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Barbara Kitzler ist
FEMtech-Expertin des Monats Dezember
Barbara Kitzler, Abteilungsleiterin am Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), ist FEMtech-Expertin des Monats Dezember. Sie forscht auf dem Gebiet der Bodenökologie und trägt mit ihrer Arbeit unter anderem dazu bei, Treibhausgase aus Böden zu erfassen und Optimierungsmaßnahmen zu entwickeln. Zudem betreut sie in ihrer Abteilung FEMtech-Praktikas für SchülerInnen und Studentinnen.

Das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) möchte mit dieser Auszeichnung die Leistungen von Frauen in der Forschung und Technologie sichtbar machen. Die Leistungen von DI.in Dr.in Barbara Kitzler werden sichtbar, wenn man den Blick auf den Boden richtet. Dieser steht im Zentrum ihrer Forschungsarbeit. "Boden ist für viele eine Selbstverständlichkeit, aber was er bedeutet und was es bedeutet, ihn zu schützen und zu erhalten, wird oft nicht geschätzt", sagt die Expertin, die am BFW die Abteilung für Bodenökologie im Institut für Waldökologie und Boden leitet.

Dabei hat die Mühlviertlerin in einer ganz anderen Berufssparte begonnen. Nach der Modeschule widmete sie sich dem Studium der Politikwissenschaft und Publizistik. Nach einem Semester wechselte sie an die Universität für Bodenkultur (BOKU) in Wien, um Forstwirtschaft zu studieren. Im Zuge dessen absolvierte sie zwei Auslandssemester im spanischen Córdoba und eines in Idaho in den USA. Nach einem Praktikum in Valdivia, Chile, arbeitet sie seit 2001 am BFW und hat auch hier ihre Dissertation zum Thema "Stickoxid-Emissionen aus Österreichischen Waldökosystemen" geschrieben. "Ich wollte zunächst gar nicht dissertieren, es kam ganz einfach dazu", sagt sie nonchalant über ihre wissenschaftliche Forschungsarbeit.

Auch der Leiter des BFW, Peter Mayer, freut sich über die Auszeichnung für seine Mitarbeiterin. "Die Forschung im Bereich der Bodenökologie gewinnt in Zeiten des Klimawandels immer mehr an Bedeutung. Durch ihr Engagement im Bereich der Wissensvermittlung trägt sie zu einem weiteren wichtigen Ziel des BFW bei. Dafür danke ich Frau Kitzler und gratuliere der FEMtech-Expertin des Monats Dezember ganz herzlich."

Bild: BFW



Barbara Kitzler im FEMtech-Interview

Lachgas-Emissionen für den UNFCCC-Bericht

In ihren Projekten befasst sie sich intensiv mit Treibhausgasen aus land- und forstwirtschaftlich genutzten Böden und deren Einflüssen. Dazu führt sie Messungen im Freiland und im Labor durch und analysiert Bodenproben auf unterschiedlichste Parameter. Mithilfe dieser Messdaten können biogeochemische Modelle validiert und angewendet werden. Vermeidungsstrategien können daraufhin für die Praxis entwickelt werden. Aktuell arbeitet sie etwa gemeinsam mit der BOKU, dem Umweltbundesamt (UBA) und der Agentur für Ernährungssicherheit (AGES) im Projekt NitroAustria. Dabei werden für ausgewählte Regionen Österreichs die spezifischen Lachgas-Emissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden berechnet. So wird der Stickstoff-Kreislauf und vor allem der Verlust von Stickstoff in die
Atmosphäre und das Grundwasser unter jetzigen und unter zukünftigen klimatischen Bedingungen simuliert. Die Ergebnisse sollen den Standard-Emissionsfaktor verbessern, der zur Berechnung der Lachgas-Emissionen im Bundesgebiet herangezogen wird. Österreich ist verpflichtet, jedes Jahr die Menge an Treibhausgasen aus Böden an die United Nations Framework Convention on Climate Change (UNFCCC) zu berichten.

