Erste Zwischenbilanz –
Permanente Waldinventur erfolgversprechend


Die österreichische Waldinventur (ÖWI) wurde seit 1961 bisher acht Mal durchgeführt. Dabei wurde drei Jahre lang in der Vegetationsperiode gemessen, dann war wieder Pause. 2016 hat das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) die permanente Waldinventur eingeführt, wie sie schon in den 60er bis zu den 80er des letzten Jahrhunderts regelmäßig stattfand. 23 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren von April bis Oktober in ganz Österreich unterwegs, um alle Messpunkte zu erreichen.

Im Sommer 2016 ist wohl keine ÖWI-Mitarbeiterin und kein ÖWI-Mitarbeiter trocken geblieben. In den letzten Jahrzehnten gab es wohl kaum eine so mit Regen durchwachsene Erhebungszeit. Dennoch konnte das von Außendienstkoordinator Elmar Hauk ausgearbeitete Programm erfolgreich durchgeführt werden. Im April wurde im Burgenland und der Steiermark begonnen, im Juni waren die Teams in Kärnten unterwegs, Juli und August war den alpinen Bereichen in West-Österreich gewidmet und im Herbst wurde mit den Gebieten nördlich der Donau die Österreich-Tour der Waldinventur beendet. "In jedem Jahr soll ganz Österreich abgedeckt werden. Das Probeflächennetz wird von Jahr zu Jahr dichter und die Genauigkeit damit erhöht", erklärt Dr. Klemens Schadauer, Leiter des Instituts für Waldinventur des BFW.
© BFWAlmen verbuschen zuerst und werden langsam wieder zu Wald. Bild: BFW
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Die Umstellung der Erhebungen auf ein kontinuierliches Verfahren sei durch die technischen Neuerungen einfacher geworden, sagt DI Richard Büchsenmeister, Leiter der Abteilung für Inventurdesign und Fernerkundung am Institut für Waldinventur. Früher mussten die Mitarbeiter ihre Daten in den Wintermonaten nach der Messperiode händisch eingeben. Heute ist das Waldinventurpersonal mit Tablets ausgerüstet, die Daten werden im Wald aufgenommen und  unmittelbar via Internet in eine Datenbank am BFW eingespielt.

Image-Matching unterstützt die Erhebungen

Die rasanten Entwicklungen im Bereich der Fernerkundung werden die Auswertungen in Zukunft noch effizienter machen. Mitarbeiter des BFW erarbeiteten ein Verfahren, mit dem aus digitalen Luftbildern und einem Laser-Geländemodell Informationen zur Waldfläche, zum Vorrat und zur Holznutzung gewonnen werden können. Dafür kommt eine Technologie zum Einsatz, die es erlaubt, aus den Luftbildern dreidimensionale Oberflächenmodelle abzuleiten. In der Fachsprache wird das Image-Matching genannt. "Die Methode ist im praktischen Einsatz, aber mit sehr langen Rechenzeiten verbunden. Einmal ganz Österreich dauert zwei Jahre", sagt Schadauer. Diese Arbeiten erfolgen in  Abstimmung mit dem Bundesamt für Eich- und Vermessungswesen

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Am Waldrand stoßen die Messungen mitunter auf reges Interesse. Bild: BFW
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Permanentes System bringt viele Vorteile

Der Informationsbedarf über den Wald ist aktuell so hoch wie nie zuvor in der Geschichte der ÖWI. Die Politik und die Gesellschaft brauchen in Fragen des Klimawandels und der ökologischen wie ökonomischen Nachhaltigkeit eine Entscheidungsgrundlage, mit der schnell auf aktuelle Probleme und Fragestellungen reagieren werden kann. Die Vorteile des permanenten Systems liegen auf der Hand. So sind für einige Parameter künftig Jahresergebnisse möglich, für die es früher nur fünf- bis siebenjährige Intervalle gab. Zusätzlich wird die räumliche Informationsdichte angehoben, beispielsweise für die Frage der nachhaltigen Versorgung mit Biomasse aus dem Wald für einzelne Regionen. Des Weiteren kann die aktuelle Förderpolitik sinnvoll evaluiert und Entscheidungshilfen für die Künftige geliefert werden. Risiko-Hotspots im Zusammenhang mit dem Klimawandel können rascher identifiziert und Berichtspflichten zeitnaher wahrgenommen werden, zum Beispiel für den Bericht gemäß Kyoto-Protokoll und für die Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der EU.

"Die Kombination aus exakten Messungen im Wald und modernster Fernerkundungstechnologie garantiert die hohe Informationsqualität der österreichischen Waldinventur für Politik und Wirtschaft", erläutert Dr. Peter Mayer, Leiter des BFW.

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Auf dem Weg zum Messpunkt muss so manches Hindernis überwunden werden. Bild: BFW
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Gesamtkomplex Ökosystem Wald wird betrachtet

In den Anfangsjahren der ÖWI standen Fragen rund um die ökonomische Nachhaltigkeit im Vordergrund. Dabei ging es vordergründig um Waldfläche, Vorrat, Zuwachs und Nutzung sowie Nachhaltigkeit der Holz- und Biomassenversorgung. Im Laufe der Zeit erlangte der Gesamtkomplex Ökosystem Wald mit seiner Multifunktionalität an Bedeutung. Darunter fallen die Schutzfunktionen des Waldes vor Lawine, Steinschlag, Muren und Hochwasser, weiters die Biodiversität, der Problemkreis Verjüngung und Wildverbiss sowie das Waldbild der Zukunft unter geändertem Klima.

Links

Ergebnisse der Waldinventur
Video zu den Aufgaben der Waldinventur

Rückfragen

Klemens Schadauer - Institut für Waldinventur
Richard Büchsenmeister - Institut für Waldinventur

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Eine Messung erfolgt vom selben Punkt aus. Bild: BFW
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Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Schadauer K., Büchsenmeister R., Walli A.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10189