Chronik der Forstlichen Bundesversuchsanstalt 1975 - 1999
 
FBVA-Chronik
Forstschutz
Das Institut für Forstschutz befaßt sich mit Krankheiten und Schäden des Waldes, von Beständen und Einzelbäumen, die durch Organismen sowie durch abiotische Faktoren verursacht sind. Die Entwicklung des Fachgebietes im vergangenen Vierteljahrhundert kann in drei Phasen geteilt werden. In der ersten lag der Schwerpunkt bei der Schädlingsbekämpfung, dann bei der Rauchschadensforschung und schließlich beim integrierten Forstschutz. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Wildökologie.

Schädlingsbekämpfung

Bis etwa Mitte der siebziger Jahre stand noch die traditionelle Schädlingsbekämpfung im Vordergrund des angewandten Forstschutzes. Dementsprechend befaßte man sich auch am Institut für Forstschutz intensiv mit der Testung chemischer Bekämpfungsmittel in klein- und großflächiger Anwendung. Daneben betrieb man aber auch stets die Suche nach Alternativen zur ¿chemischen Keule¿. So gab es Forschungsschwerpunkte für die Entwicklung und Überprüfung von Methoden der biologischen Schädlingsbekämpfung, beispielsweise der Einsatz von Sexuallockstoffen und Häutungshemmern gegen Insekten, andererseits Forschungen in Richtung vorbeugender Forstschutz, beispielsweise die Berücksichtigung potentieller Schädlingsausbreitungen bei der Standortswahl von Aufforstungen.

Bekämpfungsversuch 1960

Biologische Bekämpfung

Die Sensibilisierung der Bevölkerung im Hinblick auf den Einsatz von Chemikalien hatte zur Folge, daß chemische Insektenbekämpfungen ab Mitte der achtziger Jahre drastisch eingeschränkt wurden. Die Applikation von Pestiziden aus der Luft per Hubschrauber sowie großflächige Bekämpfungsaktionen im Wald kamen praktisch zum Erliegen.

Rauchschadensforschung

Seit etwa 1980 gewannen die Folgen der anthropogenen Schadstoffemissionen, damals Rauchschäden genannt, immer mehr an Bedeutung. Bis 1984 befaßte man sich am Institut für Forstschutz auch mit den Auswirkungen der Schadstoffbelastung durch Industrie, Gewerbe, Verkehr und Hausbrand auf den Wald. Schon Anfang der siebziger Jahre intensivierte sich der Arbeitseinsatz am Sektor der Rauchschadens- und Düngungsuntersuchungen. Die Beratungstätigkeit im Zusammenhang mit Luftverunreinigungen und deren Einfluß auf verschiedene Schädlingsauftreten nahm zu. Die aktuelle Waldsterbensdiskussion erzwang schließlich im Jahre 1983 eine derartige Ausweitung der Immissionsforschung zu Lasten der anderen Bereiche des Fachgebietes, daß 1984 aus der Abteilung für Forstchemie und Rauchschäden ein eigenständiges Institut für diese Aufgabenstellungen gegründet wurde, das Institut für Immissionsforschung und Forstchemie.

Integrierter Forstschutz

Seit etwa 10 Jahren ist der integrierte Forstschutz zu einem Schwerpunkt der Institutsarbeit geworden. Nach den Erfahrungen mit verschiedenen monokausalen Erklärungsversuchen des Waldsterbens hat sich die Erkenntnis weitgehend durchgesetzt, die das Institut für Forstschutz immer vertreten hatte, daß Krankheitssymptome von Waldbäumen fast ausschließlich das Ergebnis verschiedener zusammenwirkender Streßfaktoren sind. Die Diagnosemethoden wurden in die Richtung verfeinert, daß die Analysen der Schadensursachen von verschiedenen Gesichtspunkten aus erfolgen - man spricht dabei von Differentialdiagnose. Im Vordergrund steht dabei die möglichst vollständige Erfassung der Symptome und der beteiligten Organismen sowie die Untersuchung physiologischer Parameter, z.B. Leitfähigkeit des Saftstromes, Chlorophyllgehalt der Blätter, Fäuleausdehnung im Stamm etc., und nicht zuletzt eine Analyse der standörtlichen Gegebenheiten und klimatischen Faktoren. Verschiedene Anschaffungen der letzten Jahre wie das Rasterelektronenmikroskop und das Gefriermikrotom trugen der Erfordernis nach verfeinerten Labortechniken und neuen Untersuchungsmethoden Rechnung.

