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Grauerle auf absteigendem Ast
Wie überdimensionale Zahnstocher, die man in die Erde gerammt hat, schauen Grauerlen aus, wenn sie kurz vorm Absterben sind. In dieser traurigen Gestalt treten die vorwiegend in der Nähe von Gewässern wachsenden Laubbäume in der Steiermark auf.

Was in den letzten 13 Jahren eher in einem kleinen, abgesteckten Gebiet zu beobachten war, hat sich seitdem stark ausgeweitet. Das war auch in den Jahren 2013/14 Anlass für die steirische Landesregierung, den Ursachen dieses Phänomens auf den Grund zu gehen.
Das Institut für Waldschutz des BFW hat unter der Projektleitung von Dr. Thomas Cech (Leiter der Abteilung Phytopathologie) und in Kooperation mit der Universität Brno insgesamt 28 Grauerlen-Standorte im Murgebiet zwischen Teufenbach und Murau untersucht.

Ursachenkomplex erforschen

Das derzeitige Erlensterben ist das Resultat eines langjährigen Prozesses. Es hat sich herausgestellt, dass sich während der vergangenen 15 Jahre ein Komplex von Sekundärorganismen (Fäulepilze, Stamm-brütenden Insekten u.a.) gebildet hat, der auf mangelnde Pflege des Bestandes und überaltete Wurzelstöcke zurückzuführen ist. Zusätzlich ist der Rostbefall (Melampsoridium hiratsukanum) im Zentrum des Gebietes (Mur) besonders stark vorhanden.

Probenanalysen von Wasser, Boden und Rinde haben ergeben, dass auch heute noch der Laubholz befallende Pilz Phytophthora alni vorhanden ist, auch wenn er, anders als im Jahr 2000, jetzt nicht mehr als Hauptursache für das derzeitige Absterben verantwortlich sein dürfte. Zusammenhänge mit den infrastrukturellen Maßnahmen entlang der Gewässer können zwar gezogen werden, aber auch diese sind nicht dominant.

Die Untersuchung von Klima- und Bodendaten ergaben einen gestressten Wasserhaushalt: Das tendenziell sinkende Grundwasser und der fehlende Grauerlennachwuchs – was typisch ist bei Standorten mit einer hohen Mortalitätsrate - weisen ganz allgemein auf aktuell ungünstige Standortsverhältnisse der Erle in der Steiermark hin. Das Team rund um Dr. Cech hat bei sieben von elf Gewässern einen Rückgang des Wasserpegels festgestellt. Was die Forscher in der Steiermark jedoch konstatiert haben, ist eine auffallend erfolgreiche Fichten-Naturverjüngung.

Auch in Niederösterreich wurde das Absterben der Grauerle beobachtet. Charakteristische Symptome sind zurücksterbende Kronen sowie nekrotische Läsionen am Stamm mit lokalen Überwallungen (Kallusbildungen, Zellkomplexe mit ungerichtetem Wachstum), wiederholtem Austreiben und Absterben von Wasserreisern an und um diese Stellen.

Laubholzliebender Pilz

Bis vor kurzem war nur bekannt, dass das Absterben der Schwarz- und Grauerlen entlang der Flüsse rein auf das Konto von Phytophthora ging. Seit dem Vorjahr mehren sich die Anzeichen, dass auch Buchen in Österreich zunehmend von der Phytoph­thora-Wurzel- bzw. Kragenfäule erfasst werden (Niederösterreich, vor allem Wienerwald).
Im urbanen Bereich ist derzeit in erster Linie die Rosskastanie betroffen, wie zum Beispiel in der Prater Hauptallee in Wien. Die Häufigkeit der Krankheitsfälle hat ebenfalls deutlich zugenommen.
Darüber hinaus stehen Phytoph­thora-Arten als Feinwurzelzerstörer auch mit dem Eichensterben ursächlich in Zusammenhang. Die weltweit gefürchtete Phytophthora-Art, der Erreger des in Kalifornien und Oregon wütenden plötzlichen Eichensterbens (Sudden Oak Death, Phytophthora ramorum), wurde zum Glück in Österreich trotz intensiver Überwachungen im Wald noch nicht nachgewiesen.
© BFW
Abb. 1: Tendenziell sinkendes Grundwasser verursacht „Wasserstress“ für Grauerlen in der Steiermark

© BFW
Abb. 2: Saftfluss am Stamm sterbender Grauerlen als Folge von Wurzelhalsfäule durch Phytophthora alni





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