach- und Lawinenverbauung. Auch die Provenienzforschung und Samenkunde sowie Methoden der natürlichen und künstlichen Verjüngung spielten eine wichtige Rolle. Viele Versuchsflächen mit ausländischen Holzarten wurden angelegt. Außerdem interessierte man sich für die Nutzungsmöglichkeiten des Waldes. Dabei stand die Harzgewinnung und demzufolge viele Untersuchungen über die Schwarzföhre im Vordergrund. Andere Themen waren die Korbweidenkultur, Holzverkohlung und Holzverzuckerung und sogar die Gewinnung von Öl aus Baumfrüchten.

Weitere zentrale Themen waren Forstschutzthemen, wie Forstschädlinge und Baumkrankheiten, Methoden zu deren Bekämpfung und die schädlichen Folgen der sogenannten Rauchgase - heute Luftschadstoffe genannt. Auch forsttechnische Untersuchungen und Fragen der Arbeitsvereinfachung beschäftigten bereits zu Anfang des Jahrhunderts die Forstliche Versuchsanstalt.

Die ersten Jahrzehnte unter den Direktoren Seckendorff bis Friedrich bildeten eine äußerst fruchtbare Schaffensperiode. Diese dauerte ungefähr bis zum Ersten Weltkrieg. Forscherpersönlichkeiten dieser Jahrzehnte auf den erwähnten Gebieten waren, um nur einige wenige zu nennen, Fritz Wachtl, Emil und Karl Böhmerle, Adolf Cieslar, Gabriel Janka, Emmerich Zederbaur, Adalbert Schiffel, Walter Sedlaczek und Peter von Rusnov.

Karl Böhmerle war übrigens einer der Initiatoren der IUFRO, des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten, der 1892 gegründet wurde.

Der Erste Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg waren auch für die Forstliche Versuchsanstalt schwere Zeiten. Während des Ersten Weltkriegs war in Mariabrunn ein Rekonvaleszentenheim des Roten Kreuzes untergebracht. Nur die Abteilung für Holztechnologie konnte ungehindert arbeiten, da sie militärischen Zwecken diente. Sie hatte u.a. zu erforschen, welche heimischen Baumarten sich an Stelle des immer seltener werdenden Nußholzes am besten zu Gewehrschäften verarbeiten ließen.

Nach Kriegsende litt die Versuchsanstalt unter dem Beamtenabbau, der Geldentwertung sowie der geographischen Verkleinerung des Arbeitsgebietes von der seinerzeitigen Monarchie auf die junge Republik. Das führte beinahe zur Auflassung der Forstlichen Versuchsanstalt. Leo Tschermak war maßgeblich beteiligt, daß es dazu nicht kam.

1924, zur Zeit des fünfzigjährigen Bestandes, gab es folgende Abteilungen: die Abteilung für Waldbau und Bestandesgründung, Waldsamenkontrolle, forstliche Bodenkunde und Standortslehre, geleitet von Leo Tschermak, die Abteilung für Waldbau und Bestandeserziehung, Ertrags- und Holzmeßkunde, Zuwachslehre, Forstbotanik und Phytopathologie, geleitet von Herbert Schmied, die Abteilung für Forstschutz, geleitet von Walter Sedlaczek sowie die chemische Abteilung für Bodenchemie, Holzchemie und Rauchschäden, geleitet von Peter Rusnov. Die Weltwirtschaftskrise und schlechte wirtschaftliche Situation zu Anfang der dreißiger Jahre behinderten weiterhin die Arbeit. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es neun wissenschaftliche Mitarbeiter, 1924 vier, 1937 nur mehr zwei für die zwei noch bestehenden Abteilungen. 1937 wurde ein dritter Mitarbeiter aufgenommen und die chemische Abteilung reaktiviert. Wesentlich vergrößert wurde die Versuchsanstalt nach 1938. Eine „Forschungsstelle für Holzbringung an der Staatlichen Forstlichen Versuchsanstalt Mariabrunn“ wurde gegründet, weiters eine „Abteilung für Ernährung aus dem Wald“ sowie das „Institut für biologische Holzforschung“, das von 1943 bis 1945 bestand. Insgesamt gab es während des Zweiten Weltkrieges acht Abteilungen. Der Großteil der rund 45 Mitarbeiter wurde aber zur Wehrmacht eingezogen. Gegen Kriegsende sollte Mariabrunn als „Festung“ gegen die drohende russische Front ausgebaut werden.

