Ein Waldgenetik-Kurs in den
nord-mexikanischen Kiefernwäldern


Dr. Berthold Heinze, Wissenschaftler des BFW, hat im August 2015 einen einwöchigen Kurs an der Universität von Durango in Mexiko abgehalten, bei dem Molekulargenetik und Genomforschung im Mittelpunkt standen. Mit 15 eifrigen Studentinnen und Studenten der Universidad Juarez de Durango wurden molekulare Grundlagen, genetische Besonderheiten der Waldbäume und aktuelle Forschungsthemen behandelt und angeregt diskutiert. Ein Bericht über den Kurs wurde auch vom Fernsehsender der Universität ausgestrahlt. Der einladende Professor Christian Wehenkel leitet Forschungsprojekte zur Anlage von Saatgutbeständen, für die zum Beispiel die Erkennung von Hybriden sehr wichtig ist – was ebenfalls mit genetischen Markern besser gelingt. Einige dieser Bestände wurden auch besichtigt, was mitunter stundenlange Fahrten auf "verbesserungsfähigen" Straßen voraussetzte.

Evolution hat unglaubliche Vielfalt von Arten hervorgebracht

Der Norden Mexikos ist vielen als Wüste bekannt, oder als Schauplatz von Western-Klassikern. Wer bei diesen Filmen genauer hinsieht, wird bei Szenen in den Bergen von der Vielfalt der Kiefern und Eichen im Hintergrund überrascht sein: Die Evolution hat hier eine unglaubliche Vielfalt von Arten hervorgebracht, jede mit ganz speziellen Anpassungen z.B. an den Boden und das oft trockene Klima. Vor allem drei- bis fünfnadelige Kiefern, von denen wir in Mitteleuropa nur die Zirbe besser kennen, gibt es in Hülle und Fülle. Eine halbe Stufe Unterschied im pH-Wert des Bodens kann bereits dazu führen, dass eine ganz andere Art am Standort dominiert. Schluchten von der Bergwelt der Sierra hinunter zum Pazifik bieten seltenen Fichten-, Tannen- und Douglasienarten Zuflucht. Die Erforschung dieser Vielfalt – vor allem im Gegensatz zur europäischen "Artenarmut" der Gattung – ist ein faszinierendes Feld, das auch viele wirtschaftliche Aspekte beinhaltet. Die Aufforstung, forstliche Behandlung und die Nutzung des Holzes bieten vielen Menschen Arbeit und Einkommen in einer sonst eher strukturschwachen Weltgegend – allerdings nur, wenn man die Eigenheiten der unterschiedlichen Baumarten kennt und berücksichtigt.

Im Oktober wird eine Delegation aus Durango Österreich und Bayern bereisen, um Kontakte zu knüpfen und die Bergwaldwirtschaft näher kennenzulernen. Stationen sind die Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach des BFW, die Baumschule LIECO in Kalwang, die AUSTROFOMA in Aigen-Schlägl, das Faserwerk in Lenzing und das BFW in Wien.


Molekulargenetik und Genomforschung interessierten zahlreiche Kursteilnehmerinnen und Teilnehmer


Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Kurses an der Universität in Durango, Mexiko


Suchbild mit Kiefern: oft auf engstem Raum beherbergt der Norden Mexikos eine große Vielfalt an Kiefernarten


Bericht auf der Hompage der Universität (in Spanisch)



Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Heinze B.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10057