Biochemische Untersuchungen zur Differenzierung zweier Sorten "genetische Fingerabdrücke"


Genetische Labormethoden
Jede/r Krimi-Begeisterte kennt die Szene: Der Kommissar brütet mit einer in einen langen weißen Mantel gekleideten Wissenschaftlerin über einer Art von Strichmustern - DNA Tests sind mittlerweile in der Verbrechensaufklärung zur Routine geworden. Zweifelnde Väter können sich privater Labors bedienen, die Verwandtschaftstests schnell und diskret durchführen.

Was hat das alles mit dem Wald zu tun? Auch Waldbäume haben "genetische Fingerabdrücke". Natürlich ist die Forschung bei Bäumen noch lange nicht auf dem Wissensstand wie die Humanmedizin, aber einzelne Tests sind durchaus anwendungsreif. Jedes höhere Lebewesen besitzt DNA als Ermaterial - das genügt, um im Prinzip Individuen miteinander zu vergleichen. 

Die entscheidenden Faktoren für erfolgreiche Tests sind:
  • Der Wissensstand bei der betreffenden Baumart: Aus eigenen und in der wissenschaftlichen Literatur publizierten Forschungsprojekten können wir bei manchen Baumarten bereits fertig entwickelte Tests anwenden. Das betrifft konkret etwa Pappelsorten, Kirschen, teilweise auch Eschen und andere.
  • Die Biologie: Viele Baumarten sind genetisch so divers wie Menschen, manche auch noch mehr. Das heißt, dass jeder Baum sein eigenes unverwechselbares "genetisches Muster" hat. Aber Ausnahmen sind möglich.
  • Die Praxis der Vermehrung: Vegetativ vermehrtes Material (z.B. Stecklinge) von einer Ausgangspflanze stellt einen Klon dar, das heißt, dass alle daraus produzierten Pflanzen ein einheitliches genetisches Muster haben. Das kann man ausnutzen, wenn es um Sorten geht, die aus genau einem Klon bestehen (Beispiel: Kulturpappeln); andererseits kann es Schwierigkeiten machen, wenn man etwa an Heckenpflanzen denkt, für die oft ein einziger Klon in weiten Gebieten Verbreitung findet. In solch einem Fall ist eine genetische Unterscheidung zweier Hecken (die etwa aus der selben Baumschule bezogen wurden) nicht mehr möglich.

Pappel-Klon/Sorten-Vergleich   -   Kirschen   -   Andere Baumarten

Beispiel für 2 unterschiedliche
Pappelsorten

Unterschiedliche genetische Muster
von 2 Pappelsorten

Moderne Geräteausstattung
Pappel-Klon/Sorten-Vergleich

Für die Kulturpappelsorten, die genetische Klone darstellen, ist es aufgrund eigener Forschungsergebnisse möglich
  • festzustellen, ob zwei Pflanzen derselben oder unterschiedlichen Sorten angehören
  • eine Pflanze die richtige Sortenbezeichnung führt, wenn es sich um in Österreich gängige Sorten handelt
  • in welche Gruppe von Sorten eine bestimmte Pflanze gehört (z.B. Balsampappeln, euroamerikanische Hybridpappeln, "reine" europäische Schwarzpappeln).
Dabei ist das Ausgangsmaterial nicht vorrangig wichtig - Knospen, Blätter, sogar Rinde oder bis zu einem gewissen Grad frisches Holz können miteinander verglichen werden.

Kirschen

Erfahrungen aus einem Forschungsprojekt mit Wildkirschen ermöglichen es uns, auch Süßkirschensorten, ähnlich wie bei der Pappel, zu untersuchen und zu beurteilen. Wild- und Süßkirschen sind jedoch sehr eng miteinander verwandt, dass eine Zuordnung einer einzelnen Pflanze zu einer dieser Gruppen nicht immer eindeutig möglich ist. Wir können jedoch in Saatgut oder in daraus produzierten Pflanzen der Frage nachgehen, ob es sich eher um Wild-, also Vogelkirschen, oder Süß- oder Hauskirschen (oder gar Weichseln) handelt.

Andere Baumarten

Es kann durchaus sein, dass wir für Ihr Problem eine Lösung wissen - bitte erkundigen Sie sich. Genetische Daten sind in Internet-Datenbanken oder in der entsprechend bearbeiteten wissenschaftlichen Literatur veröffentlicht und werden von uns laufend gesichtet. So kann z.B. fallweise eine Unterscheidung von großräumigen Herkunftsgebieten bei manchen Baumarten möglich sein.

Ablauf und Kosten

Fachgerechte Probengewinnung erleichtert uns die Arbeit. Bitte kontaktieren Sie uns deshalb unbedingt zuerst. Im Prinzip können wir mit jedem (lebenden) Ausgangsmaterial arbeiten, es kommt jedoch auch darauf an, während des Transportes frisch zu halten.

Die Kosten sind in einer Verordnung geregelt. Der Laboraufwand kann anfänglich hoch sein; Folgeuntersuchungen oder Untersuchungen mehrerer Sorten können aber meist noch innerhalb dieses preislichen Rahmens erledigt werden. Bitte erkundigen Sie sich vorher bei uns.

Oder vielleicht benötigen Sie nur eine Stellungnahme zu einem bestimmten biologischen Problem in diesem Zusammenhang - die Zusammenhänge zwischen Vererbung, Vermehrung und genetischen Unterschieden sind nicht immer allgemein bekannt. Manche Fragen lassen sich unter Umständen schon im direkten Gespräch klären, außerdem bieten wir die Möglichkeit zu "Kleingutachten" (ohne Laboraufwand).

Für die biochemische Untersuchung zur Differenzierung zweier Sorten (z.B.
Pappel-Klon-Vergleich) gilt Kostendeckung, jedoch mindestens                   714.-

Kleingutachten und sonstige Ausfertigungen (1 bis 2 Seiten) im Original       27,00

Kontakt

Abteilung Genomforschung
1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8
Dr. Berthold Heinze

Tel: +43-(1)-878 38-2219
berthold.heinze@bfw.ac.at

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Heinze B.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=5377