Ausgangsmaterial für die Gewinnung von Vermehrungsgut


Es werden folgende Arten von Ausgangsmaterial unterschieden:
  • Saatgutquellen: Bäume innerhalb eines Areals, von denen Saatgut gewonnen wird.
  • Erntebestand: Waldbestand mit abgegrenzter Population von Bäumen in ausreichend einheitlicher Zusammensetzung, der auch aus benachbarten Teilpopulationen bestehen kann.
  • Samenplantage: Anpflanzung ausgewählter Klone oder Familien, die so abgeschirmt oder bewirtschaftet wird, dass Befruchtung durch Externpollen vermieden oder in Grenzen gehalten und die mit dem Ziel häufiger, reicher und leichter Ernten bewirtschaftet wird.
  • Familieneltern: Abgegrenzte Bäume von denen Nachkommenschaften durch die Bestäubung eines Einzelbaumes (Samenelter) durch einen Pollenspender oder mehrere bestimmte oder unbestimmte Pollenspender erzeugt werden. Samenelter und Pollenspender können großräumig getrennt sein.
  • Klon: Abkömmlinge (Ramets), die ursprünglich von einem einzigen Ausgangsindividuum (Ortet) durch vegetative Vermehrung gewonnen wurden.
  • Klonmischung: Mischung bestimmter unterscheidbarer Klone in festgelegten Anteilen.

Ursprung von Erntebeständen und Saatgutquellen
Ein Erntebestand oder eine Saatgutquelle kann autochthon, nichtautochthon oder unbekannten Ursprungs sein. Ein autochthoner Erntebestand (oder Saatgutquelle) stammt in der Regel aus ununterbrochener natürlicher Verjüngung. In seltenen Fällen kann der Erntebestand (oder die Saatgutquelle) auch künstlich mit generativem Vermehrungsgut begründet worden sein, wenn das Vermehrungsgut aus demselben Erntebestand (Saatgutquelle) oder aus dicht benachbarten Erntebeständen (Saatgutquellen) stammt.

Im Falle autochthoner Erntebestände oder Saatgutquellen gilt als Ursprung der Ort, an dem die Bäume wachsen. Im Falle nichtautochthoner Erntebestände oder Saatgutquellen gilt als Ursprung der Ort, von dem das Saat- oder Pflanzgut ursprünglich stammt.

ANMERKUNG: In Österreich wird nur der Begriff "autochthon" verwendet. Andere Mitgliedstaaten können auch den Begriff "indigen" anwenden: Ein Erntebestand (oder eine Saatgutquelle) ist indigen, wenn er entweder autochthon oder künstlich aus Vermehrungsgut begründet worden ist, dessen Ursprung im selben Herkunftsgebiet liegt. (Beispiel: Ein Eichenbestand, der aus ununterbrochener natürlicher Verjüngung stammt ist autochthon und indigen; ein Eichenbestand, der künstlich aus autochthonen Eicheln desselben Herkunftsgebietes begründet wurde ist nicht autochthon aber indigen.)

Der Begriff "Ursprung" ist streng vom Begriff "Herkunft" zu trennen. Herkunft ist der Ort, an dem ein Ausgangsmaterial wächst. (Beispiel: Eine Douglasienherkunft kann in Niederösterreich sein, der Ursprung ist aber in Nordamerika.). Die Feststellung des Ursprungs ist im Gelände ohne zusätzliche Informationen nur mit großer Unsicherheit möglich. Im Zweifel wird empfohlen den Ursprung als unbekannt anzugeben.

Kategorien von Ausgangsmaterial
Es werden vier Kategorien unterschieden:
  • quellengesichert,
  • ausgewählt,
  • qualifiziert,
  • geprüft
Weitere Informationen zu den Kategorien

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Wurzer C.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=6010