Aus der Ferne forschen - Höhe und Zuwachs von Bäumen ermitteln


Das Berichtswesen der Klimarahmenkonvention sieht vor, dass für den Sektor Landnutzung grundsätzlich Kohlenstoffbilanzen für die Zeitreihe ab 1990 zu erstellen und berichten sind. Darüber hinaus wurden auch unter dem Kyoto-Protokoll Berichtswesensvorgaben für diesen Sektor vereinbart, die für Österreich derzeit lediglich für Aufforstungs- bzw. Entwaldungsflächen relevant sind. Bei der letzten UN-Klimakonferenz im Dezember 2011 wurden Vereinbarungen zu einer zweiten Kyoto-Verpflichtungsperiode getroffen, die mit 1. Jänner 2013 in Kraft getreten sind. Darüber hinaus wurden Anrechnungsregeln für den Sektor Landnutzung angenommen, denen zufolge die Kohlenstoffbilanz der nationalen Waldfläche in die Zielanrechnung einzubeziehen ist. Daraus resultiert, dass Österreich seit Beginn des Jahres 2013 eine detaillierte Kyoto-Kohlenstoffbilanz - insbesondere auch für den Zuwachs - für den gesamten Wald erstellen muss. Die daraus resultierenden CO₂-Emissionen werden in weiterer Folge für die Überprüfung der Einhaltung der vereinbarten Reduktionsziele herangezogen.

Fokus Südburgenland

Im Rahmen des Projektes steht die Ermittlung des Zuwachses des stehenden Holzvorrats für den Bereich Südburgenland im Vordergrund. Dabei wird eine Genauigkeitsanalyse für das Kyotoreporting durchgeführt und eine Beurteilung der Methoden auf operationelle Anwendbarkeit für ganz Österreich vorgenommen. Die Grundlage seitens der Fernerkundung zur Schätzung des Zuwachses bilden Kronenhöhenmodelle aus Luftbildern zu zwei Zeitpunkten. In einem ersten Schritt müssen die Verfügbarkeit, die räumliche Ausdehnung und die Qualität dieser Modelle für die geplanten Testgebiete festgestellt werden. Bei einer direkten Schätzung werden Zuwachsmodelle mit Höhen- und Kronenwachstum aus zwei Luftbildoberflächenmodellen und den terrestrisch gemessenen Zuwächsen kalibriert. Dafür müssen die Oberflächenmodelle sehr genau bezüglich der Lage und der Höhe sein, damit der Höhenzuwachs von nur wenigen Jahren mit ausreichender Präzision bestimmbar ist.

Auf ganz Österreich beziehen

Bei einer indirekten Zuwachsschätzung wurde die Vorratsdifferenz zu zwei Zeitpunkten ermittelt und als Grundlage der Schätzung verwendet. Dazu mussten Vorratsmodelle für die zwei Zeitpunkte kalibriert werden. Die Herausforderung bei diesem Ansatz lag in der kleinräumigen Vergleichbarkeit der Vorratsmodelle, die durch die unterschiedliche Qualität der Oberflächenmodelle zu zwei Zeitpunkten beeinträchtigt werden kann. Die ermittelten Zuwächse sollen schließlich auf ganz Österreich extrapoliert und im Rahmen der zweiten Kyoto-Verpflichtungsperiode in die Kohlenstoffbilanz der nationalen Waldfläche einbezogen werden.

Kooperationspartner: Klima und Energiefonds, TU Wien - Institut für Photogrammetrie und Fernerkundung Umweltbundesamt



Baumhöhenoberflächenmodell


Zuwachs und Nutzung




Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Bauerhansl C.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9861