© BFW
Barbara Kitzler bei der Arbeit. Bild: BFW

Konzepte für die Waldbewirtschaftung im Klimawandel

Die passionierte Bergsteigerin engagiert sich auch in höheren Lagen für die Wissenschaft. Im Bergwald werden durch den Klimawandel zunehmende Intensitäten von großflächigen Waldstörungen, die vermehrt die Funktionen von Bergwäldern gefährden, erwartet. Ein Projekt, dass durch den Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanziert wird, evaluiert den Einfluss der Störungen auf bodenbiogeochemische  Prozesse und ermittelt die Speicherung von Kohlenstoff im Boden. Aus diesen Ergebnissen werden Konzepte für die Bewirtschaftung von Bergwaldbeständen nach Störungen erstellt.

Mit der Belastbarkeit von Ökosystemen im Klimawandel beschäftigte sich die 44-jährige auch in dem Projekt CCN-Adapt. Diese Forschungsarbeit verbindet eine Risikobewertung für ganz Österreich mit einer standorts- und habitatspezifischen Modellierung der Wechselwirkungen von Klimawandel und Stickstoffeintrag. Zudem werden Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel auf ihre „Stickstofftauglichkeit“ geprüft und Handlungsempfehlungen entwickelt.

FEMtech-Botschafterin in der Forschung

Dem Gedanken der Initiative FEMtech, Frauen in der Forschung zu fördern, trägt sie aktiv Rechnung. So betreut sie in ihrer Abteilung regelmäßig FEMtech-Praktikantinnen aus AHS,  berufsbildenden Schulen und Universitäten. "Es war mir immer wichtig, den Schülerinnen und Studentinnen unser gesamtes Spektrum an Aufgaben und die derzeit laufenden Forschungsprojekte näherzubringen. Das heißt, sie wurden sowohl bei den Außendiensten als auch im Labor und bei der Datenauswertung mit einbezogen. Die jungen Leute waren sehr motiviert und zeigten großes Interesse, an späteren Möglichkeiten in diesem oder ähnlichen Bereichen arbeiten zu können", ist die Wissenschaftlerin überzeugt.

Es ist Ihr ein Anliegen, Mädchen und Frauen für eine Berufswahl im naturwissenschaftlichen oder technischen Bereich zu motivieren. "Ich habe den Eindruck, dass unsere Kinder immer noch viel zu genderspezifisch erzogen werden. Wichtig ist aber, dass man schon von frühester Kindheit an möglichst kindgerecht fördert, aber auf keinen Fall mädchen- oder jungengerecht", sagt die Mutter einer Tochter, die es als einen wesentlichen Bestandteil ihrer Tätigkeiten am BFW ansieht, junge Wissenschaftlerinnen zu unterstützen.

Unermüdliche Forscherin

Neben der Wissensvermittlung und ihren Forschungsprojekten arbeitete sie auch an einem groß angelegten Klimamanipulationsversuch in Achenkirch in Tirol. Die Versuchsanlage besteht seit 2004 und soll die Auswirkungen des Klimawandels auf wichtige ökologische Prozesse abschätzen. In enger Kooperation mit den Universitäten Wien und Bayreuth werden in einem Waldstück maßgebliche Klimaparameter wie Temperatur und Niederschlag manipuliert. Der  Treibhausgasausstoß aus dem Waldboden wurde gemessen und gibt Aufschluss über die Auswirkungen des Klimawandels auf das Waldökosystem.

2015 hat die Oberösterreicherin mit ihrer Kollegin Kerstin Michel die Bedeutung von Stickstoffeintrag in Waldökosystemen auf mikrobielle Gemeinschaften und die Stickstoffverluste im Wienerwald untersucht. In dem Projekt BioChar hat sie außerdem erforscht, ob sich Biokohle positiv auf die Bodenfruchtbarkeit, das Pflanzenwachstum und auf die Verminderung von Treibhausgasen auswirkt. Um die Auswirkungen von Feuer auf den Gehalt von Kohlenstoff und Stickstoff im Boden, auf die Mikroorganismen und die Produktion von Treibhausgasen ging es auch bei einem anderen Projekt im mediterranen Raum.

Der Boden wird für Barbara Kitzler noch weitere spannende Forschungsanliegen parat haben und Mädchen werden auch in Zukunft für die Forschung motiviert werden wollen. Die Arbeit wird der unermüdlichen Forscherin wohl nicht so schnell ausgehen.

Kontakt

Barbara Kitzler, barbara.kitzler@bfw.gv.at, Tel: +43 1 87838 1302, Mobil: 0664 541 42 54

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FEMtech

Publiziert: 01.12.16
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