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Die Insektenfamilie der Borkenkäfer - Biologie, Bedeutung und Schäden
Treffen der Forstschutzreferenten zum Thema Borkenkäfer - Aktueller Situationsbericht und Diskussionsergebnisse
(Artikel aus Forstschutz Aktuell Nr. 37)

Am 11. und 12. Oktober 2006 fand im Bezirk Gmunden ein Treffen der Forstschutzreferenten zum Thema Borkenkäferbekämpfung in schwierigen Lagen statt (Abbildung 1).


Abbildung 1 (links/rechts): Borkenkäferbefall in extremen Hochlagen


Am ersten Tag wurden im Rahmen einer Exkursion in ein Revier der Österreichischen Bundesforste AG (ÖBf AG) im Raum Ebensee die dort angewendeten Borkenkäfer-Bekämpfungsstrategien diskutiert. Am 12. Oktober wurden die aktuellen Problemgebiete von den Forstschutzreferenten der Bundesländer Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark, Salzburg, Kärnten und Vorarlberg im Rahmen eines Workshops in der Forstlichen Ausbildungsstätte Ort vorgestellt und die geplanten sowie bisher durchgeführten Maßnahmen mit den Waldschutzexperten des BFW besprochen. Die wichtigsten Ergebnisse und die aus den Beratungen abgeleiteten Lösungsvorschläge werden in diesem Bericht zusammengefasst.

Borkenkäferbekämpfung mit Helikoptern

Die ÖBf AG stellte im Zuge der Exkursion in die Borkenkäferschadgebiete der Gebirgsreviere nordwestlich von Plankau die dort praktizierten Bekämpfungsmaßnahmen vor:
• Schlägern von Fangbäumen, sobald es die Schneedecke erlaubt.
• Abtransport der frisch befallenen Fangbäume mit dem Hubschrauber nach dem einsetzenden Käferflug (Überwachung mit Pheromonfallen an geeigneten Stellen)
• Zusätzlicher Einsatz von Seilkränen in leichter erreichbaren Beständen
• Alte Käferbäume verbleiben im Bestand.
• Keine zufrieden stellende Wirkung nach dem Einsatz von Insektiziden (Stammschutzmitteln)

Bei der Beurteilung der Maßnahmen durch die Forstschutzexperten sind folgende wesentliche Punkte hervorgehoben worden:
Der Hubschraubereinsatz zum raschen Abtransport von Käfer befallenen Bäumen ist trotz der hohen Kosten eine notwendige, in extremen Steillagen oft die einzig mögliche Maßnahme, um größere Schadholzmengen rechtzeitig aus dem Gefahrenbereich zu entfernen. Idealerweise sollte der Einsatz zweimal im Jahr erfolgen, damit auch frisch befallene, stehende Bäume vor dem Ausfliegen der Jungkäfer abtransportiert werden können. Das Erkennen von frisch befallenen Käferbäumen (Bohrmehlsuche) ist jedoch bei Hochlagenfichten selbst für erfahrene Forstleute schwierig.
Im Zuge der Diskussion hat die Revierleitung auch bestätigt, dass die Borkenkäfersituation angesichts der Höhenlage der betroffenen Bestände, wo bisher keine Massenvermehrungen stattgefunden haben, falsch eingeschätzt worden ist. Die rigorosen Maßnahmen seien daher aus heutiger Sicht zu spät ergriffen worden.

Borkenkäfersituation in den Bundesländern - Berichte der Forstschutzreferenten

Allgemein wird die Borkenkäferproblematik von den Forstschutzreferenten der Bundesländer für 2006 ähnlich wie 2005 beurteilt, nur mit dem Unterschied, dass es durch Verlagerung der Befallsherde in extreme Steillagen immer schwieriger wird, eine Trendumkehr zu erreichen.

Salzburg

Die Schadholzmengen werden etwa gleich hoch wie im Jahr 2005 eingeschätzt, in manchen Tälern erfolgte aber bereits eine großflächige Entwaldung. Im Gasteinertal und Raurisertal breitet sich das Käferproblem bis zur Waldgrenze hinauf aus, wodurch die Bekämpfungsmaßnahmen noch schwieriger und kostspieliger werden.
Im Lugau, wo nach dem Föhnsturm 2002 auch aufgrund der geringen Schneelage im folgenden Winter das Windwurfholz rasch aufgearbeitet werden konnte, beträgt die Käferholzmenge nur etwa 20 % des Windwurf-Schadholzes. Im Pinzgau hingegen sind bisher mehr als 100 % der Windwurf-Schadholzmenge zusätzlich als Borkenkäferholz in den verbleibenden Beständen angefallen.
Es gibt Anzeichen, dass die Konstitution der Borkenkäfer schlechter und somit das Vermehrungspotenzial in den Hauptschadensgebieten geringer geworden ist. Durch den besseren Gesundheitszustand der verbliebenen Bäume wird auch die Zahl der neu befallenen Bäume - nach Ansicht des Forstschutzreferenten - geringer ausfallen.

Steiermark

Für 2006 werden wieder etwa 500.000 bis 600.000 Festmeter Borkenkäferschadholz erwartet. Die Verteilung der Hauptschadensgebiete ist unterschiedlich und hängt auch sehr von der bisherigen Intensität der Bekämpfungsmaßnahmen ab. Gemäß einer von einigen Bezirkshauptmannschaften erlassenen Verordnung (nach § 44 (2) des Österreichischen Forstgesetzes) sind die Waldeigentümer in den Problembezirken verpflichtet, bis zum 1. Dezember das gesamte Borkenkäfer befallene Holz aus dem Wald zu entfernen. Im Frühjahr sind dann dem Schadensausmaß entsprechend Fangbäume oder Fangschläge anzuwenden.

