Transfer von forstlichem Saat- und Pflanzgut in Europa


Seit dem 15. Jahrhundert sind für Europa die ersten Verfrachtungen von forstlichem Saatgut belegt. Ein reger Handel entwickelte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts mit der starken Zunahme der Kunstverjüngung. Verbesserte Verkehrswege trugen wesentlich dazu bei, dass bedeutende Mengen an Saatgut innerhalb Europas verfrachtet wurden. Auch in jüngster Zeit findet ein reger Handel mit forstlichem Saat- und Pflanzgut statt. Langfristiges Ziel des BFW- Projektes ist es, aufgrund dieser Ströme des forstlichen Vermehrungsgutes mögliche Gefährdungspotenziale unserer Wälder besser abschätzen zu können.

Historischen Transfer nachvollziehen

Kenntnisse über den Handel mit Saat- und Pflanzgut sowohl in historischer als auch in jüngster Zeit liegen kaum vor. Daher wird in diesem von der EU geförderten Projekt versucht, den historischen Transfer anhand von unterschiedlichen forstlichen Quellen zu recherchieren. Während heute genetische Aspekte einer Waldnutzung oft im Fokus der wissenschaftlichen Forschung stehen, gibt es nur wenige konkrete Daten aus früheren Zeiten: Aufzeichnungen, welche Herkünfte eingeführt und angebaut wurden, sind selten. Eine gesamteuropäische Betrachtung fehlt. Da wichtige länderspezifische Informationen - falls überhaupt - oft nur in der jeweiligen Ländersprache publiziert wurden, sind Kolleginnen und Kollegen aus mehreren Ländern für bestimmte EU-Regionen zuständig, um diese Informationen für eine europäische Gesamtschau zusammenzustellen. 

BFW für Region Mitteleuropa zuständig

Das BFW koordiniert diese Untersuchung und befasst sich mit Mitteleuropa. Für diese Region lässt sich jetzt schon erkennen, dass es nur wenige Handelszentren gab und die damaligen Erntegebiete sehr kleinflächig im Vergleich zu den großflächigen Aufforstungs-gebieten waren. Anfang 2014 sollen die Ergebnisse publiziert werden. Da forstliches Vermehrungsgut in der europäischen forstlichen Handelsstatistik nicht berücksichtigt wird, wurden die Behörden der Mitgliedsstaaten direkt wegen aktueller Daten kontaktiert. Die Quantität und Qualität dieser Information sind sehr unterschiedlich. Dies liegt daran, dass es innerhalb Europas keine harmonisierten Aufzeichnungen von Import- und Exportdaten gibt.
© BFW
In welchem Ausmaß hat der Mensch den Genpool in Europa verändert?

Saatgut- und Pflanzenströme

Dennoch gelang es, diese Daten weitgehend zu harmonisieren. Der Datenkörper ist nun fast komplett und ermöglicht einen Überblick über die Saatgut- und Pflanzenströme innerhalb Europas der letzten 20 Jahre. Besitzstruktur, Prosperität, Rolle der Forstwirtschaft, Zentralisierungsgrad und viele andere Faktoren eines Landes werden in die Analysen einbezogen. 

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Geburek T.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9714