Verbissintensität von Fichten genetisch bestimmt


Auch Pflanzen fressende Wildtiere haben Geschmack und fressen nicht jedes junge Bäumchen mit demselben Appetit. Bei der Sitkafichte, einer nahen Verwandten der europäischen Fichte, haben Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der genetischen Variation der am Stoffwechsel beteiligten Gene und der Verbissintensität gefunden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Instituts für Waldgenetik des BFW suchen in einem noch laufenden Projekt nach verbissresistenten Fichten.

Bei der Bewirtschaftung österreichischer Wälder kommt es immer wieder zu Problemen mit der Vereinbarkeit forstlicher Interessen und der Jagd. Junge forstliche Kulturen werden zum einen vom Wild angeknabbert und verursachen damit wirtschaftlich bedeutsame Schäden für den Waldbewirtschafter. Zum anderen besteht für viele Forstbetriebe die Notwendigkeit aufgrund schwankender und teilweise niedriger Holzpreise die Wildbewirtschaftung und Jagd als eine zweite Einkommensquelle zu betreiben. Die wirtschaftlich bedeutsame Fichte ist dadurch stark betroffen, was wiederum zu höheren Kosten für Schutzmaßnahmen gegen Wildverbiss führt.

Verbissaufnahmen an 800 Fichten
Was macht nun manche Fichten wohlschmeckender als ihre Artgenossen? Das Institut für Waldgenetik ist dieser Frage nachgegangen und hat bei 800 jungen Fichten detaillierte Verbissaufnahmen durchgeführt. Schon 2014 wurde damit begonnen, den Winter-, Frühjahrs- und Sommerverbiss aufzunehmen. Gleichzeitig wurden Nadelproben von den beobachteten Pflanzen gewonnen und hinsichtlich ihres Nähstoffgehaltes untersucht. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass Bäumchen, die weniger Stickstoff, Kalium, Kalzium, Mangan, Kupfer und Bor, aber mehr Magnesium beinhalten, weniger gerne verbissen werden. Kann man eine ungleichmäßige Verteilung der Nährstoffgehalte im Boden ausschließen, sind genetische Variationen als Grund für die Unterschiede denkbar. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass der Nährstoffhaushalt stark genetisch bestimmt ist.

Fichte mit verbissenem Trieb (Bild: BFW)

Genetisches Material gesichert
Individuen mit der gewünschten Gen-Konstellation wurden vegetativ durch Stecklinge und durch Pfropfung vermehrt. Die zusätzlich durchgeführte Pfropfung soll vor allem dazu dienen, das genetische Material zu sichern, während die Stecklinge sich für spätere Untersuchungen und die Massenproduktion eignen. Da sich der Erfolg von vegetativen Vermehrungen erst nach einigen Monaten zeigt, wurden die Jungbäume den ganzen Sommer über beobachtet. Am Ende der Vegetationsperiode zeigte sich, dass von jedem Klon sowohl Stecklinge als auch Propflinge überlebt haben. Damit ist das genetische Material gesichert und steht als Basis für verbissresistentes forstliches Vermehrungsgut zur Verfügung.

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Schüler S., Walli A.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10153