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BFW-Praxistag 2016: Wasser.Wald

Referate zum Herunterladen

  1. Wald und Wasser – ein (fast) ideales Paar (Dr. M. Englisch, Download)
  2. Bewirtschaftung von Quellschutzwäldern (Wien und Gmunden MA49 Stadt Wien Download; Innsbruck: Simon/Neuner Download)
  3. WasserWald: Auwaldbewirtschaftung zwischen Holzproduktion, neuen Schädlingen und Krankheiten sowie Naturschutz (Dr. B. Heinze, Download)
  4. Wald ohne Wasser: Trockenheit und Schadorganismen (Dr. G. Hoch, Dr. T. Cech, DI B. Perny, Download)
  5. Potenzial und Sicherung der Trinkwasserspeicherung in österreichischen Wäldern (Dr. M. Englisch, Dr. E. Leitgeb, Mag. K. Gartner, BFW; gemeinsam mit Univ.-Prof. E. Hochbichler und Dr. R. Köck, BOKU, Download)
  6. Bergwälder als Abflussregulatoren (Dr. G. Markart, Dr. B. Kohl, Download)
  7. Bergwälder und Feststofftransport - Drohnengestütze Erhebungen (DI V. Lechner, Download)


Foto: BFW/F. Winter

Wasser und Wald am BFW-Praxistag im Fokus

Eine Rückschau von Anna-Maria Walli

Wasser ist mit Wald - primär aufgrund seiner Filterwirkung - untrennbar verbunden. Im Hinblick auf den Klimawandel wird diese Verknüpfung unter den Aspekten der Trinkwasserversorgung und des Naturgefahrenmanagement in Zukunft verstärkt ins Blickfeld rücken. Aus diesem Grund widmete der heurige BFW-Praxistag in Schönbrunn diesem Themenkomplex eine Vortragsreihe.

BFW-Leiter Peter Mayer eröffnete den Praxistag mit bedenklichen Fakten zur weltweiten Trinkwasserversorgung. Laut UNICEF (2012) haben weltweit rund 884 Mio. Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. 3,5 Mio. sterben jährlich wegen schlechter Wasserversorgung.

Im waldreichen Österreich hingegen verbraucht eine Person durchschnittlich 135 Liter Wasser täglich (BOKU, 2012), wobei nur drei Liter getrunken werden. Die anderen 132 Liter fallen für Dusche, WC, Abwasch und dergleichen an. Dabei nicht mit einbezogen ist der Wasserverbrauch für Gewerbe, Industrie oder Landwirtschaft. Global nimmt durch die steigende Weltbevölkerung der Druck auf die Ressource Wasser aber auch auf den Wald zu. Landnutzungsänderung hin zur Landwirtschaft, als wichtigste Ursache der Entwaldung, führen derzeit laut FAO vor allem in den Tropen zu einer Entwaldung von jährlich etwa 13 Mio. Hektar, wobei die Nettoentwaldung durch Aufforstungen global rund 5 Mio. ha beträgt.

Doch Wasser und Wald können auch in einer negativen Verbindung stehen. Mayer führte an, dass Wasser laut Schätzungen bei 90 Prozent aller Naturgefahren eine Rolle spielt. Derlei Themen fallen in das Aufgabengebiet von Christian Amberger von der Forstsektion des Bundesministeriums. Er stellte den Wald als wesentliches Landschaftselement in den Mittelpunkt und hob Wasser als "unser kostbarstes Lebensmittel" hervor. "Wasser ist aber auch ein wesentliches Element zur Entstehung von Naturgefahren", bestätigte Amberger und verwies auf die puffernde dämpfende Wirkung des Waldes bei Hochwasserspitzen.

Projekt zur Sicherung der Trinkwasserqualität
Der Meteorologe Karl Gartner vom Institut für Waldökologie und Boden am BFW stellte gemeinsam mit dem Bodenökologen Michael Englisch ein digitales Instrument zur hydrologischen Bewertung des Trinkwasserproduktionspotentials an verschiedenen Waldstandorten in Österreich vor. Die  Wissenschaftler hatten sich mit diesem Projekt zum Ziel gesetzt, das Trinkwasserpotenzial  besser planen und sichern zu können.  Eine wesentliche Datengrundlage für die Bewertung des Potenzials war die Wasserspeicherfähigkeit des Bodens. "In Zukunft wird sich die Wasserspeicherkapazität des Bodens nicht ändern. Was sich aber ändern wird, ist die Verdunstung. Erhöht sich diese wegen zunehmender Temperaturen, wird der Wasserspeicher früher aufgebraucht", unterstreicht Gartner die Wichtigkeit des Bodenwasserspeichers im Hinblick auf den Klimawandel.

