Die Walnuss fällt nicht weit vom Stamm


In Kirgisistan leben viele Familien von der Walnuss (Juglans regia). Dort ist die nachhaltige Sicherung der Walnussbestände durch die sogenannte Waldweide beeinträchtigt, da die natürliche Verjüngung ausbleibt. Das Institut für Waldgenetik des Bundesforschungszentrums für Wald betreut zurzeit einen Forstwissenschaftsstudent, der molekulargenetisch die Walnuss-Populationen in Kirgisistan analysiert.  

Unterwegs zu Pferd, da es oft an geeigneten Straßen und Wegen fehlt; Übernachtung im Zelt und Esel als Transportmittel. Diese Erlebnisse gehörten zur wissenschaftlichen Arbeit von Wladimir Roor, Student der Forstwissenschaften an der Universität für Bodenkultur in Wien. Der gebürtige Kasachstane Roor begleitete im September 2014 die Walnuss-Ernter in die Berge. 

Familien leben vom Walnussverkauf und Viehhaltung

Kirgisistan hat einen Waldanteil von nur 4,4%, die Wälder gehören dem Staat. Die Waldbedeckung besteht zu je einem Drittel aus Wacholderwäldern sowie Buschwäldern und 4,4% Walnusswäldern, 13,7% Fichte und Tanne, 3,4 % Pistazienwäldern und 10,1 % anderen Laubwäldern.

Die Staatsforste verpachten meist zwischen drei und sieben Hektar Wald an Familien, diese dürfen Walnüsse ernten, nicht jedoch das Holz nutzen. Jedes Jahr im September zieht die ganze Familie mit Zelt, Tieren und Verpflegung in die Berge. Nach der Ernte werden die Walnüsse getrocknet und am Markt verkauft. Für ungeschälte Walnüsse liegt der Marktpreis bei umgerechnet 1,5 Euro je Kilo, für geschälte bei etwa vier Euro je Kilo. Dies ist neben der Viehhaltung ein wichtiges Einkommen für die lokale Bevölkerung.


Viele Familien in Kirgisistan leben vom Verkauf der Walnüsse
Foto: Wladimir Roor


Die Waldweide lässt keine Naturverjüngung mehr aufkommen
Foto: Wladimir Roor


Die gesamte kirgisische Walnusswaldfläche beträgt 47.300 ha
Foto: Wladimir Roor

Populationen abgrenzen

Landschaftlich muss man sich die  kirgisischen Walnusswälder in ihrem Hauptverbreitungsgebiet wie den Wienerwald vorstellen - statt der Buche wachsen eben Walnussbäume. Wladimir Roor nahm aus 22 Regionen Walnüsse mit, die nun in Wien molekulargenetisch untersucht werden. Es soll herausgefunden werden, welche Populationen in welchen Regionen vorkommen, ob natürliche Barrieren die Weiterwanderung verhindert haben und ob Unterschiede in den Standorts- und Klimaansprüchen bestehen. Die wissenschaftlichen Arbeiten werden von Dr. Davletbek Mamadzhanov, Laboratory of Forest Resources, South Department of National Academy of Sciences of RK, Jalal-Abad, begleitet. Seinem Institut fehlen die finanziellen und technischen Möglichkeiten für molekulargenetische Untersuchungen.

Entstehungsgeschichte unklar

Pollenuntersuchungen zeigten, dass es seit 2000 bis 3000 Jahren Walnussbestände in Kirgisistan gibt. Zur Verbreitung der Walnuss gibt es nur Vermutungen.

Das zentrale Problem für die langfristige Sicherung der Walnussbestände ist die Waldweide durch Kühe, Esel und Pferde, die sich von den jungen Trieben ernähren und dadurch keine Naturverjüngung aufkommen lassen. Die Walnusswälder sind sehr alt, wodurch ihre Stabilität gefährdet ist. Da die Viehhaltung  ein wichtiges wirtschaftliches Standbein für die lokale Bevölkerung ist, wäre es notwendig, einen Strategieplan für Nachhaltigkeit in Kirgistan zu schaffen.

Mehr zum Thema:

Institut für Waldgenetik des BFW
Naturgefahrenmanagement in Kirgisistan


Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Lackner C.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9940