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Innsbrucker Hofburggespräche:
Lawinensicherheit auch im gesicherten Skiraum ein Thema
Skifahrer auf der Piste machen sich für gewöhnlich keine Gedanken über den tagesaktuellen Lawinenlagebericht. Müssen sie auch nicht, denn das erledigen Fachleute, die dafür Sorge tragen, dass der gesicherte Skiraum von solchen Naturgewalten verschont bleibt. Einige dieser Experten trafen sich am 23. November auf Einladung des Institutes für Naturgefahren des Bundesforschungszentrums für Wald (BFW) in der Innsbrucker Hofburg um über Neuigkeiten auf diesem Gebiet zu sprechen.

Lawinenabgänge betreffen Skigebiete in Österreich relativ selten. Dass sich Lawinen dennoch in diesen „gesicherten Skiraum“ verirren können, zeigen tragische Einzelfälle wie zum Beispiel ein verschütteter Schwede in Ischgl im Jahr 2012. Um aus solch tragischen Ereignissen Lehren ziehen zu können und den Schutz der Skifahrer ständig zu verbessern, vernetzen sich die Verantwortlichen ständig um die verschiedenen Möglichkeiten auszuloten. Die Innsbrucker Hofburggespräche standen am 23. November ganz im Zeichen dieser Vernetzung. Sechs Experten sprachen über die Ergebnisse ihrer Arbeit und beantworteten Fragen aus dem Publikum, das vorwiegend aus Sicherheitsverantwortlichen der Liftbetriebe und der Straßenerhalter bestand.

Andreas Reiterer, der Sektionsleiter der Wildbach- und Lawinenverbauung in Vorarlberg, informierte die Zuhörer über den gesetzlichen Rahmen. Der Lawinenerlass, unter dessen Berücksichtigung heutzutage Schigebiete ihre Lifte und Pisten anlegen müssen, wurde 1975 nach dem Lawinenunglück in der Silveretta Nova festgeschrieben und bisher vier Mal, zuletzt 2011, angepasst. Um in Betrieb gehen zu dürfen, muss jedes Schigebiet die vorgeschriebenen Schutzmaßnahmen zur Anlagen- und zu Betriebssicherheit durchführen, die sicherstellen, dass im Falle eines Lawinenabganges im organisierten Skiraum niemand zu Schaden kommt. Zu diesen Schutzmaßnahmen gehört auch die Miteinbeziehung der Lawinenkommissionen. Harald Riedl von der Abteilung für Zivil- und Katastrophenschutz der Tiroler Landesregierung gab einen Einblick in die gesetzlichen Aufgaben und die Ausbildung der Tiroler Lawinenkommission. Als Mitglied der Lawinenkommission im Salzburger Skigebiet Saalbach-Hinterglemm berichtete Josef Mitterer aus der Praxis. Er sieht seine Aufgabe vor allem im Spannungsfeld der Wirtschaftsinteressen brisant. So sei die Akzeptanz für Sperren bei den Betrieben im Skigebiet höher, wenn Hüttenwirte und Geschäftsführer von Bergbahnen auch die Ausbildung in der Lawinenkommission genossen haben.

Mit den Erwartungen und Herausforderungen an die Dokumentation von Lawinen in Skigebieten haben sich Martin Berner und Martin Schuster von alpine-framework aus Lech am Arlberg befasst. So sollen Experten Inputs in einen Wissenspool liefern, aus dem dann von der Allgemeinheit Nutzen gezogen werden kann. Dabei stünden die unterschiedlichen Erwartungen der Endnutzer im Fokus. So hätten etwa die Lawinenkommissionen andere Anforderungen als eine Gemeinde oder ein Liftbetrieb. Die Ergebnisse ihrer Bemühungen, dieses Wissen zu bündeln, finden sich auf den Plattformen Wikisnow und AVADO. Eine andere Plattform, stellten Walter Würtl und Peter Plattner von LO.LA* Peak Solutions GmbH in Trins vor. LO.LA* soll es als Tool zur lokalen Lawinenprognose Endverbrauchern wie Tourengehern und Skifahrern einfacher machen, die Lawinengefahr in dem Gebiet in dem sie sich befinden, zu bewerten. Der Input soll dabei von Profis wie Lawinenkommissionsmitgliedern oder Liftangestellten kommen, die ihre Informationen möglichst zeitnah mittels mobiler Endgeräte auf der Plattform eingeben können. Michael Butschek vom Lawinenwarndienst Salzburg zeig die Grenzen des Lawinenlageberichtes für Skigebiete auf. Er sieht darin nur einen Baustein von vielen in der Gefahrenbeurteilung und verweist auf zusätzliche Methoden wie Schneeprofile oder Sprengungen.

Download der Präsentationen als PDF

Andreas REITERER (Sektionsleiter Wildbach- und Lawinenverbauung Vorarlberg)
Schutzmaßnahmen im organisierten Skiraum unter besonderer Berücksichtigung des Lawinenerlasses

Harald RIEDL (Amt der Tiroler Landesregierung, Abteilung Zivil- und Katastrophenschutz)
Gesetzliche Aufgaben und Ausbildung der Tiroler Lawinenkommissionen

Josef MITTERER (Lawinenkommission, Skigebiet Saalbach)
Aufgaben der Lawinenkommission im organisierten Skiraum

Martin BERNER und Martin SCHUSTER (alpine-framework, Lech am Arlberg)
Erwartungen und Herausforderungen an die Dokumentation von Lawinen in Skigebieten

Walter WÜRTL und Peter PLATTNER (LO.LA* Peak Solutions GmbH, Trins)
LO.LA* – ein Tool zur lokalen Lawinenprognose

Michael BUTSCHEK (Lawinenwarndienst Salzburg)
Welche Bedeutung hat der Lawinenlagebericht für Skigebiete - wo liegen seine Grenzen

Links

LO.LA*
Wikisnow und Avado
Lawinenwarndienst Tirol
Lawinenwarndienst Salzburg

Rückfragen

Peter Höller, Institut für Naturgefahren, Rennweg 1, 6020 Innsbruck

Publiziert: 21.10.16
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