Als Datengrundlage dienen Erhebungen der Österreichischen Waldinventur. Auf Basis dieser Daten konnten 48 Waldhydrotope definiert werden, welche die hydrologischen Reaktionen österreichischer Waldstandorte in homogene Flächen zusammenfassen. Die Ermittlung dieser Parameter macht es möglich, jeden Waldstandort zu einem Waldhydrotop zuzuordnen, und Aussagen über die Trinkwasserspeicherkapazität zu machen. Im Rahmen dieses Projektes fand eine Kooperation mit dem Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur statt.

Waldbewirtschaftung im Sinne des Wasserschutzes
Michael Englisch ging zuvor näher auf das Zusammenspiel von Wald und Wasser zur Trinkwasserproduktion ein. Er veranschaulichte den erheblichen Einfluss von Baumartenwahl und Bewirtschaftungsform auf Qualität und Quantität des Trinkwassers. Der Waldboden zeichnet sich durch eine hohe Reinigungswirkung aufgrund seiner feinen Strukturen aus. Eine bessere Durchwurzelung sorgt für mehr biologische Aktivität und Stoffentzug. Zudem findet dort, wo Wald wächst keine Bodenversiegelung durch Siedlungen statt und der Boden wird nicht mit Dünge- und Pflanzenschutzmitteln belastet.

"Wasser aus dem Wald ist hochqualitativ, das heißt es ist üblicherweise ohne weitere Aufbereitung als Trinkwasser verwendbar", sagt Englisch und verweist auf die positive Rolle vieler Baumarten in Bezug auf die Verringerung der Nitratbelastung des Trinkwassers. Eine Waldbewirtschaftung im Sinne des Wasserschutzes bringt jedoch Kosten mit sich. Diese können etwa in Wasserschutzgebieten durch den Wasserversorger oder andere Begünstigte abgegolten werden.

Ökonomische Betrachtungsweise in Wiener Quellschutzwäldern
Input aus der Praxis gab im nachfolgenden Vortrag Andreas Januskovecz. Der Forstdirektor der Stadt Wien nannte wesentliche Aspekte im Zusammenhang mit der Trinkwasserversorgung einer Millionenstadt. "Wien wächst im Jahr um etwa 30.000 Menschen, das heißt wir wachsen alle zehn Jahre um Graz", rechnete Januskovecz vor und gab zu bedenken, dass das Wiener Quellschutzgebiet nicht wächst. Diese Tatsache hätte Auswirkungen auf Bewirtschaftung und Wildtiermanagement der ihm unterstellten Wälder der MA 49, Forstamt und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt Wien. Ihm sei dabei eine ökonomisch ganzheitliche und nachhaltige Betrachtungsweise  wichtig, bei der das Vorsorgeprinzip "aktive Bewirtschaftung" greife.

In dieselbe Kerbe schlug sein Oberforstrat Peter Lepkowicz, der die MA 49-Forstverwaltung in Naßwald leitet. Zur Verwirklichung des Betriebszieles "qualitative und quantitative Sicherung der Quellen durch strukturreiche, natürlich gemischte und gesunde Wälder" sieht er den Weg über die Nutzung des natürlichen Zuwachses, kontrolliertem Wild- und Weidetiermanagement und mit Bedacht gelenktem Tourismus. "Die Wissenschaft sagt uns, wie der optimale Quellschutzwald auszusehen hat, und den haben wir noch nicht", merkt Lepkowicz an.

Auwaldbewirtschaftung wird immer komplexer
Einige Höhenmeter weiter unten siedelte Berthold Heinze vom Institut für Waldgenetik des BFW seinen Vortrag an und nahm das Publikum in den Auwald mit. Er gab einen Einblick in die Ansprüche der Baumarten in Wäldern an Tieflagenflüssen. Deren Bewirtschaftung wird durch gesellschaftliche Ansprüche wie Natur- und Landschaftsschutz, Kraftwerksbau und Verkehrswege, aber auch durch Krankheiten und Schädlinge immer komplexer.

