Borkenkäfer-Situation 2012: keine drastischen Schäden


Insgesamt gesehen war das vergangene Jahr, bis auf ein paar interessante Entwicklungen, aus Waldschutzsicht unauffällig. Österreichs Wald ist 2012 von gravierenden Schadensereignissen weitgehend verschont geblieben. Zwar nahmen Schneebruch- und Lawinenschäden sowie Windwürfe deutlich zu, diese konnten aber aufgearbeitet werden. Der seit 2010 abnehmende Trend bei der Borkenkäferkalamität hielt an, ihre Schadholzmenge wurde halbiert.

Im Gegensatz zu den Jahren davor führten die Witterung und deren Folgen 2012 wieder zu einem deutlichen Anstieg der abiotischen Schäden. Die Schäden durch Schnee und Wind betrugen 467.000 bzw. 766.000 Festmeter. Zusammen 1,2 Mio. Festmeter, das entspricht mehr als einer Verdopplung gegenüber 2011. Zwar sind damit nicht die extrem hohen Mengen der 2000er Jahre erreicht worden, aber regional betrachtet liegen damit beträchtliche Schäden vor. Am stärksten waren Tirol, die Steiermark und Niederösterreich betroffen.

Hinsichtlich der Temperaturwerte liegt 2012 im Trend der letzten Jahre: Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) war es das siebtwärmste Jahr seit 1768 - mit einem Plus von 1,1 °C über dem langjährigen Mittel. Die höchsten Abweichungen wurden im Osten und Süden Österreichs festgestellt. Auch bemerkenswert: Bereits im April wurden Temperaturen über 30 °C gemessen. Die einzelnen Monate verliefen durchwegs zu warm, Ausnahmen waren nur Februar und teilweise Oktober und Dezember. In einigen Regionen (Osttirol, Kärnten) wurden überhaupt die höchsten Werte seit Messbeginn registriert.

Nach einem schneereichen Jänner nördlich des Alpenhauptkammes verliefen Februar und März deutlich zu trocken. Insgesamt waren im Westen und Süden die Jahresniederschlagssummen zum Teil sehr hoch; in Kärnten, Osttirol, im Lungau (Salzburg) und in Teilen der Steiermark teilweise um 50 % höher als das langjährige Mittel (vor allem April, Juli, September, Oktober und November). Nördlich der Alpen gab es bis zu 20 % mehr Niederschlag, zu trocken waren lediglich Gebiete in Oberösterreich und die östlichsten Regionen Österreichs. Daher wurden auch sehr wenige Hitze- und Dürreschäden gemeldet (ca. 250 ha). Entsprechend den hohen Schneemengen stieg auch die durch Lawinen verursachte Schadholzmenge. Zahlreiche und heftige Unwetter in der Vegetationszeit ließ die Schäden durch Hagel leicht und durch Muren (32.500 Festmeter) sehr stark ansteigen.

Borkenkäfer: Schadensmenge halbiert
Nach Jahren mit sehr starkem Schadholzanfall durch Fichtenborkenkäfer (allen voran durch den Buchdrucker), setzte sich der im letzten Jahr verzeichnete Abwärtstrend auch 2012 fort. Dem Buchdrucker fielen 702.000 Festmeter zum Opfer, dem Kupferstecher 134.000 Festmeter (Abb. 1, Quelle: Dokumentation der Waldschädigungsfaktoren).


Abbildung 1: Vergleich der Schadholzmengen durch Sturm und Schnee mit den Borkenkäferschäden. (Grafik zum Herunterladen) Quelle: Bundesforschungszentrum für Wald

Insgesamt 880.000 Festmeter für alle Borkenkäferarten sind noch immer beachtlich, aber doch deutlich geringer als die meist deutlich über 2 Mio. Festmeter, die von 2002 bis 2010 jährlich anfielen. Der abnehmende Trend war in allen Bundesländern Österreichs zu verzeichnen, in den südlichen Landesteilen (Kärnten, Steiermark) traten die größeren Schäden auf (Abbildung 2).


Abbildung 2: Schadholzmengen durch Borkenkäfer bundesländerweisevon 1988 - 2012 (Grafik zum Herunterladen) Quelle: Bundesforschungszentrum für Wald

Mögliche Gründe für die Abnahme sind zum Teil in einem verringerten Angebot an bruttauglichem Material zu suchen. Es fiel weniger Schadholz durch Sturm und Schnee an, das nicht zeitgerecht aufgearbeitet wurde. Begünstigt durch die Lage am Holzmarkt wurde verstärkt genutzt und auch so den Käfern Brutmaterial entzogen. Die sehr feuchte Witterung dürfte ebenfalls eine Rolle gespielt haben. Der Flug startete 2012 je nach Höhenstufe Ende März bis Anfang Mai. Zur Zeit, da die erste Generation, die sich im Frühjahr entwickelt hatte, in den höheren Lagen ihre Entwicklung abschloss, sorgte ein Kälteeinbruch Anfang Juli dafür, dass diese Käfer mancherorts nur in geringer Zahl schwärmten.

Abweichend von den obigen Arten entwickelten sich die Kiefernborkenkäfer, die zwar hauptsächlich auf den Osten und den Süden Österreichs beschränkt regional bedeutende Ausfälle in Kiefernwäldern verursachten. Besonders der Sechszähnige Kiefernborkenkäfer (Ips acuminatus) trat im Bezirk Villach (Kärnten) in trockenen, südexponierten Kiefernwäldern auf unzugänglichem Terrain problematisch in Erscheinung.

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
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Autor: Hoch G., Steyrer G.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9429