Forstliche Bundesversuchsanstalt - Index Waldwachstum und Betriebswirtschaft

Ergebnisse der terrestrischen Kronenzustandserhebungen im Rahmen des Waldschaden-Beobachtungsystems für das Jahr 1998

F. Kristöfel
Kristöfel.Ferdinand@fbva.bmlf.gv.at


Im Sommer 1998 wurden die terrestrischen Erhebungen des Kronenzustandes im Rahmen des Waldschaden-Beobachtungssystems (WBS) zum elften Mal durchgeführt. Die bundesweiten Erhebungen sind in das International Co-Operative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests (ICP-Forests) der United Nations Economic Commission for Europe (UN/ECE) eingebunden. Nach der Definition des ICP-Forests, die sich auf drei Ebenen (Levels) mit steigender Intensität der Untersuchungen aufbaut, entspricht das Netz für die großräumig-systematische Erhebungen des Waldzustandes dem Level I. Die jährlichen Kronenzustandserhebungen auf einem transnationalen Netz mit einer Rasterweite von 16x16km sind für alle EU-Mitgliedsländer gemäß der Verordnung des Rates zum Schutz der Wälder gegen Luftverunreinigungen (VO 3528/86) obligatorisch. Die dem transnationalen Netz entsprechenden Daten werden aus dem nationalen Gesamtnetz selektiert.

Methoden und Ergebnisdarstellung

Die Aufnahmemethoden und Ergebnisdarstellung richten sich nach der im "Manual on Methods and Criteria for Harmonized Sampling, Assessment, Monitoring and Analysis of the Effects of Air Pollution on Forests" der UN/ECE (Hrsg. Programme Coordinating Centre West, Hamburg, 4. Auflage 1998) vorgegebenen Vorgangsweise.

Der Nadel-/Blattverlust (NBV) der einzelnen Probebäume wird vor Ort in 5%-Stufen erfaßt. Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt hingegen in fünf Klassen ("defoliation classes"):

Bäume mit Nadel-/Blattverlusten bis zu 10% sind dabei als nicht verlichtet (not defoliated), mit 11-25% als leicht verlichtet (slightly defoliated), mit 26-60% als mittel verlichtet (moderately defoliated) und über 60% als stark verlichtet (severely defoliated) definiert. Ein NBV von mehr als 25% wird als Anzeichen von reduzierter Gesundheit angesehen und diese Bäume gelten als "geschädigt" (damaged), der Bereich zwischen 10% und 25% NBV wird hingegen als "Warnstufe" (warning stage) bezeichnet.

Es wird jedoch darauf hingewiesen (Report Forest Condition in Europe 1997), daß "geschädigte" Bäume mittels eines bestimmten NBV-Grenzwertes (in diesem Falle 25%) nicht von "gesunden" unterschieden werden können, da der Einfluß des Standortes und der Anteil des tolerierbaren NBV nicht exakt quantifizierbar sind. Das heißt aber auch, daß Bäume mit einem NBV über 25% nicht notwendigerweise im physiologischen Sinne geschädigt sein müssen, sondern auch eine phänotypische Reaktion auf den Standort darstellen können.

In diesem Jahr wurden erstmals nur die Probeflächen mit koordinativ eingemessenen Probebäumen taxiert, da nur vier Aufnahmegruppen zur Verfügung standen. Auf rund 12% der Probeflächen wurde eine unabhängige Zweittaxation durchgeführt, um systematische Abweichungen zu erkennen.

Baumartenverteilung

Grafik Baumartenverteilung

Auf den Probeflächen wurden die dem Mittelpunkt nächstgelegenen Bäume der sozialen Stellung 1,2 und 3 als Probebäume ausgewählt und mittels Polarkoordinaten eingemessen. Nach Baumarten verteilen sich die rund 7350 Probebäume auf (gerundet) 67.5% Fichte, 2.5% Tanne, 4% Lärche, 12.5% Weißkiefer, 8% Buche, 2% Eiche und 3.5% sonstiges Nadel- und Laubholz. Diese Baumartenverteilung entspricht im Wesentlichen den Ergebnissen der Österreichischen Waldinventur.

