Wie viel Wald steht in Europa für die Holzversorgung zur Verfügung?


Eine europaweit harmonisierte Definition wurde unter österreichischer Mitarbeit erarbeitet  

Wälder leisten Vielfältiges für die Gesellschaft – sie können Schutz bringen vor Naturgefahren, Erholungsraum darstellen, als auch Arbeitsplatz sein und Rohstofflieferant. Genau um letztere Frage, wo dient der Wald als Holzlieferant, geht es hier. Eine aktuelle Studie unter der Schirmherrschaft des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW), Wien, hat dazu eine gemeinsame Definition zu der Nutzbarkeit von Waldflächen erarbeitet und veröffentlicht.© BFW
Europa ist heute zu 33 Prozent von Wald bedeckt. Nach offizieller Berichterstattung (State of European Forests) sind rund 80 Prozent der Flächen für die Gewinnung von Holz nutzbar (166,5 Millionen Hektar, nicht berücksichtigt ist Russland). Dieser Bericht leidet aber unter dem Mangel, dass es in Europa keine einheitlich akzeptierte Definition für diese Waldkategorie gibt. Daher wurde unter der Federführung des BFW eine von Forstexperten europaweit anerkannte Definition erarbeitet.
Europas Fläche für forstwirtschaftliche Nutzung kleiner als angenommen
Das BFW hat sich gemeinsam mit der Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen  für Europa (UNECE) und der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) mit diesem Thema beschäftigt. Es konnte dabei in einer europaweiten Zusammenarbeit eine Arbeitsdefinition für Flächen erarbeitet werden, die sich für eine Holznutzung anbieten. „Diese neue Definition wird vermutlich dazu führen, dass die Fläche für Holznutzung geringer ausfallen wird, konsequenterweise ist die angenommene Menge an Holzressourcen ebenfalls kleiner“, erklärt Dr. Klemens Schadauer vom BFW. Die nationalen Waldinventuren werden ihre gemeldeten Flächen in Zukunft an die harmonisierte Definition anpassen und nachschärfen müssen.
Ausschließungsgründe
Gründe, die eine Nutzung von Holz im Wald ausschließen, sind zum Beispiel: Naturschutzwidmungen, Flächen zu geringer Produktivität, technische Einschränkungen durch zu steiles Gelände, fehlendes Forststraßennetz oder abweichende Eigentümerinteressen.
In Zeiten von Klimawandel und einer wachsenden Weltbevölkerung spielen Wälder eine immer wichtigere Rolle als Kohlenstoffspeicher, Erhalter von Biodiversität, als auch für die Gewinnung von nachwachsenden Rohstoffen. Eine gemeinsame europäische Definition von nutzbaren Flächen ist deshalb wichtig, um eine nachhaltige Versorgung mit Holz und Biomasse zu gewährleisten, Möglichkeiten und weitere Strategien für die Gewinnung von Energieholz abzuschätzen und die Aufrechterhaltung aller Leistungen unserer Wälder zu beobachten. „Diese Arbeiten belegen die führende Rolle des BFW im Bereich Monitoring und wir werden die internationalen Kooperation weiter verstärken“, erklärt Dr. Peter Mayer, Leiter des BFW.
Die Studie wurde innerhalb der COST Aktion USEWOOD in enger Kooperation mit dem europäischen Netzwerk nationaler Waldinventuren (ENFIN) unter der Leitung von Waldinventur-Experte Klemens Schadauer durchgeführt.
Original Artikel:
Alberdi, I. et al. (2016): Towards a harmonized assessment of European forest availability for wood supply in Europe. Forest Policy and Economics 70 (2016) 20–29
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Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Schadauer K., Lackner M.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10151