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Lawinenforschung im Bunker
Anfang März 2017 glückte im Schweizerischen Kanton Wallis ein Lawinen-Großversuch des WSL-Instituts für Schnee und Lawinenforschung SLF.  Ein Team des Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) um Lawinenforscher Jan-Thomas Fischer war dabei und konnte der größten Lawine seit elf Jahren ins Angesicht blicken.

Der Koordinator zählt die Sekunden bis zur Explosion der Sprengladung in sein Funkgerät. Wie auf Befehl steigt augenblicklich unter dem Gipfel des Pra Roua (2518 m.ü.M.) lautlos eine kleine schwarze Rauchwolke auf. Ein Ruck geht durch die Schneedecke, eine scharfe Linie reißt auf und nach und nach setzt sich der makellos weiße Hang in Bewegung. Die Lawine rast die Flanke hinab und fließt in zwei Berggräben hinunter. In einer dieser Rinnen stehen Messtürme, an denen unter anderem Schneedichten, Aufpralldrücke und Geschwindigkeiten bestimmt werden.

Die aufgenommenen Daten werden zu einem Bunker am Fuß des Hanges gegenüber geschickt. Auch die ins Tal sausenden Schneemassen bewegen sich genau auf den kleinen Betonbau zu. Von dort aus wird der Radar bedient, der die Geschwindigkeit dieser Lawine von bis zu 260 km/h misst. Durch kleine Bullaugen können die Wissenschaftler der Lawine direkt ins Angesicht blicken. Um die sensiblen und teuren Geräte vor Zerstörung zu schützen, klappen Stahlplatten herunter, sobald sich die Schneemassen nähern.



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Die bei dem Versuch am 8. März 2017 gefilmte Lawine donnerte etwa 2,5 km bis in den Talgrund hinab und war die größte seit elf Jahren. Jan-Thomas Fischer, Andreas Huber, Andreas Kofler und Matthias Rauter vom Institut für Naturgefahren des BFW konnten Geschwindigkeits- und Druckmessungen durchführen. Neben den Österreichischen und Schweizer Forschern des SLF waren auch noch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Italien, England, Frankreich, Spanien und Deutschland an dem Versuch beteiligt.

Die Lawine im Fokus
Das Schweizer WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF betreibt seit 1998 im Vallée de la Sionne nahe Arbaz das weltweit größte Testgelände für Lawinenforschung. In der Großversuchsanlage werden Daten erhoben, die dazu dienen, die Bewegungen in Lawinen besser zu verstehen. Die Ergebnisse helfen dabei, Lawinendynamikmodelle zu entwickeln, die in die Erstellung von Gefahrenkarten einfließen und so die Sicherheit der Bevölkerung verbessern.

Die Anlage umfasst die komplette Flanke unter dem Grat zwischen dem Pra Roua und dem Crêta Besse. Von einem Bunker gegenüber hat man das 2.700 Meter hohe Anrissgebiet der Lawine perfekt im Blick. SLF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen am Tag einer Sprengung und mit Hilfe eines Helikopters dafür, dass sich zum Zeitpunkt des Versuchs keine Menschen oder Tiere im Testgebiet befinden.



Pressemeldung des SLF
Versuchsfeld Lawinendynamik im Vallée de la Sionne




Der Messturm in der Mitte des Hanges
© BFW
Der Bunker nach dem Lawinenabgang
© BFW
Die Anrisskante der Lawine



Publiziert: 15.03.17
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