Nutzungseingriffe und Mortalität

Von den in Beobachtung stehenden Bäumen wurden von 1997 auf 1998 rund 2% im Zuge von Nutzungen entnommen. Die Entnahmen betrafen bis auf eine Fläche, die zur Gänze geschlägert wurde, lediglich Einzelbaumentnahmen. Der Prozentsatz der entnommenen Bäume ist über die Jahre hindurch mit Werten zwischen 1.5% und 2% ziemlich unverändert, und lag nur von 1994 auf 1995 einmal unter 1%. Diese Nutzungsraten entsprechen in ungefähr dem von der Österreichischen Waldinventur ermittelten Werten. Nach dem Kronenzustand entsprechen die entnommenen Probebäume dem Durchschnitt. Nur für eine Eichenfläche ergeben sich Hinweise darauf, daß der Eingriff aufgrund des schlechten Kronenzustandes erfolgte, da bereits im Vorjahr hohe Blattverluste bei diesen Probebäumen konstatiert wurden.

Grafik: Nutzung und Mortalität

Von 1997 auf 1998 sind 8 Probebäume abgestorben, das entspricht einer Mortalitätsrate von 0,1%. Nach der Abnahme der Mortalitätsrate seit 1994 ist nun wieder ein geringer Anstieg erfolgt. Die tatsächliche Mortalitätsrate könnte auch höher sein, da die zwischen den Aufnahmen entnommenen abgestorbenen Bäume nicht in diese Berechnung einfließen können. Insgesamt sind drei Kiefern, eine Tanne, zwei Lärchen und zwei Edelkastanien abgestorben. Eine Kiefer ist wegen Käferbefalls, die beiden Edelkastanien sind vermutlich wegen Befalls durch Cryphonectria parasitica abgestorben. Bei den anderen ist die Ursache des Absterbens unbekannt.

Kronenzustand

Für alle Baumarten zusammengerechnet zeichnet sich eine geringfügige Verschlechterung ab. Die stark verlichtete Klasse nahm um 0.2-Prozentpukte zu, die als -nicht verlichtet bezeichnete Klasse nahm um 2-Prozentpunkte ab.

Grafik: Kornezustand

Diese geringe Verschlechterung zeigt sich auch deutlich in der Verschiebung in den 5-Prozentstufen. Der Prozentsatz der Bäume mit 0% und 5% NBV hat geringfügig abgenommen, eine leichte Zunahme ist bei 10% und 20% zu erkennen. Der Anteil von Bäumen mit über 50% NBV ist sehr gering, sodaß sich Änderungen hauptsächlich in den niedrigen NBV-Stufen niederschlagen. Da der mittlere NBV - das arithmetische Mittel des NBV - für alle Baumarten nur gering ist, schlägt sich diese geringfügige Verschlechterung auch kaum im mittleren NBV nieder.

Kronenzustand der einzelnen Baumarten

Fichte

Der Kronenzustand der Fichte zeigte über den gesamten Beobachtungszeitraum eine mehr oder weniger kontinuierliche Verbesserung. In diesem Jahr wird diese Entwicklung abgeschwächt. Die Anzahl der -geschädigten Bäume nahm zwar um 0.3%-Punkte ab, jedoch stieg der Anteil der leicht verlichteten um 2,9%-Punkte. Der mittlere NBV zeigt über alle Beobachtungsjahre kaum Veränderungen und liegt in Relation zu den anderen Baumarten niedrig.

Grafik:Nadelblattverlust

Tanne

Bei Tanne zeigt sich in diesem Jahr eine deutliche Verschlechterung. Die geschädigten Bäume nahmen um 10.7-Prozentpunkte zu, nur mehr 47.3% wurden als nicht verlichtet beurteilt. Der mittlere NBV zeigte in den ersten fünf Beobachtungsjahren eine nahezu kontinuierliche Abnahme, verblieb dann die letzten vier Jahre auf einem gehobenen Level und zeigt heuer einen deutlichen Anstieg.

Lärche

Die Lärche weist mit 73.5% nicht verlichteten Bäumen den besten Kronenzustand aller Probebäume auf, der Anteil geschädigter Bäume stieg geringfügig um 0.7-Prozentpunkte.