Der integrierte Forstschutz erfordert solche Diagnosemethoden, da er durch eine differenzierte, fein abgestimmte Vorgangsweise definiert ist. Nur so ist es auf lange Sicht möglich, das Schwergewicht von kurativen auf präventive Maßnahmen zu verlagern. Ein Hauptcharakteristikum des integrierten Forstschutzes ist die verstärkte Anwendung biologischer Bekämpfungsstrategien. Gerade der Einsatz von Nützlingen und Prädatoren(1) setzt aber eine genaue Bewertung der Rolle pathogener Organismen im Gefüge der zahlreichen Streßfaktoren voraus.

Wildökologie

Die Wildökologie steht ebenfalls im Zeichen einer ganzheitlichen Sichtweise. Neue Verfahren zur Beurteilung des Einflusses von Wild und Weidevieh auf die forstliche Vegetation wie die Traktmethode wurden entwickelt. Außerdem untersucht man Einflüsse anderer Säugetiere auf Einzelbäume und Bestände und gibt Empfehlungen an die forstliche Praxis heraus. Weitere Arbeitsschwerpunkte befassen sich mit der Vermeidung von Wildschäden und Raumplanungsfragen.

Beratungen, Gutachten und gesetzliche Aufgaben

Etwa ein Drittel der Arbeitskapazität des Instituts wird von Beratungen, Gutachten und gesetzlichen Aufträgen beansprucht. Das Arbeitsprogramm umfaßt zahlreiche Facharbeiten und Tarifarbeiten, wie z.B. die amtliche Mittelprüfung, deren gesetzlicher Auftrag seit 1986 besteht. Durch den EU-Beitritt Österreichs wurde eine Umstrukturierung des Pflanzenschutzdienstes nötig. Zu den bereits bestehenden Kontrollaufgaben an Importhölzern und Forstpflanzen aus Drittländern kam die Einschulung und fachliche Supervision der Kontrollorgane. Nach dem Pflanzenschutzgesetz 1995 ist die Forstliche Bundesversuchsanstalt bzw. das Institut für Forstschutz für diesen Bereich zuständig.

Öffentlichkeitsarbeit

Das Institut für Forstschutz steht in einem sehr intensiven Kontakt zur Praxis. Dies betrifft nicht nur die Forstwirtschaft, sondern die gesamte Öffentlichkeit, sofern es um den Schutz verholzter Pflanzen geht. Dieser Kontakt wird besonders in Form der Diagnosearbeit, bei der konkrete Probleme behandelt werden, aber auch durch eine periodische institutseigene Zeitschrift ¿Forstschutz Aktuell¿, die seit 1991 erscheint, durch Informationsblätter und aktuelle Informationen im Internet gepflegt.


Projekte und Arbeiten 1975 bis 1999

(chronologisch nach Anfangsjahren aufgelistet)

Düngung und Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlinge

P/IV/8
Laufzeit bis 1978, Leiter E. Donaubauer u. H. Schmutzenhofer, 1978 E. Jahn u. A. Egger

Die Annahme, daß das Nährstoffangebot in der Lage sei, die Anfälligkeit der Bäume positiv wie negativ zu beeinflussen, wurde mit Hilfe von Versuchen an Bäumen der Gattung Populus und Pinus überprüft. N-, P-, K- und NPK-Düngungsversuche wurden im Freiland, im Labor und im Glashaus durchgeführt und in Hinblick auf Pilz- und Insektenschädlinge ausgewertet. 1978 wurden überdies Versuche über die phenolischen Inhaltsstoffe in Rinden und Blättern von Pappeln und deren Einfluß auf das Pilzwachstum abgeschlossen.


Anlage von Wildäsungsflächen zur Herabsetzung der Wildschäden an den Wirtschaftsholzarten

P/IV/14
Ab 1983 P/IV/45
Laufzeit bis 1982, Leiter H. Margl

In AchenkirchTit. wurden Verbißholzarten wie z. B. Weiden für das Wild angebaut. Ziel war es, geeignete Holzarten als Ablenkungsäsung zu finden. Die Proßholzpflanzungen wurden vom Wild stark angenommen. Ab 1983 wurde die Fragestellung im Rahmen von P/IV/45 "Integrierte Wildschadensvorbeugung" behandelt.

