Künstliche Lawinenauslösung zur
Sicherung von Verkehrswegen in Österreich


Künstliche Lawinenauslösungen werden zum Schutz von Verkehrswegen nach Ansicht von ExpertInnen in Zukunft eine größere Rolle spielen. Die Innsbrucker Studentin Anja Brucker (Institut für Geografie) hat sich in ihrer Masterarbeit mit diesem Thema beschäftigt, und zwar mit dem Einsatz der relativ neuen Technologie der automatischen Sprenganlagen. Dieser temporären Sicherungsmethode kommt in Zeiten knapper werdender öffentlicher Mittel und steigender Mobilitätsansprüche eine immer größere Bedeutung zu.

Der Aufbau

In einem ersten Schritt werden die aktuellen Grundlagen der künstlichen Lawinenauslösung zur Sicherung von Verkehrswegen in Österreich aufgearbeitet. Dies schließt eine Übersicht des bisherigen Einsatzes von Sprenganlagen sowie die Analyse der beteiligten Akteure und rechtlichen Hintergründe ein. Im zweiten Schritt wird versucht, die derzeit existierenden ExpertInnenmeinungen zu den Vor- und Nachteilen der Auslöseanlagen zu erfassen und eine Einschätzung über die zukünftige Anwendung der künstlichen Lawinenauslösung zur Sicherung von Verkehrswegen und randlichen Siedlungsgebieten zu geben. Die methodische Vorgehensweise umfasst eine qualitative Erhebung in Form von elf Experteninterviews. Darüber hinaus wurden zahlreiche Informationen zu Anlagenstandorten, deren Betrieb und Finanzierung mit Hilfe eines teilstandardisierten Fragebogens ermittelt.

Die Ergebnisse

Die Ergebnisse der Status-Quo-Analyse zeigen, dass in Österreich derzeit rund 95 bis 100 Sprenganlagen zur Sicherung von über 20 Straßenabschnitten eingesetzt werden. Dies ist vergleichbar mit der Anwendung in der Schweiz, wo es circa 100 bis 140 Anlagen gibt. Für den Bahnbetrieb kommen in Österreich bis dato jedoch keine Lawinenauslöseanlagen zum Einsatz. Aufgrund der komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen und der vielen beteiligten Akteure während der Planungs- und Betriebsphase bestehen in manchen Aspekten noch relativ große Unsicherheiten.

Geringe Investitionskosten

Tirol hat als erstes Bundesland auf diese Problematik reagiert und Richtlinien für den Einsatz temporärer Maßnahmen zur Sicherung von Straßen formuliert. Diese sollen ein einheitliches Vorgehen und gewisse Mindeststandards für den Einsatz sicherstellen. Je nach Bundesland bestehen jedoch deutliche Unterschiede in der Einschätzungen des Bedarfs. Die größten Vorteile dieser Sicherungsmethode ergeben sich aus den vergleichsweise geringen Investitionskosten, der schnellen Errichtung und dem flexiblen Einsatz der Systeme. Für randliche Siedlungsgebiete kommt die künstliche Lawinenauslösung nur in Ausnahmefällen und in Kombination mit permanenten Begleitmaßnahmen in Frage. Entscheidend für die Anwendung ist immer eine genaue Einzelfallbetrachtung.

Gesamte Masterarbeit pdf


Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Zeidler Phd A.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9814