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Erfassung der Umweltbelastung im Görtschitztal/Kärnten mit Fichten als Bioindikatoren
Auf Grund der festgestellten massiven Kontamination mit Hexachlorbenzol (HCB) bei Futtermitteln und Milchproben im Görtschitztal wurden Nadelproben auf Hexachlorbenzol- und Quecksilbergehalte untersucht. Seit 1983 untersucht das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) im Rahmen des Bioindikatornetzes österreichweit Immissionseinwirkungen mittels Blatt- und Nadelanalysen, zusätzlich werden 80-100 Emittenten pro Jahr mit diesem Verfahren auf forstschädliche Luftverunreinigungen überwacht.

Hexachlorbenzol und Quecksilber

Hexachlorbenzol (HCB) wurde früher als Saatgutbeizmittel, Holzschutz- und Flammschutzmittel eingesetzt. Aufgrund seiner Persistenz und Fettlöslichkeit reichert sich HCB in der Umwelt vor allem in Wachsen und Fetten an, wegen seiner Giftigkeit gilt ab 2004 eine fast weltweite Beschränkung bzw. sogar ein Verwendungsverbot. HCB siedet bei rund 325 °C und zersetzt sich über 800 °C. Diese Mindestzersetzungstemperatur ist zur Entsorgung von HCB in industriellen Anlagen deutlich höher anzusetzen.
Quecksilber ist ein giftiges Schwermetall, das anthropogen bei verschiedenen, zumeist thermischen Prozessen in die Umwelt gelangt (u.a. Sinterung von Erzen, Zement- und Ziegelwerken). Es wird als elementares Quecksilber und als organisches Methylquecksilber über die Luft verbreitet. Der Einsatz und die Verwendung von Quecksilber sind aus Umweltschutzgründen eingeschränkt.

Beide Schadstoffe finden sich auch in stark schwankenden Gehalten in der Kalkdeponie Brückl I/II (Altlast K20). Nach Abschluss der Vorarbeiten zur Sanierung erfolgte Ende Mai 2012 der Räumungsbeginn der Deponie. Unbelastete bis gering mit Quecksilber und mit Chlorkohlenwasserstoffen belastete Kalkschlämme wurden einer Verwertung im Zementwerk Wietersdorf zugeführt. Insgesamt sollten 239.000 t Kalkschlamm (Blaukalk) innerhalb von sieben Jahren entsorgt werden.
Nach den ersten Hinweisen auf eine HCB-Belastung im Görtschitztal gab es viele Vermutungen über die Ursachen: Kalkung mit kontaminierten Kalk, Transport des Aushubmaterial aus der Deponie Brückl, Einsatz von verbotenen Pflanzenschutzmitteln, Biomassekraftwerke, alte Bodenkontamination der landwirtschaftlichen Flächen, aber auch die unsachgemäße thermische Entsorgung bei zu niederen Temperaturen im Zementwerk.

Fichtennadelproben analysiert

Zur Feststellung möglicher Verursacher der HCB Kontaminationen wurden Anfang Dezember 2014 von der Landesforstdirektion 14 frische Fichtennadelproben auf Punkten bereits langjährig bestehender Untersuchungsnetze geworben. Die Proben wurden geteilt und bei der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) in Innsbruck auf HCB und am BFW auf Quecksilber untersucht. Zusätzlich wurde Quecksilber auch in den am BFW vorhandenen getrockneten Rückstellproben der letzten Jahre nachanalysiert. Bei der Auswertung der ersten HCB- und Quecksilbermessdaten wurden erhöhte Werte im Bereich des Zementwerkes Wietersdorf ausgewiesen. Das Messnetz wurde deutlich erweitert; insgesamt wurden 110 HCB-Analysen und 300 Quecksilberanalysen an Fichten bis Anfang Mai 2015 durchgeführt. Untersucht wurde ein Gebiet von Hüttenberg im Norden bis fünf Kilometer südlich von Brückl, in östlicher Richtung bis zur Saualpe und in westlicher Richtung bis ins Krappfeld.