Kiefer

Bei Kiefer zeigt sich nur eine geringfügige Veränderung. Der Anteil nicht verlichteter Probebäume nahm im Vergleich zum Vorjahr um 0.4-Prozentpunkte ab, der Anteil geschädigter Probebäume nahm im gleichen Ausmaß ab. Bei dieser Baumart zeigte sich von 1994 auf 1995 eine deutliche - nicht erklärbare - Abnahme des mittleren NBV und ist seit damals mehr oder weniger auf demselben Level verblieben.

Buche

Nur bei Buche zeichnet sich im Vergleich zum Vorjahr eine gewisse Verbesserung ab. Der Anteil der geschädigten Probebäume ging um 2.2-Prozentpunkte zurück, der Anteil nicht verlichteter Probebäume stieg um 2.1-Prozentpunkte. Der Verlauf des mittleren NBV zeigt eine geringfügige Abnahme über den gesamten Beobachtungszeitraum.

Eiche

Die Eiche, die in allen Jahren den schlechtesten Kronenzustand aufwies, zeigt eine divergierende Entwicklung. Zwar hat der Anteil der geschädigten Probebäume in Summe um 4.6-Prozentpunkte abgenommen, jedoch ist der Anteil der stark verlichteten Probebäume um 3.3-Prozentpunkte angestiegen. Die nicht verlichteten Probebäume nahmen um 4.6-Prozentpunkte auf nunmehr nur 32.7% ab. Der mittlere NBV - in allen Jahren sehr hoch - zeigte bis zum Jahre 1995 eine leichte Verbesserungstendenz, seit damals ist wieder ein Anstieg zu beobachten.

Grafik:Verlichtungsstufen

Kronenzustand auf den Beobachtungsflächen

Die Verteilung der Probeflächen mit den Anteilen an Probebäumen von über 25% Nadel/Blattverlust - nach ECE-Kriterien "geschädigten" - zeigt keine gravierenden Änderungen im Vergleich zum Vorjahr. Schwerpunkte zeigen sich wie in den vorangegangenen Jahren auf den Kiefern- und Eichenflächen im nordöstlichen Alpenvorland und im Weinviertel sowie auf Probeflächen in den nördlichen Kalkalpen. Hinzugekommen sind einige Probeflächen mit höheren Anteilen an geschädigten Bäumen in der Obersteiermark.

Grafik:Kroenzustand auf den Beobachtungsflächen

Sonstige Schäden

Nur 54 Prozent der Probebäume haben keine erkennbaren biotischen oder abiotischen Schäden. 4.7% der Probebäume weisen Schälschäden auf, 13.5% Rücke- und Fällungsschäden und 5.9% Steinschlagschäden. 11.6% der Probebäume sind mehrfach geschädigt. Mistelbefall weisen 18.6% der Eichen,17.9% der Tannen und 7.8% der Kiefern auf. Vergilbungen und Verfärbungen wurden nur an 1.5% der Probebäume, vornehmlich an Fichte, festgestellt.

Veränderungen

Um ein Ausmaß von Veränderungen auf den einzelnen Probeflächen darzustellen und um witterungs- und taxationsbedingte annuelle Schwankungen auszugleichen, wurden die mittleren NBV für die einzelnen Probeflächen jeweils über die ersten fünf Aufnahmejahre bzw. zweiten fünf Aufnahmejahre zusammengefaßt und gegenübergestellt. Für diesen Vergleich wurden nur Probebäume bzw. Probeflächen herangezogen, die über die gesamte Aufnahmeperiode taxiert wurden. Es zeigte sich, daß Veränderungen des mittleren NBV nur auf wenigen Flächen eingetreten sind. Insgesamt wurden auf rund 25% der Probeflächen positive oder negative Änderungen von mehr als 3% im mittleren NBV zwischen den Perioden festgestellt. Eine gravierende Verschlechterung mit einer Zunahme des mittleren NBV von über 10% wurde nur auf zwei Eichenflächen konstatiert.

Dieses zeigt, daß zwar jährliche Änderungen des Kronenzustandes bedingt durch Witterungseinflüsse, aber auch durch eine gewisse Subjektivität der Taxatoren stattfinden, daß aber der vorgefundene Kronenzustand auf der Probefläche hauptsächlich eine Reaktion der Probebäume auf deren Standortsbedingungen ist.

Grafik: Änderungen des NBV
KriF/FeiH/1999-01-15 top Forstliche Bundesversuchsanstalt - IndexForschungPublikationen