Chronik der Forstlichen Bundesversuchsanstalt 1975 - 1999
 
FBVA-Chronik
Höhepunkte und Krisenzeiten
Die vorherrschenden Untersuchungsgebiete der ersten Jahrzehnte waren Holzmeßkunde und Ertragskunde, Holztechnologie und Holzbiologie sowie Forstmeteorologie und Wildbach- und Lawinenverbauung. Auch die Provenienzforschung und Samenkunde sowie Methoden der natürlichen und künstlichen Verjüngung spielten eine wichtige Rolle. Viele Versuchsflächen mit ausländischen Holzarten wurden angelegt. Außerdem interessierte man sich für die Nutzungsmöglichkeiten des Waldes. Dabei stand die Harzgewinnung und demzufolge viele Untersuchungen über die Schwarzföhre im Vordergrund. Andere Themen waren die Korbweidenkultur, Holzverkohlung und Holzverzuckerung und sogar die Gewinnung von Öl aus Baumfrüchten.

Weitere zentrale Themen waren Forstschutzthemen, wie Forstschädlinge und Baumkrankheiten, Methoden zu deren Bekämpfung und die schädlichen Folgen der sogenannten Rauchgase - heute Luftschadstoffe genannt. Auch forsttechnische Untersuchungen und Fragen der Arbeitsvereinfachung beschäftigten bereits zu Anfang des Jahrhunderts die Forstliche Versuchsanstalt.

Die ersten Jahrzehnte unter den Direktoren Seckendorff bis Friedrich bildeten eine äußerst fruchtbare Schaffensperiode. Diese dauerte ungefähr bis zum Ersten Weltkrieg. Forscherpersönlichkeiten dieser Jahrzehnte auf den erwähnten Gebieten waren, um nur einige wenige zu nennen, Fritz Wachtl, Emil und Karl Böhmerle, Adolf Cieslar, Gabriel Janka, Emmerich Zederbaur, Adalbert Schiffel, Walter Sedlaczek und Peter von Rusnov.

Karl Böhmerle war übrigens einer der Initiatoren der IUFRO, des Internationalen Verbands Forstlicher Forschungsanstalten, der 1892 gegründet wurde.

Der Erste Weltkrieg, die Zwischenkriegszeit und der Zweite Weltkrieg waren auch für die Forstliche Versuchsanstalt schwere Zeiten. Während des Ersten Weltkriegs war in Mariabrunn ein Rekonvaleszentenheim des Roten Kreuzes untergebracht. Nur die Abteilung für Holztechnologie konnte ungehindert arbeiten, da sie militärischen Zwecken diente. Sie hatte u.a. zu erforschen, welche heimischen Baumarten sich an Stelle des immer seltener werdenden Nußholzes am besten zu Gewehrschäften verarbeiten ließen.

Nach Kriegsende litt die Versuchsanstalt unter dem Beamtenabbau, der Geldentwertung sowie der geographischen Verkleinerung des Arbeitsgebietes von der seinerzeitigen Monarchie auf die junge Republik. Das führte beinahe zur Auflassung der Forstlichen Versuchsanstalt. Leo Tschermak war maßgeblich beteiligt, daß es dazu nicht kam.

1924, zur Zeit des fünfzigjährigen Bestandes, gab es folgende Abteilungen: die Abteilung für Waldbau und Bestandesgründung, Waldsamenkontrolle, forstliche Bodenkunde und Standortslehre, geleitet von Leo Tschermak, die Abteilung für Waldbau und Bestandeserziehung, Ertrags- und Holzmeßkunde, Zuwachslehre, Forstbotanik und Phytopathologie, geleitet von Herbert Schmied, die Abteilung für Forstschutz, geleitet von Walter Sedlaczek sowie die chemische Abteilung für Bodenchemie, Holzchemie und Rauchschäden, geleitet von Peter Rusnov. Die Weltwirtschaftskrise und schlechte wirtschaftliche Situation zu Anfang der dreißiger Jahre behinderten weiterhin die Arbeit. Vor dem Ersten Weltkrieg gab es neun wissenschaftliche Mitarbeiter, 1924 vier, 1937 nur mehr zwei für die zwei noch bestehenden Abteilungen. 1937 wurde ein dritter Mitarbeiter aufgenommen und die chemische Abteilung reaktiviert. Wesentlich vergrößert wurde die Versuchsanstalt nach 1938. Eine "Forschungsstelle für Holzbringung an der Staatlichen Forstlichen Versuchsanstalt Mariabrunn" wurde gegründet, weiters eine "Abteilung für Ernährung aus dem Wald" sowie das "Institut für biologische Holzforschung", das von 1943 bis 1945 bestand. Insgesamt gab es während des Zweiten Weltkrieges acht Abteilungen. Der Großteil der rund 45 Mitarbeiter wurde aber zur Wehrmacht eingezogen. Gegen Kriegsende sollte Mariabrunn als "Festung" gegen die drohende russische Front ausgebaut werden.

Im Sommer 1945 fanden sich fünf Mitarbeiter in Mariabrunn ein, nur eine einzige Abteilung, die für Forstchemie und Holztechnologie, hatte den Krieg überdauert.

1949, zum 75jährigen Bestehen der Forstlichen Versuchsanstalt, war das Ärgste überwunden, der Aufstieg zu einer neuen fruchtbaren Forschungsperiode hatte begonnen. Die nächsten 25 Jahre brachten die Etablierung früherer und neuer Forschungsgebiete, die Belebung der Publikationstätigkeit, die elektronische Datenverarbeitung, die Gliederung in Institute, die gesetzliche Regelung von Aufgaben und Organisation durch das Forstgesetz von 1975 und den Bau des neuen Hauptgebäudes in Wien Schönbrunn, um nur die wichtigsten Ereignisse zu nennen.

21.09.05 | Linhart, R.
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