Kuriose Figuren IV: Die
Verpackungskünstlerin unter den Motten


Wien, Mai 2017 - Auch heuer ist sie wieder häufiger zu beobachten: die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte (Yponomeuta cagnagella).

Die Raupen der wie "Dalmatiner" gemusterten Schmetterlinge fressen im Frühjahr - geschützt in hauchdünnen Geweben - vornehmlich den Gewöhnlichen Spindelstrauch (Euonymus europaeus). Je nach Intensität kann die befallene Pflanze kahl gefressen werden, wobei die sogenannten Gespinste mit den Fraßplätzen mitwachsen. Die Raupe ist imstande, die gesamte Pflanze einzuhüllen.

Gefräßig und harmlos

Es gibt mehrere Arten dieser Gattung, die sich weder als Raupe noch als Falter in ihrer Physiognomie deutlich voneinander unterscheiden. Da sie bei ihrer Futterwahl spezifisch sind, wird die Differenzierung fast ausschließlich über die befallene Pflanze vorgenommen. Obwohl sie in manchen Regionen massiv auftreten, kann entwarnt werden: Gefährlich sind sie nicht. Auch kahl gefressene Pflanzen treiben innerhalb kurzer Zeit wieder aus, sodass im Sommer vom Fraß kaum mehr als Gespinstreste zu sehen sind. Auch im Wald stellen die Gespinstmotten  keine Gefahr dar, selbst wenn sie in "Rekordjahren" in der Lage sind, ganze Bäume einzuspinnen, wie zum Beispiel vor einigen Jahren die Traubenkirschengespinstmotte in den Donauauen um Tulln.

Vergleichsweise langsame Entwicklung

Ihre Fortpflanzungsrate beschränkt sich auf eine Generation pro Jahr. Die Populationsdichte hängt vom Auftreten natürlicher Gegenspieler, den meteorologischen Verhältnissen und dem Zeitpunkt des Blattaustriebes ab. Auch parasitäre Fliegen können den Larven zu schaffen machen, die sich entweder in oder an ihr festsetzen und sie so schwächen respektive töten. Die im Spätsommer des Vorjahres auf Zweigen abgelegten Eier überwintern, und Ende April/ Mai schlüpfen die Raupen, die sich dann zu einer Art Raupenknäuel zusammenfinden. Fressen und spinnen sind nun die angesagten Tätigkeiten, so lange bis sich die Larven verpuppen - je nach Art entweder auf der Pflanze oder in einem Gespinst am Boden. Nach der Puppenruhe schlüpfen die circa ein Zentimeter großen Falter mit dem auffallenden "dalmatinerartigen" Aussehen: Die Vorderflügel sind weiß mit schwarz-bräunlichen Punkten und das hintere Flügelpaar ist bräunlich gefärbt. Der Kopf und die Fühler sind weiß.

Was tun?

Gespinstmotten tun nichts. Sie wollen nur fressen. Sie haben weder Gifthaare noch beißen sie. Deswegen kann man vereinzelt auftretende Raupenknäuel als faszinierendes Naturschauspiel belassen. Wenn sie zu viele Pflanzen erwischt hat, dann können die Nester jederzeit abgesammelt, mit dem Schlauch weggespritzt oder mit der Gartenschere entfernt werden. Die Pflanzen treiben in der Regel selbst bei Kahlfraß wieder aus. Im Wald macht man am besten nichts.

Autorin Mag. Marianne Schreck
Wissenschaftlicher Projektleiter DI Bernhard Perny, bernhard.perny@bfw.gv.at
Rückfragen an Marianne Schreck, marianne.schreck@bfw.gv.at



Die Pfaffenhütchen-Gespinstmotte in Großaufnahme.
Bild: BFW / Jim Connell
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Gespinste der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte.
Bild: BFW / Gernot Hoch
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Die Traubenkirschen-Gespinstmotte kann ganze Bäume einwickeln.
Bild: BFW / Bernhard Perny
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Gespinste der Pfaffenhütchen-Gespinstmotte an einem Strauch.
Bild: BFW / Bernhard Perny

Gespinste der Traubenkirschen-Gespinstmotte im Wald.
Bild: BFW / Bernhard Perny
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Gespinste der Traubenkirschen-Gespinstmotte im Wald.
Bild: BFW / Bernhard Perny
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So sieht die adulte Motte aus.
Bild: gbohne
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Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Perny B., Schreck M.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10140