Abgrenzung des Belastungsgebietes

Anhand der vorliegenden Karten mit den Gehalten an HCB und Quecksilber in Fichtennadeln lässt sich das Belastungsgebiet gut abgrenzen (Abbildungen 1 und 2). Bei allen Interpretationen der bisher vorhandenen Untersuchungsergebnisse ist zu berücksichtigen, dass aufgrund der völlig unterschiedlichen Belastung des Blaukalks durch HCB auch der Schadstoffausstoß aus dem Zementwerk äußerst heterogen war. Daraus resultieren auch die unterschiedlich hohen Belastungen bei Futtermittel-, Obst- und Gemüseproben im Immissionsbereich des Werkes.

Sowohl die HCB als auch die Quecksilberergebnisse korrelieren nachvollziehbar mit der vorhandenen Windverteilung im Beurteilungsgebiet und zeigen überraschenderweise zwei deutliche Belastungsräume:
•    Erstens das Umfeld des Zementwerkes
•    Zweitens den Umgebungsbereich der Deponie in Brückl (diffuse Emissionen aus dem Deponiekörper)
Die Referenzproben stammen von einem unbelasteten Bioindikatornetzpunkt im Lesachtal.

© BFW© BFW
Abbildungen 1 und 2 zeigen die Ergebnisse der HCB (links) sowie Quecksilber (rechts) Analysen der Probenahmen von Dezember 2014 bis Anfang Mai 2015

Akutmaßnahmen

Aufgrund der Messergebnisse im Görtschitztal wurden rasch folgende immissionsmindernde Maßnahmen von der Behörde aber auch vom Anlagenbetreiber gesetzt:
  • Aussetzen des Bescheids zur thermischen Verwertung von Blaukalk,
  • Einbau eines zusätzlichen Quecksilberfilters im Zementwerk Wietersdorf und
  • Verringerung und Abdeckung der offenen Deponiefläche der Blaukalkdeponie Brückl sowie die Abdeckung des Deponiekörpers mit nicht kontaminiertem Erdaushub (ca. 50 cm) und Einsatz eines neuen Aktivkohlefilters zur Reinigung der Abluft aus dem Arbeitszelt im Deponiebereich.
Es hat sich gezeigt, dass sich die Bioindikation mit Waldbäumen auch zur Umweltüberwachung nicht forstschädlicher Luftverunreinigungen eignet. Am BFW lagern rund 100.000 Rückstellproben (ab 1983), diese können auch rückwirkend auf eine Vielzahl von Schadstoffen untersucht werden, damit lässt sich die historische Entwicklung der Belastungssituation abbilden.

Literatur
Fürst A., Hellig K., Heimburger G., Wuggenig W. (2015): Fichten als Bioindikatoren nach Kontamination im Görtschitztal. Österreichische Forstzeitung 09/2015.

Linktipps

Sonderthema HCB-Görtschitztal: www.ktn.gv.at
Bioindikatornetz: www.bioindikatornetz.at

Autoren
Ing. Alfred Fürst, Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), Institut für Waldschutz, Abteilung Immissions- und Pflanzenanalyse, Seckendorff-Gudent Weg 8, 1131 Wien, alfred.fuerst@bfw.gv.at

Dr. Ing. Kurt Hellig, Dipl.-Ing. Gerhard Heimburger, Amt der Kärntner Landesregierung - Abteilung 8 Kompetenzzentrum Umwelt, Wasser und Naturschutz Unterabteilung ÖM - Ökologie und Monitoring, Flatschacher Straße 70, 9021 Klagenfurt am Wörthersee

Dipl.-Ing. Walter Wuggenig, Amt der Kärntner Landesregierung - Abteilung 10 Kompetenzzentrum Land und Forstwirtschaft Unterabteilung Forstwirtschaft - Landesforstdirektion, Mießtaler Straße 1, 9020 Klagenfurt am Wörthersee
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