Wie entsteht eine Schneebrettlawine?


Wir alle haben sicherlich schon festgestellt, dass in klaren Winternächten die Temperaturen regelrecht abstürzen können. Dies hängt damit zusammen, dass es in solchen Nächten zu einem starken Energieverlust durch die langwellige Ausstrahlung von der Erd- bzw. Schneeoberfläche kommt. In Folge der fehlenden Wolkendecke in klaren Nächten kann die abgestrahlte Energie ungehindert in den Weltraum entweichen.

Gefahrenquelle Oberflächenreif

Auf Grund der besonderen thermischen Eigenschaften des Schnees bewirkt diese Ausstrahlung ein  starkes Absinken der Temperatur an der Schneeoberfläche; die Schneeoberflächentemperatur kann dabei deutlich unter die Temperatur der umgebenden Luft sinken.
Gleichzeitig entsteht aber auch ein Wasserdampftransport von der wärmeren Luft zur kälteren Schneeoberfläche. An dieser gefriert der Wasserdampf zu Eis und es entstehen flächige bis federartige Kristalle, die unter dem Begriff Oberflächenreif bekannt sind. Jeder Autofahrer, der schon seine Windschutzscheibe vom Eis befreit hat, kennt dieses Phänomen.



Dieser Prozess kann in bewölkten Nächten nicht stattfinden, weil die Wolken die ausgestrahlte Energie auffangen und zurück zur Erdoberfläche abstrahlen. Wegen dieser Gegenstrahlung kann die Erd- bzw. Schneeoberfläche nur wenig abkühlen. Waldflächen haben eine ähnliche Wirkung, weil das Kronendach wie eine schützende Wolkendecke wirkt.

Instabile Schwachschicht

Auf jeden Fall kann sich an so einem Oberflächenreif eine sogenannte Schwachschicht ausbilden. Solche Schichten im Schnee versagen bei großer und schneller Belastung leichter als andere Schneeschichten und werden somit als erstes instabil. Solange es auf diesen Oberflächenreif nicht schneit, stellt der Reif keine Gefahrenquelle dar. Erst wenn dieser von einer ausgeprägten Schneeschicht überlagert wird, entsteht eine kritische Lawinensituation. Befindet sich nämlich über der Oberflächenreifschicht gebundener Schnee, so wirken auf die Reifschicht, infolge des Gewichts der jetzt darüber liegenden Schneetafel, entsprechende Belastungen. Diese können zum Bruch eines kleinen Bereichs der Schwachschicht führen. Wenn die Bindungen an den Rändern dieser gebrochenen Bereiche nicht stark genug sind, setzt sich dieser Bruch fort und es kommt, sofern eine Hangneigung von mindestens 30° vorliegt, zum Abgang eines Schneebretts. Je nach den gegebenen Umständen kann die Zusatzlast für den Beginn dieses Bruches aber nicht nur Neuschnee sein. Oft reicht schon das Gewicht eines einzelnen Wintersportlers aus, um ein ganzes Schneebrett auszulösen. Nach dem heutigen Wissensstand kann aber ein Skifahrer nur dann einen solchen Bruch herbeiführen, wenn die betreffende Schwachschicht nicht tiefer als 80 Zentimeter von der Schneeoberfläche entfernt liegt.



Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
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Autor: Höller P.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10101