Stickstoff- und Kohlenstoffeinträge verursachen Phosphormangel in Blättern und Nadeln


Im Zuge des europaweiten Waldschadenmonitorings (UN/ECE-ICP-FORESTS) wurden die Entwicklung der Nährstoffversorgung zwischen 1992-2009 bei den europaweit vorkommenden Hauptbaumarten Fagus sylvatica (Rotbuche), Quercus Petraea (Traubeneiche), Quercus robur (Stieleiche), Abies alba (Weißtanne), Picea abies (Fichte) und Pinus sylvestris (Weißkiefer) untersucht. Insgesamt 22 signifikante Trends waren bei den Nährstoffgehalten nachweisbar, davon waren 20 abnehmend. Besonders deutlich ist die Reduktion der Phosphorgehalte in den Blättern und Nadeln von Fagus sylvatica, Quercus Petraea und Pinus sylvestris ausgefallen. Die Abnahme der Phosphorgehalte war bei einer schlechten Phosphorversorgung deutlicher ausgeprägt. Dies ist ein erstes Anzeichen dafür, dass Phosphor nicht mehr in ausreichender Menge aus dem Boden nachgeliefert werden kann.

Ursachen: Stickstoff und Kohlendioxid

Die Ursachen für diese Entwicklung liegen in der Zunahme des Zuwachses, bedingt durch zusätzliche Stickstoffeinträge und der globalen Zunahme des Kohlendioxids in der Atmosphäre (+15 % von 1980-2007). Das Gewichtsverhältnis der Nährstoffe zueinander ist in den Blättern und Nadeln fixiert. Werden Stickstoff und Kohlenstoff einseitig verstärkt zugeführt, müssen andere pedogen vorkommende Nährstoffe vermehrt aufgenommen werden, um wieder ein harmonisches Nährstoffverhältnis herzustellen. Sind diese Nährstoffe im Boden nicht vorhanden oder nicht verfügbar, kommt es früher oder später zu einem Nährstoffmangel. In besonders engen Grenzen korrelieren die nichtmetallischen Nährstoffe - Stickstoff, Schwefel, Phosphor und auch der Kohlenstoff.

Schlechte Phosphorversorgung auch in Österreich feststellbar

Seit 1983 werden durch das Österreichische Bioindikatornetz auch Nährstoffe und ihre Entwicklung untersucht. Dabei ist seit langem bekannt, dass die Phosphorversorgung im Kalkalpenbereich sehr schlecht ist. Hoher Boden-pH sowie geringe verfügbare Phosphorgehalte im Boden erschweren die Aufnahme dieses Nährstoffes. Allerdings zeigt sich ab Anfang der 1990-Jahre eine deutliche Verschlechterung der Phosphorversorgung (siehe Abbildung). Es kommt hier - ebenso wie beim europäischen Waldmonitoring - zu einer deutlichen Abnahme  der mit Phosphor ausreichend versorgter Punkte auf circa dreißig Prozent. Da auf diesen kalkdominierten Standorten eine Zufuhr von Phosphor durch Düngung schwierig ist, kann davon ausgegangen werden, dass in Zukunft die schlechte Phosphorversorgung waldwachstumslimitierend sein wird.

Peer Review

Jonard M., Fürst A., Verstraeten A., Thimonier A., Timmermann V., Potočić N., Waldner P., Benham S., Hansen K., Merilä P., Ponette Q., de la Cruz A., Roskams P., Nicolas M., Croisé L., Ingerslev M., Matteucci G., Decinti B., Bascietto M., Rautio P. (2014): Tree mineral nutrition is deteriorating in Europe, Global Change Biology: http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/gcb.12657/abstract

Linktipps

www.bioindikatornetz.at
www.icp-forests.net

© BFW
Deutliche Verschlechterung der Phosphorversorgung in Österreich

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Fürst A.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9852