Pollen als Indikator für die Gesundheit des Waldes



Pollen der Eibe (Taxus)
Im Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen in der Nase kitzeln, machen sich Allergiker schon gefasst auf den nächsten lästigen Pollenflug. Was für manche ein mehr als leidiges Thema ist, ist für die Bestäubung von Bäumen von großer Wichtigkeit. Für die Reproduktion unserer heimischen Bäume ist die Windbestäubung die wichtigste Form. Da die weiblichen Blüten oft nur wenige Tage befruchtungsbereit sind und ein großer Teil der freigesetzten Pollen verloren geht, erscheint die Massenproduktion von Pollen je nach Baumart eine logische Überlebensstrategie zu sein. Der Grad der Blühintensität, der sich in der Pollenmenge bemisst, steht in einem engen Zusammenhang mit der produzierten Samenmenge. Letztendlich ist mit dem Ausmaß einer keimfähigen Samenmenge die Wahrscheinlichkeit höher, dass sich der Wald gesund und nachhaltig verjüngt.

Den Pollen auf der Spur

Seit über 22 Jahren werden am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) die Zusammenhänge zwischen Blühintensität, Wetterereignissen und Samenproduktion von 22 verschiedenen Laub- und Nadelbäumen im gesamten Bundesgebiet untersucht. Das mithilfe von Pollen- und Samenfallen gewonnene Material dient als Grundlage für neue Erkenntnisse zu Maßnahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung und optimaler Samenbeerntung für die Pflanzenproduktion.

Auswirkungen des Klimawandels

Ob die Vorverlagerung des Blühbeginns von Frühblühern Auswirkungen des Klimawandels sind, lässt sich noch nicht mit definitiver Bestimmtheit sagen. Litschauer & Jäger haben jedenfalls im Zuge ihrer Untersuchungen festgestellt, dass es seit 1980 zu einer signifikanten Vorverlagerung (14 Tage) des Blühbeginns von den Baumarten Erle, Hasel, Ulme und Lärche gekommen ist. Auch wenn 2012 ein Spätfrost (mit >-4 Grad Celsius) Anfang April erfolgte, ist insgesamt ein Rückgang der Spätfröste zu verzeichnen. Der Klimawandel äußert sich auch bei uns dadurch, dass klimatische Extreme tendenziell zunehmen. Außerdem ist ein Rückgang der Fichten-Vollmasten (Fruchtstand) zu verzeichnen. Umfasste der Zeitaum früher zehn bis zwölf Jahre bis zur nächsten Vollmast, sind diese Abstände nun kürzer geworden, mit der Konsequenz, dass es nur mehr bestenfalls Halbmasten gibt.

Buche, Weißtanne und Co

Bei der untersuchten Hauptbaumart Buche konnte festgestellt werden, dass sich Lichtwuchsdurchforstungen in Verbindung mit zunehmender Temperatur und höherem Niederschlag im Frühjahr positiv auf die bisher periodisch schwache Blühintensität und das Fruktifikationsverhalten der Buche ausgewirkt haben.

Die relativ anspruchslose Weißtanne weist einen nahezu gleichbleibenden Rhythmus der Pollenverteilung auf. Nach einem Fruktifikationsjahr folgen in der Regel zwei Jahre, in denen der Baum Nährstoffe ansammelt, um daraufhin wieder voll zu fruchten (Vollmast).

Die aus dem Südosten stammenden Baumarten Maulbeere, Pappel und Platane konnten durch die klimatischen Veränderungen profitieren, sie reproduzieren sich aufgrund der klimatischen Verhältnisse nunmehr besser. Auch Nussarten verzeichnen in diesem Gebiet einen günstigen Aufwärtstrend.

Pollenmonitoring

Unter https://bfw.ac.at/rz/pollen.main können Trends und Prognosen von der Samenproduktion österreichischer Waldbäume für das gesamte Bundesgebiet abgerufen werden.

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Litschauer R., Konrad H.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9206