"Züchtung ist ein ständiger Wettlauf mit den Krankheitserregern", meinte Heinze. Bei diesem Wettlauf habe sich die Hybridpappel als eine mögliche Siegerin hervorgetan. Diese könne bei passendem Grundwasseranschluss auch heiße, trockene Sommer mühelos überstehen. Doch ganz ohne Schattenseiten ist die Aufforstung mit den Sorten „Pannonia“ und „Kopecky“ nicht. Deren nahe Verwandtschaft berge eine höhere Anfälligkeit für Krankheiten, zudem konkurrieren die Hybriden mit einheimischen Pappelsorten. Heinze empfiehlt daher, alternative Baumarten wie etwa Schwarznuss, Vogelkirsche oder Ahorn im Blickfeld zu behalten. Aber auch an den Gebirgsflüssen lauern Schwierigkeiten, wie das grassierende Grauerlensterben, und zuletzt sogar der sich ausbreitende Biber.

Trockenheit günstig für Schädlinge
Welche Auswirkungen der Mangel von Wasser auf Wald- und Schadorganismen hat brachte Gernot Hoch dem Publikum näher. Der Entomologe und Leiter des Institutes für Waldschutz am BFW verdeutlichte zuvor die Effekte von Trockenheit auf Bäumen. So würde etwa deren Abwehrfähigkeit eingeschränkt und gleichzeitig könne die Nahrungsqualität für den Schädling begünstigt werden. Die mit der Trockenheit einhergehende steigende Temperatur sei zusätzlich günstig für Insekten.

"Generalisierungen sind problematisch, denn nicht alle Schadinsekten profitieren gleichermaßen von den veränderten Bedingungen", führte Hoch aus. So würden, wie Studien zeigen, vor allem Rindenbrüter den größten Vorteil ziehen. "Wenn es regelmäßig zu Trockenstress kommt, wird es problematisch für die Fichte", so Hochs Antwort auf die anschließende Frage des Vegetationsökologen Werner Lazowski nach einer Notwendigkeit des Waldumbaus. Der Erhalt der Fichte wäre in einigen Regionen nur durch konsequente Forstschutzmaßnahmen zu gewährleisten.

Bergwälder als Abflussregulatoren
Hochwässer und Muren stellen negative Auswirkungen von Abflussereignissen auch in bewaldeten Einzugsgebieten dar. Der Leiter der Abteilung Wildbachprozesse und Hydrologie am Institut für Naturgefahren des BFW, Gerhard Markart, zeigte den Zusammenhang von Waldbewirtschaftung und Abflussbildung im Bergwald auf. Die Bewirtschaftung habe in diesem Bereich signifikanten Einfluss. So kann schon sehr früh durch rechtzeitige Wiederbewaldung, richtiger Dickungspflege oder Vermeidung von Verbiss potenziellen Gefahren gegengesteuert werden.

Die Bodenvegetation im Wald beeinflusst den Abfluss stark. Dieser wird durch Bodenverdichtungen, wie etwa auf Rückegassen, beschleunigt. "Es braucht langfristige Maßnahmen in der alpinen Waldbewirtschaftung, um die hydrologischen Eigenschaften eines Standortes zu verbessern.
In jahrzehntelanger Arbeit erzielte hydrologische Verbesserungen können in kurzer Zeit zunichte gemacht werden, etwa durch falsche Waldbewirtschaftung oder die Anlage von Schipisten im Wald", spricht Markart Probleme an, die einen vernünftigen Schutz vor Naturgefahren erschweren.

Drohnengestützte Erhebung eines Murabgangs
Wie man aus einem Schadereignis naturwissenschaftlichen Nutzen ziehen kann, stellte Veronika Lechner vom Institut für Naturgefahren des BFW vor. Mit einer Drohne wurden hochaufgelöste Luftbilder des Murabgangs vom Juni 2015 am Seigesbach in Tirol erhoben. Neben den meteorologischen Vorbedingungen des Ereignisses wurden anhand des Vergleichs von älteren Luftbildern (aus den Jahren 2005 und 2009) und den aktuellen Luftbildern Veränderungen in der Waldstruktur aufgezeigt.

Aus den durch die Drohnenbefliegung erhobenen Luftbildern konnten digitale Geländemodelle des betroffenen Gebietes erstellt werden, diese wurden mit Laserscandaten aus den Jahren 2007 bzw. 2014 verrechnet. Dadurch ist es möglich Erosions- und Ablagerungsmassen des Ereignisses zu berechnen. "Die terrestrische Erosions- und Ablagerungsschätzung bei Murereignissen ist sehr schwierig. Mit der Drohne hat man ein gutes Werkzeug für die Ereignisdokumentation", erklärt Lechner zum Abschluss der Vortragsreihe.

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