Die Projekte P/IV/16, P/IV/1, P/IV/18, P/IV/48 und P/IV/49 werden im Abschnitt "Immissionsforschung und Forstchemie" beschrieben, der Vollständigkeit halber jedoch hier ebenfalls aufgelistet..


Untersuchungen von Rauchschäden am Wald

P/IV/16
Ab 1985 P/XI/1, P/XI/2, P/XI/3, P/XI/4, P/XI/5, P/XI/6 und P/XI/7 und P/V/19


Bestimmung der Nährstoffgehalte von Nadelproben der Düngungsversuchsflächen der Forstlichen Bundesversuchsanstalt

P/IV/18
Ab 1985 P/XI/8


Bekämpfungsversuch mit Bazillus, Viren und biotechnischen Präparaten

P/IV/29
Laufzeit 1968 bis 1976, Leiter E. Donaubauer

Verfügbare Handelspräparate wurden auf ihre Wirksamkeit gegen Schmetterlingsraupen und Blattwespenlarve überprüft. Auch der Häutungshemmer Dimilin, der in den vergangenen Jahren gegen die Roßkastanienminiermotte zum Einsatz kam, wurde getestet. Nach dem gegenwärtigen Wissensstand überwiegen bei Dimilin deutlich die Vorteile, schrieb E. Donaubauer in einem Artikel 1976. Zur Abschätzung aller Risken der Umweltgefährdung erschienen aber weitere Untersuchungen wünschenswert.

Donaubauer E., 1976, Dimilin (PH 60-40) - ein biotechnisches Insektizid, Allgemeine Forstzeitung, Wien, 87 (4), S. 108-109


Einfluß von Beschattung auf die Befallsbereitschaft von Tannen für die Tannentrieblaus

P/IV/30
Laufzeit 1968 bis 1975, Leiterin E. Jahn

Der Einfluß des Faktors Licht auf die Tannentrieblaus wurde an Pflanzungen im Freiland an Sonnen- und Schattenorten untersucht. Die Beobachtungen an Tannen ergaben während ihrer Jugendphase eine wesentlich größere Anfälligkeit für den Befall durch die Tannentrieblaus von Sonnentannen als von Schattentannen.

Jahn E., 1976, Zum Einfluß einiger Standortsfaktoren auf die Tannentrieblaus, Dreyfusia nuesslini C.B., Anzeiger für Schädlingskunde, Berlin, 49 (7), S. 97-99


Befall der Fichte durch die Kleine Fichtenblattwespe bei Früh- und Spättreibern

P/IV/31
Fortgesetzt ab 1984 als P/IV/49
Laufzeit 1968 bis 1979, Leiter/in E. Jahn, 1979 H. Schmutzenhofer

Zwischen 1971 und 1979 wurden Versuchsflächen in Oberösterreich beobachtet und die Bekämpfung der Kleinen Fichtenblattwespe mit modernen Insektiziden erprobt. Es zeigte sich, daß Frühtreiber und extreme Spättreiber vom Blattwespenbefall bzw. von wirtschaftlich bedeutsamen Schäden verschont blieben.

Schmutzenhofer H., 1983, Zur Problematik der Bekämpfung von Dauerschädlingen wie der Kleinen Fichtenblattwespe. Exkursionsführer der Österreichischen Forsttagung in Gmunden, S. 6-8


Einsatzmöglichkeiten der "sterile male"-Technik

P/IV/32
Laufzeit 1971 bis 1975, Leiterin E. Jahn

Gemeinsam mit dem damaligen Reaktorzentrum Seibersdorf wurden Untersuchungen über die praktischen Einsatzmöglichkeiten der "Männchen-Sterilisierung" als biologische Schädlingsbekämpfung zur Verhinderung von Nonnenkalamitäten durchgeführt. Gesicherte Aussagen über das Ausmaß der populationsdynamischen Auswirkungen von sterilisierten Männchen konnten nicht gemacht werden, da die Gradation im Waldviertel zusammenbrach. Der Versuch zeigte jedoch zahlreiche positive, populationsreduzierende Indikationen.

