Kronenschäden an der Europäischen Lärche in Österreich


Kronenschäden der Europäischen Lärche (Larix decidua) nehmen in Österreich seit 2004 zu. Die häufigsten biotischen Schadfaktoren sind die Lärchenknospen-Gallmücke (Dasineura kellneri), die Lärchennadel-Knicklaus (Adelges geniculatus) und die Lärchennadel-Miniermotte (Coleophora laricella). Im Rahmen eines von mehreren Landesregierungen geförderten Projektes werden die Ursachen zurzeit am BFW untersucht.

Die Kronenschäden an  Lärche waren zuvor nur regional und vor allem episodisch von Bedeutung, neuerdings sind immer häufiger Bestände von vorzeitigem Verlust großer Nadelmengen, der sich zudem in aufeinander folgenden Jahren wiederholte, sowie von Feinzweigverlusten betroffen.

In fünf Bundesländern wurden Lärchenbestände, in denen 2010 Kronensymptome aufgetreten waren, ausgewählt und Untersuchungsflächen eingerichtet. Dabei wurde jeweils die gleiche Anzahl von Bäumen, die geringe bzw. keine Kronenschäden zeigten und solchen, die massive Schäden aufwiesen, ausgewählt und markiert. Im Frühjahr und im Sommer 2011 wurde je eine Kronentaxation durchgeführt, um die Entwicklung der Kronensymptome im Jahresverlauf zu dokumentieren.

Darüber hinaus erfolgten an einigen gefällten Bäumen Differenzialdiagnosen zur Erfassung des Schadfaktoren-Komplexes, wobei Symptome sowie Schadfaktoren von der Krone bis zur Stammbasis beschrieben und quantitativ erfasst wurden. Im Labor wurden Symptome und pilzliche wie tierische Schädlinge auf den Lärchennadeln im Detail analysiert und ebenfalls quantitativ erfasst. 2012 wurden auch die Wurzeln untersucht, um spezifische Krankheitserreger (Fäulepilze, wurzelpathogene Pilze) nachweisen zu können.

Nadelschädlinge

Innerhalb der Nadelschädlinge dominierten die Lärchennadel-Knicklaus (Adelges geniculatus), die Lärchennadel-Miniermotte (Coleophora laricella, Abbildung 1) und der Graue Lärchenwickler (Zeiraphera diniana), wobei diese Arten allerdings in unterschiedlicher Häufigkeit und Zusammensetzung auftraten. Jede der drei Arten ist an ihren Schadbildern leicht erkennbar, daher besteht kaum Verwechslungsgefahr.


Abbildung 1: Lärchennadel-Miniermotte:  Larve in ausgehöhlter Nadel
Abbildung 2: Lärchennadel-Knicklaus: abgeknickte Lärchennadel und saugende Lauslarve


Lärchennadel-Knickläuse sind vom Symptom her leicht an den hellgelb verfärbten Bändern oder Nadelteilen und dem Abknicken der Nadeln an derartigen Stellen erkennbar (Abbildung 2). Oft sitzt dort noch eine von Wachswolle umgebene Laus. Bei der Lärchennadel-Miniermotte ist die Nadelspitze oder die distale (äußere) Nadelhälfte vergilbt und infolge der Fraßtätigkeit der Raupe ausgehöhlt (Abbildung 3). Im Laufe des Jahres fällt dieser Nadelteil ab, es kommt jedoch nicht zum Abknicken. Im Herbst finden sich im Bereich der geschädigten Nadeln etwa 1 bis 2 mm große spindelförmige Raupensäcke (Lupe).

