"Die Waldbewirtschaftung wird insgesamt teurer werden"


Herr Jandl, was ist im Bereich Klimaforschung derzeit die wichtigste wissenschaftliche Fragestellung?
Ganz klar: Wie können wir die österreichischen Wälder an den Klimwandel anpassen? Die Möglichkeiten sind Änderungen in der Bewirtschaftungsform, Nutzung der genetischen Vielfalt der Hauptbaumarten, oder eine Veränderung der aktuellen Baumartenkombination. Am BFW wird mit Daten der Waldinventur und der Standortsinformationen die aktuelle Verbreitung der Baumarten charakterisiert. Mittels Klimaszenarien wird die Veränderung der Standortsbedingungen, insbesondere des Wasserangebots, berechnet und es wird abgeschätzt, welche Wälder auch unter wärmeren und trockeneren Bedingungen erfolgreich sein können bzw. auf welchen Standorten Probleme erwartet werden. Diese Arbeitsrichtung heißt "Klimahüllen-Modellierung".

Eine andere Frage ist das Potenzial der Bereitstellung des Rohstoffes Holz. Holz kann energetisch oder stofflich genutzt werden. Im ersten Fall ersetzt es andere Energieträger direkt, bei der stofflichen Nutzung werden Materialien ersetzt für deren Herstellung man sonst andere Energieformen einsetzen müsste. Den zahlreichen Wünschen an die Holzproduktion sind aber Grenzen gesetzt, die in einem ACRP-Projekt mittels Waldwachstumssimulationen herausgearbeitet werden. Das Thema ist eine Querschnittsmaterie zwischen den Kommunikationsthemen Klimawandel und Bioenergie. Eine andere Frage lautet: Wie können wir unsere forstwirtschaftlichen Klimaempfehlungen so weitergeben, dass auch die Kleinwaldbesitzerinnen und -besitzer erreicht werden, denen in Österreich zusammen die größte Waldfläche gehört.

Interessieren sich die Waldbesitzerinnen und -besitzer eigentlich für den Klimawandel?
Für Waldbesitzer ist der Klimawandel eine enorme Herausforderung. In großen Forstbetrieben wurde die erforderliche Expertise aufgebaut, um den Klimawandel bei der Waldbewirtschaftung kompetent zu berücksichtigen. Wie in allen Branchen und bei vielen komplexen Themen gibt es eine breite Vielfalt an Meinungen über die Dringlichkeit der Implementierung von Anpassungsmaßnahmen. Aber das Interesse am Thema ist vorhanden.

Mit welchen Herausforderungen wird die Forstwirtschaft künftig konfrontiert sein?
Die Waldbewirtschaftung wird insgesamt teurer werden. Mittelfristig werden einige Regionen vom Klimawandel profitieren, da die Vegetationsperiode länger wird. Langfristig rechnen wir mit Ertragseinbußen, da Trockenheit und Borkenkäfer den Wäldern zusetzen werden. Zuletzt wurde im ACRP-Projekt Cost-of-Inaction (COIN) in einem nationalen Konsortium errechnet, wie hoch der wirtschaftliche Schaden des Klimawandels bei Nicht-Anpassung sein wird. Abseits der erwarteten Horrorszenarien sind wir für die Forstwirtschaft zu unaufregend geringen wirtschaftlichen Verlusten gekommen. Unser Ansatz war extrem konservativ. Wir haben die Wirkung von Temperatur und Niederschlag und den prognostizierten Schädlingsdruck berücksichtigt. Die künftige Schädigung des Waldes durch Sturm und andere Wetterkapriolen konnten wir nicht einbeziehen, da uns die erforderlichen Prognosen nicht vorliegen. Mangels Daten konnten wir auch die Kosten der autonomen Anpassung in der Branche nicht simulieren.

Wie kann man Klimaschutz in der Forstwirtschaft aktiv betreiben?
Die Empfehlungen zum Umgang mit dem Klimawandel gehen allesamt in die Richtung der Erziehung artenreicher und stabiler Wälder. Man hat alle diese Empfehlungen bereits im Kontext mit dem Waldsterben in den 80er-Jahren und im Zusammenhang mit der Biodiversitätsdebatte gehört. In einem artenreichen und strukturierten Wald verteilt sich das Risiko auf viele Säulen. Diese Empfehlung gilt auch für den Klimawandel. Für den Schutz des Waldes vor den Folgen des Klimawandels ist auch eine verstärkte Monitoringaktivität zu empfehlen, um mögliche Probleme rechtzeitig zu erkennen. Hoffentlich werden dabei auch Gelegenheiten offenbar, die sich der Forstwirtschaft durch den Klimawandel bieten. Eine Reizfrage ist die Bedeutung von Baumarten, die derzeit in Österreich nicht bestandesbildend vorkommen. Im Zentrum des Interesses ist die Douglasie. Sie wird von einigen Experten und Praktikern als notwendige und erwünschte Alternative gesehen, wenn die heimischen Baumarten durch den Klimawandel unter Druck kommen. Von anderen wird sie als potentielles Problem gesehen, weil die Änderungen im Waldökosystem für viele kaum abschätzbare Folgen hätten.

Mehr zum Thema Klimaforschung am BFW

© BFW
Univ.-Doz. Dr. Robert Jandl ist Koordinator der Klima-Forschung


Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Schreck M.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9893