Im Sommer 1945 fanden sich fünf Mitarbeiter in Mariabrunn ein, nur eine einzige Abteilung, die für Forstchemie und Holztechnologie, hatte den Krieg überdauert.

1949, zum 75jährigen Bestehen der Forstlichen Versuchsanstalt, war das Ärgste überwunden, der Aufstieg zu einer neuen fruchtbaren Forschungsperiode hatte begonnen. Die nächsten 25 Jahre brachten die Etablierung früherer und neuer Forschungsgebiete, die Belebung der Publikationstätigkeit, die elektronische Datenverarbeitung, die Gliederung in Institute, die gesetzliche Regelung von Aufgaben und Organisation durch das Forstgesetz von 1975 und den Bau des neuen Hauptgebäudes in Wien Schönbrunn, um nur die wichtigsten Ereignisse zu nennen.

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Herausforderung "Waldsterben"

Das Auftreten „neuartiger Waldschäden“ in den frühen achtziger Jahren war eine noch nie dagewesene Herausforderung an die forstliche Forschung und die Forstliche Bundesversuchsanstalt. Die Forschung mußte schnell reagieren und völlig neue Arbeitsschwerpunkte setzen. Der Wald, der ein besonders empfindlicher Indikator für den Gesundheitszustand unserer gesamten Umwelt ist, bekam nun plötzlich einen neuen Stellenwert. Durch das gesteigerte Interesse der Öffentlichkeit am Wald war es möglich, das mit einem großen finanziellen und personellen Aufwand verbundene Umweltmonitoring einzuführen und die Waldschadensforschung zu intensivieren.

Das begann damit, daß im Winter 1982/83 in ganz Österreich stichprobenweise Untersuchungen der Schneedecke durchgeführt wurden, um festzustellen, ob auch außerhalb der bereits bekannten Immissionsgebiete eine Belastung durch Schadstoffe in Niederschlägen besteht. Es zeigte sich, daß auch die sogenannten

Reinluftgebiete zeitweisen Belastungen ausgesetzt sind. Die Ergebnisse der Schneeuntersuchungen sowie die Waldschadensentwicklung waren Anlaß, im Jahr 1983 ein flächendeckendes Probebaumnetz, das sogenannte Bioindikatornetz, einzurichten. Mit Hilfe dieses Stichprobennetzes wurden akkumulierbare Schadstoffe, vor allem Schwefel, durch Nadelanalysen festgestellt. Darüber hinaus wurden auch die Hauptnährstoffe bestimmt, um etwaige Störungen des Nährstoffhaushaltes erkennen zu können.

1984 wurde wegen der stärker auftretenden Waldschadenssymptome über Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft das sogenannte „Waldsterben“ zum Schwerpunktthema erklärt. Das „Waldsterben“ ist – trotz Prophezeihungen – nicht eingetreten. Forschungen im Zusammenhang mit den Auswirkungen forstschädlicher Luftverunreinigungen standen aber in den vergangenen 15 Jahren im Vordergrund der Arbeiten der Forstlichen Bundesversuchsanstalt.

Mit dem Eintritt Österreichs in die EU beziehungsweise schon in der vorbereitenden Phase wurde die europäische Zusammenarbeit ein weiterer maßgeblicher Faktor der Untersuchungen und Projekte und eine neue Herausforderung. Die Arbeit in den EU-Gremien, durch die EU nötig gewordene neue gesetzliche Bestimmungen und internationale Forschungsvorhaben liefern Vorgaben für einen wesentlichen Teil der Arbeitsvorhaben der FBVA.