Oberösterreich

Man erwartet einen leichten Anstieg der Schadholzmengen. Zusätzlich könnte sich das Käferproblem durch die Schneebruchschäden (zirka 900.000 Festmeter Schadholz) des vergangenen Winters noch verschärfen. In Oberösterreich werden Aufarbeitungsbescheide gegen säumige Waldbesitzer unabhängig von der Besitzstruktur ausgestellt. Ersatzvornahmen werden nur in Ausnahmefällen durchgeführt. Auf den Nationalparkflächen werden Ausnahmen von der Bekämpfungspflicht nur in der Kernzone und für Waldflächen, von welchen keine unmittelbare Gefährdung auf Nachbarbestände anderer Waldbesitzer ausgeht, genehmigt.

Niederösterreich

In Niederösterreich fielen im vergangenen Winter zirka eine Million Festmeter Schneebruchholz an. In den Bezirken Amstetten und Melk konnte die Aufarbeitung des Schadholzes bis zum Herbst weitgehend abgeschlossen werden. Problemzonen lagen im Waldviertel, wo zahlreiche Einzelbäume durch Nassschnee gebrochen wurden. Es wird berichtet, dass im September in den höheren Lagen vermehrt Borkenkäferbäume entdeckt wurden. Um die von Restholz ausgehende Gefahr zu minimieren, wurde das Häckseln und Mulchen vom Land gefördert (zirka 240.000 Euro).

Kärnten

Aufgrund der Häufung der Trockentage im Juni und Juli wird mit einem Anstieg der Käferschäden für das Jahr 2006 gerechnet, welcher teilweise im September schon sichtbar geworden ist. In stark betroffenen Gebieten wurden Waldbesitzer per Verordnung der Bezirkshauptmannschaft ebenfalls zur fristgerechten Aufarbeitung von Käferbäumen und Durchführung von geeigneten Bekämpfungsmaßnahmen verpflichtet. Im Jahr 2006 fielen im Gurktal 300.000 Festmeter Windwurf-Schadholz an, welches zur weiteren Verschärfung der Borkenkäferproblematik beitragen kann.

Vorarlberg

Hier gibt es im Vergleich zum Jahr 2005 wahrscheinlich die gleiche Schadholzmenge infolge Borkenkäferbefalls. Vorarlberg war vom Schneebruch kaum betroffen.

Da die Forstschutzreferenten aus dem Burgenland, Tirol und Wien bei der Besprechung nicht anwesend waren, liegen hier auch keine aktuellen Situationsberichte vor.

Resümee und Forderungen der Forstschutzexperten

1. Die Borkenkäfer-Situation hat sich wegen
• der Verlagerung der Befallszentren in extremeSteillagen und
• der Lagerung von befallenem Holz im Wald oderin Waldnähe zusätzlich verschärft.

2. In vielen Forstbetrieben war der rechtzeitige Abtransport von Käferholz durch logistische Probleme nicht möglich. Als Hauptgründe werden
• schlechte Koordination der Maßnahmen,
• Mangel an verfügbaren Unternehmern oder eigenenArbeitskräften,
• unzureichende Zufahrtswege,
• mangelnde Planung der Seil- und Hubschraubertransporte (Starkstromleitungen) und
• unzureichende Kenntnis der Flugzeiten der Borkenkäfer angesehen.

3. Die zuständige Rechtsabteilung des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasser wird aufgefordert werden, gemeinsam mit den Forstschutzexperten des BFW einen Erlass zur Lagerung von Käferholz außerhalb des Waldes auszuarbeiten:
Dabei soll der Mindestabstand des Holzlagers zu befallsgefährdeten Waldbeständen 500 Meter betragen, in engen Gebirgstälern kann dieser Abstand in Ausnahmefällen bis zu einer Grenze von 150 Meter auch unterschritten werden. In diesem Fall sind jedoch bekämpfungstechnische Maßnahmen zwingend vorzuschreiben. Es wird ein Pheromonfallengürtel im Abstand von 25 Meter rund um den Lagerplatz bei wöchentlicher Kontrolle und Verwendung von Lockstoffen gegen Buchdrucker, Kupferstecher und, im Falle von gelagerten Lärchen, Ips cembrae empfohlen.

4. Unterlassung „halbherziger“ Bekämpfungsmaßnahmen:
Es wird aufgrund der Erkenntnisse aus den Problemgebieten mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen, dass mangelhaft durchgeführte Bekämpfungsaktionen zur Massenzucht von Borkenkäfern beigetragen haben.

5. Als geeignete Bekämpfungsstrategie in Hochlagen haben sich rigoros durchgeführte Fangschläge statt der Vorlage von Einzelfangbäumen erwiesen.

6. Wissenschaftliche Untersuchungen sollen überprüfen, welche Auswirkungen der Biomasse-Entzug durch den Abtransport von Hackschnitzeln (Reduzierung von bruttauglichen Material) auf den Waldboden, die Wuchsleistung und auch die Borkenkäferdisposition der (Rest-)Bestände hat.

11.05.07 | Krehan, H.; Tomiczek, C.; Steyrer, G.
BFW © 2005