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Kuriose Figuren VI: Zecken - Rauf und runter die Gräser und Sträucher
Die Zecke! Die meisten finden sie widerlich, wir impfen uns gegen Krankheiten, die sie übertragen können, aber was wissen wir eigentlich sonst noch über diese kleinen Spinnentiere? Die häufigste in Österreich und ganz Europa vorkommende Zeckenart ist der sogenannte gemeine Holzbock (Ixodes ricinus). Und der liebt eine feuchte, kühle Umgebung, die er am ehesten in Laub- und Mischwäldern mit ganzjährig geschlossener Laubstreu findet.

Wo lebt der gemeine Holzbock?

Im Winter verbirgt er sich in der untersten Krautschicht oder in der Laubstreu. Hier ist es angenehm feucht und die Temperaturen sind auch etwas milder. Wobei er trotzdem Temperaturen bis minus zehn Grad Celsius  problemlos überstehen könnte. Überwintern kann die Zecke in jedem ihrer Entwicklungsstadien (Ei, Larve, Nymphe, erwachsene Zecke) auch unabhängig davon, ob hungrig oder vollgesogen. Der Einfluss eines kalten Winters auf das Überleben der Zecke wird daher im Allgemeinen überschätzt. So sind im Frühjahr Phasen der Trockenheit und höherer Tagestemperaturen schon eher schwierig. Denn für die Zecke ist das Austrocknen eine große Gefahr, weshalb sie auch nicht lange in einer geschlossenen Wohnung überleben kann. Daher zieht sich die Zecke bei Trockenheit wieder in die Laubstreu, oder schattige Bereiche in Bodennähe zurück.

Jetzt ist aber auch die Zeit, um an einen Wirt zu kommen! Sie klettern daher auf Sträucher, Gräser und Stauden oder auch auf Totäste, die aus der Bodenstreu herausragen, um bei Berührung blitzschnell auf den Wirt überzuwechseln. Neuesten Untersuchungen zu Folge scheinen übrigens die Bakterien, die beim Menschen Borreliose auslösen können, der Zecke dabei zu helfen, sich gegen das Austrocknen zu schützen.

Adulte Zecke
Adulte Zecke (Bild: Luise / pixelio.de)

Schwimmend zum Erfolg

Um sich von einem Stadium ins nächste entwickeln zu können, brauchen Zecken jedes Mal eine Blutmahlzeit als Nahrungs- und Energiequelle. Um dabei die, für sie, dicke Haut durchdringen zu können, haben sie eine ganz spezielle Technik entwickelt.
Zuerst wird die Haut eingeritzt. Dazu benutzen sie ihre Cheliceren, das sind Teleskopartige Kiefern mit scharfen Zähnchen an deren Spitze. Mit einer, an Brustschwimmer erinnernde Bewegung dringen sie so weiter vor und halten sich dabei auch gleichzeitig fest. Danach stechen sie mit dem Hypostom in die Wunde. Dieses Hypostom ist zungenförmig, mit einer Mulde in der Mitte und vielen Widerhacken auf der Unterseite, womit sich die Zecke gut an ihrem Wirten festhalten kann.

Lebenszyklus der Zecke

Nach dem Schlüpfen klettern die sechsbeinigen Larven auf Gräser und Kräuter, die bis circa 30 Zentimeter über dem Boden wachsen. Von dort aus befallen sie Kleinsäuger - besonders Nagetiere -, um sich anschließend am Boden zu häuten. Daraus entwickelt sich im Laufe von zwei Monaten die mittlerweile achtbeinige Nymphe. Diese klettert nun wieder auf Gräser und Sträucher, wobei sie, ähnlich wie später dann auch die erwachsene Zecke, eine Höhe von ein bis eineinhalb Meter erreicht. Von dort versucht sie, auf größere Säugetiere wie Nager, Vögel, Haustiere zu gelangen, um nach einem Blutmahl von zwei bis sieben Tagen wieder abzufallen und sich neuerdings am Boden zu häuten.

Zwei bis acht Monate später hat sich die adulte Zecke entwickelt. Erst in diesem Stadium hat sich die Zecke in ein Weibchen oder ein Männchen ausgeprägt. Männchen können Weibchen nun sofort begatten, die Weibchen benötigen hingegen eine besonders umfangreiche Blutmahlzeit, welche fünf bis vierzehn Tage dauern kann. Danach legen sie innerhalb eines Monats über 2000 Eier ab, die in einem Gelege verklebt werden. Etwa drei Wochen später schlüpfen die ersten Larven aus den Eiern und der Kreislauf beginnt von vorne.



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Klick vergrößert Bild (Bild: Tamara Hoffmann / pixelio.de)




Wofür sind Zecken eigentlich gut?

Zecken sind Parasiten. Überaus erfolgreiche sogar! Sie haben sich im Laufe der Evolution in einer ökologischen Nische angesiedelt und weiter angepasst. So gesehen sind sie sehr erfolgreiche Lebewesen. Haben sie aber noch eine weitere Rolle im Ökosystem als die eines Vektors, also Überträgers von Krankheitserregern?

Mehr und mehr zeigt sich, dass Schmarotzer wichtige Funktionen in der Natur übernehmen. So sorgen sie z.B. dafür, dass sich ihre Wirtstiere nicht explosionsartig und ungehindert vermehren können. Beobachten kann man das vor allem bei sogenannten invasiven Arten. Wenn also Tiere in einen neuen Lebensraum eingeschleppt werden, in denen es keine Schmarotzer gibt, die sie befallen, so passiert es sehr häufig, dass sie die einheimischen Bewohner verdrängen. Einfach, weil die Neuankömmlinge nicht mit denselben Parasiten zu kämpfen haben.

Fressen und gefressen werden

Zählt man alle Lebewesen mit einem parasitischen Lebenswandel zusammen, so fällt auf, dass sie einen sehr wesentlichen Anteil an der gesamten Biomasse ausmachen. Und was in so großer Masse vorhanden ist, eignet sich natürlich auch als Nahrung. Ohne Parasiten könnten also viele andere Tiere nicht überleben.

Rückfragen

DI Christian Lackner christian.lackner@bfw.gv.at +43 1 878 38 1218


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