Klimawandel & Schutzwald: Richtlinien evaluieren


In den letzten Jahren sind in Österreich auch bei sehr gefährlichen Schneeverhältnissen und in Wintern mit vielen Lawinenereignissen nur wenige Schadenslawinen direkt im Wald angebrochen. Es kommt relativ selten zu bedeutenden Schäden durch solche Lawinen im Bereich von Siedlungsflächen und Infrastrukturanlagen. Der Anteil der Waldlawinen an den Schadenslawinen ist gering.

Einfluss des Klimawandels?

Diese Entwicklung ist das Ergebnis eines erfolgreichen Naturgefahrenmanagements aus den Komponenten Lawinenverbauung, Waldzunahme und Schutzwaldverbesserung, Lawinenwarnung und Gefahrenzonenplanung. Ein Einfluss des Klimawandels ist nicht nachweisbar. Es gibt keinen Trend, dass die Anzahl von natürlichen Lawinenereignissen abnimmt. Untersuchungen in der Schweiz ergaben aber, dass die Wetter- und Schneeverhältnisse, die zu Waldlawinen führen, in den letzten 40 Jahren seltener geworden sind.

© BFW
Mittlere maximale Schneehöhe
1961-1990 und Szenario 50cm Linie 2071-2100


© BFW
Anzahl der Schadensereignisse im Bereich von Siedlungsflächen und der Infrastruktur

Potenzielle Anbruchsflächen

Um das bestimmen zu können, wurde ein wesentliches Merkmal des Lawinenpotenzials, die Schneehöhe, für Österreich modelliert. Aus der Schneehöhe und der Hangneigung können potenzielle Anbruchsflächen im Wald bestimmt werden. Das erste Ergebnis: Auf rund 13 Prozent der gesamten Waldfläche Österreichs können grundsätzlich Lawinen ausgehen. Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Richtlinien mit Anforderungsprofilen an den schutzwirksamen Wald. Die Richtlinien sind sehr ähnlich, aber nach unterschiedlichen Konzepten aufgebaut. Im Detail gibt es bei den Vorgaben zur erforderlichen Waldstruktur zum Schutz vor Lawinenanbrüchen sehr große Differenzen und dadurch unterschiedliche Beurteilungsergebnisse.

Kooperation im Alpenraum

Die Bestrebungen müssen daher in Richtung Modellevaluierung und -harmonisierung gehen. Das ist nur durch Zusammenarbeit, Daten- und Erfahrungsaustausch im Alpenraum zu erreichen.


Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Perzl F., Walter D.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9694