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Modernisierungsschub

Die vorliegende „Chronik 1975-1999“ soll einen Überblick über die Entwicklung der vergangenen 25 Jahre auf allen wesentlichen Sektoren bieten. Einen umfangreichen Teil davon bildet die Auflistung sämtlicher Projekte nach Fachgebieten. Weiters enthält die Chronik einen Überblick über die organisatorischen Veränderungen und baulichen Maßnahmen, die Entwicklung von Stellenplan und Budget, EDV und Publikationswesen, eine Auflistung von Anschaffungen über öS 200.000,--, aller Publikationen, die in diesem Zeitraum an der Forstlichen Bundesversuchsanstalt gedruckt wurden, von wesentlichen Gutachten des Hauses, der Versuchsflächen, die in den vergangenen 25 Jahren neu angelegt wurden sowie sämtlicher Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen und der Institutsleiter von 1975 bis 1999.

In den letzten 20 Jahren ist es gelungen, die EDV laufend zu modernisieren und auszubauen, moderne Labors einzurichten, Geräte auf dem letzten Stand der Technik anzuschaffen und das Publikationswesen den neuesten Entwicklungen anzupassen. Darüber hinaus wurde auch das ehemalige Kloster Mariabrunn generalsaniert und zu einer modernen Forschungsstätte umgebaut, das Haus in Schönbrunn restauriert, eine Samenbank und Glashäuser neu gebaut und das Klimahaus auf dem Patscherkofel wieder instandgesetzt, um nur die wichtigsten baulichen Maßnahmen der letzten Jahre zu erwähnen. In Mariabrunn wurde außerdem das Museum für das forstliche Versuchswesen neu errichtet.

Ausgezeichnete Fachexperten wurden an die Forstliche Bundesversuchsanstalt geholt und zusätzlich zu den bereits vorhandenen Fachbereichen neue eingerichtet: So wurden u.a. eine Abteilung für Populationsgenetik und eine Abteilung für Biochemie begründet und die Meteorologie und die Bodenbiologie auf eine verbreiterte fachliche Basis gestellt.

Die Seckendorff-Gudent-Medaille wurde geschaffen, um Personen auszeichnen zu können, die sich um das österreichische forstliche Versuchswesen und die Forstliche Bundesversuchsanstalt besondere Verdienste erworben haben.

Im Jahr 1995 wurde die Medaille an Forstrat h.c. Dipl.-Ing. Walter Purrer und O. Univ.-Prof. Dr. iur. Dr. h. c. Manfried Welan verliehen, 1996 an den Präsident a. D. der Bayerischen Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Dr. Robert Holzapfl und 1997 an Vizerektor O.Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. nat. techn. Wolfgang Sagl, Reg. Rat Amtsdirektor Karl-Heinz Priesner und Dr. Johannes Abensperg und Traun.

Für das Gedeihen der Forstlichen Bundesversuchsanstalt ist neben guten Mitarbeitern und modernen Arbeitsbedingungen die enge Beziehung zur forstlichen Praxis und ihren Bedürfnissen und zur Universität für Bodenkultur als weiterer Stätte forstlicher Forschung in Österreich eine unverzichtbare Voraussetzung. Schließlich ist es auch wichtig, daß die breite Öffentlichkeit vom Nutzen der Forstlichen Bundesversuchsanstalt überzeugt ist.

Die Forstliche Bundesversuchsanstalt wurde vor 125 Jahren gegründet, um den österreichischen Wald in seinem Bestand zu retten und auf lange Sicht gesund zu erhalten. Dazu hat sie bisher beigetragen, und diese Aufgabe stellt sich auch in der Zukunft.


Literatur:

Forstliche Bundesversuchsanstalt (Hrsg.), 1974, Geschichte der Forstlichen Bundesversuchsanstalt und ihrer Institute, Mitteilungen der FBVA 106/1974, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, 216 S.
Forstliche Bundesversuchsanstalt (Hrsg.), 1974, 100 Jahre Forstliche Bundesversuchsanstalt Wien, 359 S
Bundesbaudirektion Wien, Forstliche Bundesversuchsanstalt (Hrsg.), 1994, Forstliche Bundesversuchsanstalt. Generalsanierung Mariabrunn 1994, Wien, 68 S.

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1999-06-22 (LinR/FeiH)    Index | Forschung | Publikationen