Beim Grauen Lärchenwickler führt der Nadelfraß zur Verbräunung der ganzen Nadel, die mit Kotresten zu lockeren Gespinsten verbunden bleiben und den Trieben ein braunes Aussehen verleihen. Die Pilzkrankheiten der Lärchennadeln waren 2011 im Vergleich zu den tierischen Nadelschädlingen in geringem Ausmaß vorhanden: Meria-Lärchenschütte (Meria laricis), Hypodermella-Lärchenschütte (Hypodermella laricina) und, auffallend selten, Melampsora-Rostpilze. Häufiger war die Mycosphaerella-Nadelschütte (Mycosphaerella laricina), sie trat allerdings auch erst in der zweiten Jahreshälfte in Erscheinung.

Meria-Lärchenschütte ist im Alpenraum weit verbreitet und nach kühlen Frühjahrsniederschlägen häufig. Die Nadeln verfärben sich im Frühjahr zunächst stumpf grün, danach (rötlich-)braun und bleiben monatelang an den Zweigen hängen. Eine sichere Diagnose ist nur mittels stereomikroskopischer Untersuchung möglich, da die arttypischen Sporenträger sehr unscheinbar sind.

Hypodermella laricis ist im Alpenraum ebenfalls häufig, allerdings in Lagen über 1000 m Seehöhe, und neigt bei warmen Regenfällen
im Juni zu Massenentwicklung. Die Symptome sind charakteristisch: zur Gänze braun, bald grau verfärbte Nadeln, auf denen schwarz glänzende, flache und schiffchenförmige Fruchtkörper in einer Reihe erscheinen. Die Nadeln bleiben bis zu zwei Jahre lang an den Trieben haften.

Ebenfalls leicht erkennbar ist die Mycosphaerella-Nadelschütte der Lärche, bei der es zu einer rötlich-braunen Bänderung kommt. In den Bändern entwickeln sich kleine Gruppen schwarz glänzender Fruchtkörper. Mycosphaerella laricina ist der häufigste Schüttepilz der Lärche und ein typischer Folgepilz nach Befall durch die eingangs erwähnten Knickläuse. Die Nadelroste der Lärche (Melampsora-Arten) bilden auf den Nadeln Spermogonien und später punktförmige, gelb-orange Aecidien (Gaeumann 1959).

Knospenschädlinge

Die Lärchenknospen-Gallmücke (Dasineura kellneri) verursacht Knospenschäden, die zu einem teilweisen oder kompletten Ausfall des Nadelbesatzes führen. Im Frühjahr schwellen die Knospen unnatürlich an, Harz tritt aus und es kommt zu einem reduzierten oder zu überhaupt keinem Nadelaustrieb.

In den angeschwollenen Knospen entwickeln sich kleine gelbliche Larven, die sich später verpuppen und über den Winter in den Gallen überliegen. Von sämtlichen biotischen Schaderregern war diese Art die häufigste: die Gallen waren auf den meisten Flächen in (sehr) hoher Intensität vorhanden und vielerorts Hauptursache für die Kronenverlichtung (Abbildung 3).


Befall durch die Lärchenknospen-Gallmücke (Dasineura kellneri). Die Knospen sind angeschwollen und verharzt

Schäden an Zweigen, Ästen und dem Stamm

Großflächige Rinden- und Kambialnekrosen im Zweig- und Astbereich lassen auf eine substanzielle Schädigung der Bäume, möglicherweise eine Folge von Versorgungsschwierigkeiten, schliessen. Der Befall lebender Bäume durch rindenbrütende Insekten, wie dem Lärchenbock (Tetropium gabrieli) trat nur vereinzelt auf.

Ausblick

Insgesamt haben sich im Zuge der ersten Untersuchungen die Hinweise auf grundlegende (längerfristige) Schwächungen der Lärchen verdichtet. Durch umfangreiche dendrochronologische Untersuchungen soll geklärt werden, ob sich für den Krankheitsverlauf entscheidende "Schlüsseljahre" ausweisen lassen. Außerdem wird der Witterungsverlauf der vergangenen drei Jahrzehnte analysiert, um Rückschlüsse auf klimatische Stressfaktoren (Extremsituationen und langfristiger Stress) ziehen zu können.

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Cech T.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9562