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Kronenzustandserhebung 1999 ergibt insgesamt stabilen Waldzustand - Eiche und Tanne sind aber weiterhin Schlußlichter

Die Forstliche Bundesversuchsanstalt erhob im Sommer 1999 zum zwölften Mal den Kronenzustand der österreichischen Bäume. Diese terrestrischen - also vom Boden aus durchgeführten - Beobachtungen des Kronenzustandes erfolgen im Rahmen des Österreichischen Waldschadenbeobachtung-Systems. Die heurigen Ergebnisse belegen im Durchschnitt einen stabilen Waldzustand während der letzten fünf Jahre. Bei den Nadelbäumen verschlechterte sich jedoch der Zustand von Tanne, Lärche und Kiefer geringfügig. Bei den Laubbäumen kam es hingegen bei Buche - vermutlich wegen der günstigen Witterungsbedingungen - zu einer leichten Verbesserung. Den schlechtesten Baumkronenzustand weisen nach wie vor Tanne und Eiche auf. Bei beiden Baumarten zeichnet sich in den letzten Aufnahmejahren eine kontinuierliche Verschlechterung ab.


Insgesamt wurde der Kronenzustand von 7242 Probebäumen beurteilt. Diese verteilen sich auf 68% Fichte, 3% Tanne, 4% Lärche, 12% Weißkiefer, 8% Buche und 2% Eiche. Von den in Beobachtung stehenden Bäumen wurden seit dem Vorjahr 1,3 % im Zug von Nutzungen entnommen und 7 Probebäume sind abgestorben.

Über alle Baumarten gerechnet zeigt sich im Vergleich zum Vorjahr keine Änderung des Kronenzustandes. Rund zwei Drittel aller Probebäume wurden als "nicht verlichtet" eingestuft.

Auch die räumliche Verteilung der Flächen mit einem hohen Anteil von nach ECE-Kriterien "geschädigten" Bäumen hat sich im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Schwerpunkte zeigen sich wie in den vorangegangenen Jahren auf den Kiefern- und Eichenflächen im nordöstlichen Alpenvorland und im Weinviertel sowie auf Probeflächen in den nördlichen Kalkalpen. Einige wenige Probeflächen weisen im Vergleich zu 1998 eine Verbesserung auf.

Kronenzustand der Hauptbaumarten

Die Fichte weist beim Nadelverlust über alle Beobachtungsjahre hinweg kaum Veränderungen auf und steht diesbezüglich nach der Lärche am besten von allen Baumarten da. Vergilbungen und Verfärbungen kommen nur sehr selten vor.

Bei der Tanne hält auch heuer die tendenzielle Verschlechterung an. Es gibt um 3,8 % weniger "nicht verlichtete“ Bäume, sodaß 1999 nur mehr 43,5% als “nicht verlichtet“ eingestuft wurden, 1998 waren es 47,3%. Die stark verlichteten Bäume nahmen um 2,8-Prozentpunkte zu. 6,5% der Probebäume weisen eine Vergilbung/ Verfärbung auf.

Der Kronenzustand der Lärche hat sich geringfügig verschlechtert. Dies dürfte durch die bereits seit Herbst 1998 beobachtete starke Zunahme der Lärchennadelknicklaus (Adelges geniculatus) mitbedingt sein. Bei Kiefer blieb der Zustand in Summe unverändert.

Die Buche hat sich gegenüber dem Vorjahr erholt. Anscheinend haben sich aber nur die leicht verlichteten Probebäume, vermutlich durch günstige Niederschlagsverhältnisse bedingt, regenerieren können.

Die Eiche, die Baumart mit dem nach wie vor schlechtesten Kronenzustand aller Baumarten, konnte sich im Gegensatz zur Buche nicht regenerieren. Nur mehr 27% der Probebäume wurden als “nicht verlichtet“ klassifiziert, 1998 waren es 32,7%.

Fünf Verlichtungsklassen

Die bundesweiten Erhebungen sind in das International Co-Operative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests (ICP-Forests) der United Nations Economic Commission for Europe (UN/ECE) eingebunden. Jährliche Kronenzustandserhebungen auf einem transnationalen Netz mit einer Rasterweite von 16x16km sind für alle EU-Mitgliedsländer gemäß der Verordnung des Rates zum Schutz der Wälder gegen Luftverunreinigungen (VO 3528/86) obligatorisch und werden aus EU-Mitteln co-finanziert. Die dem transnationalen Netz entsprechenden Daten werden aus dem nationalen Gesamtnetz selektiert.

Die Darstellung der Ergebnisse erfolgt in fünf Klassen ("defoliation classes"). Bäume mit Nadel-/Blattverlusten bis zu 10% sind dabei als nicht verlichtet (not defoliated), mit 11-25% als leicht verlichtet (slightly defoliated), mit 26-60% als mittel verlichtet (moderately defoliated) und über 60% als stark verlichtet (severely defoliated) definiert. Ein Nadel-/Blattverlust von mehr als 25% wird als Anzeichen von reduzierter Gesundheit angesehen und diese Bäume gelten als "geschädigt" (damaged), der Bereich zwischen 10% und 25% wird als "Warnstufe" (warning stage) bezeichnet.

Weitere Informationen

Forstliche Bundesversuchsanstalt
Institut für Waldwachstum und Betriebswirtschaft
Tel.: +43-1-87838/1330,
Email: ferdinand.kristoefel@fbva.bmlf.gv.a


1999-10-20 LinR, Rückfragen: ferdinand.kristoefel@fbva.bmlf.gv.at
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