Jahn E., Weidinger N., 1975, Versuche zum Einsatz sterilisierter Männchen, in: Jahn E., Schmutzenhofer H., Holzschuh S., Lippay H., Stefan K., Weidinger N., Zur Massenvermehrung der Nonne (Lymantria monacha L.) im Waldviertel 1964 - 1967 und der weiteren Entwicklung bis 1973, Mitteilungen der FBVA 110/1975, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, S. 82-87


Einfluß von Reizzonen für die Entstehung von Insekten-Gradationen

P/IV/33
Laufzeit 1971 bis 1975, Leiterin E. Jahn

An diversen Orten von Schädlingsauftreten sollten biophysikalische Untersuchungen klären, ob zwischen Massenvermehrungen von Schadinsekten und sogenannten Reizzonen Zusammenhänge bestehen und für die Prognose brauchbar sind. Else Jahn führte Untersuchungen zur Vitalität und Fertilität von Lymantria monacha L. durch, die günstige Auswirkungen des Aufenthalts innerhalb von "Reizzonen" und der Ernährung mit "Reizzonenfutter" zu bestätigen schienen.

Jahn E., 1975, Ergebnisse weiterer Untersuchungen zur Natur biophysikalischer Umweltverhältnisse und ihrer Wirksamkeit auf Lebensprozesse von Lymanthria monacha L., Anzeiger für Schädlingskunde, Berlin, 48 (9), S. 136-139


Wildeinfluß und Rückgang der Tanne

P/IV/35
Laufzeit 1971 bis 1975, Leiter L. Smidt

Im Rahmen des Projekts wurden statistische Unterlagen aus verschiedenen Forstverwaltungen des Wienerwaldes über den Tannenanteil und die Wilddichte früher und gegenwärtig gesammelt.


Schadensausmaß durch Wildäsung

P/IV/36
Laufzeit 1971 bis 1979, Leiter H. Margl

Die Modellerhebung aller Schäden an Forstbäumen und an der Vegetation von Versuchsflächen in der Forstverwaltung Wegscheid/Stmk. der Österreichischen Bundesforste bestand einerseits in einer Intensiverhebung und anderseits in einer Versuchsreihe über die lokale Äsungskapazität. Aus dem gewonnenen Datenmaterial wurden für verschiedene Wildarten und Gebiete Auswertungen über die Entwicklung von Wildpopulationen durchgeführt.

Stagl W.G., 1977, Versuch einer Darstellung der Wildstandsentwicklung aufgrund von Abschußmeldungen bei Rehwild, in: Margl H., Meister K., Smidt, L., Stagl, W.G., Wenter, W., Beiträge zu Fragen der Wildstandsbewirtschaftung, Mitteilungen der FBVA 122/1977, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, S. 63-83

Stagl W.G., 1980, Telemetrische Untersuchungen über die Raumnutzung durch Rotwild in einem Gebirgsrevier der Obersteiermark, in: Waldbau unter ökologisch und wirtschaftlich extremen Bedingungen, IUFRO-Tagung Thessaloniki-Athen 1980, S. 87-97


Abbauzeit von Pestiziden

P/IV/37
Laufzeit 1971 bis 1983, Leiter/in Teil a) St. Smidt, Teil b) F. Glattes

Das Projekt bestand aus a) gaschromatographischen Untersuchungen der Abbauzeit verschiedener Pestizide, die in der Forstpraxis häufig verwendet werden und ab 1977 aus b) Untersuchungen über Einsatzmöglichkeiten biologischer Tests.

Zu dieser Frage bestätigte der Kressetest den Einfluß des Entnahmezeitpunkts und die Tauglichkeit als biologisches Nachweisverfahren.

Glattes F., 1983, Rückstände von Lindan und Hexachlorbenzol in Sägemehl, Hackgut und Rindenstücken, Centralblatt f. d. ges. Fw.,100 (4), S. 221-226

Smidt St., 1977, Über den Abbau von Malathion auf Forstpflanzen, Centralblatt f. d. ges. Fw. 94 (1), S. 49-59

26.09.05 | Linhart, R.
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