Deutsch    English
Ausbildungsstätten Fachinstitute
Institut für Waldwachstum und Waldbau
Mitarbeiter suchenSuche
HR Dipl.-Ing. Dr. Ferdinand Müller verstorben
HR Dipl.-Ing. Dr. Ferdinand Müller, der ehemalige Leiter des Waldbauinstituts an der Forstlichen Bundesversuchsanstalt (jetzt Bundesforschungszentrum für Wald) verstarb am 7. Februar 2018 im 76. Lebensjahr. Als "Grenzgänger" zwischen Standortskunde, Waldbau und Genetik hat Dr. Ferdinand Müller den Grundstein  für zahlreiche nationale Forschungs- und Erhaltungsprogramme gelegt. Diese genießen  heute nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht eine hohe nationale und internationale Anerkennung, sondern sind vor allem für die Erhaltung der Biodiversität österreichischer Wälder von maßgeblicher Bedeutung.  Zu diesen Programmen zählt das Naturwaldreservateprogramm, das von Dr. Müller gleich zu Beginn seiner Zeit als Leiter des Waldbauinstituts in die Wege geleitet wurde.

Zudem koordinierte Dr. Müller das gemeinsam mit dem Institut für Forstgenetik durchgeführte Projekt "Erhaltung der genetischen Vielfalt in Österreichs Wäldern". Unter seiner Leitung wurde in den 1990-er Jahren im gesamten Bundesgebiet ein Netz von Generhaltungswälder ausgewiesen und 55 Generhaltungsplantagen von 18 Baumarten angelegt. Heute ist das Saatgut vieler dieser Plantagen eine sehr begehrte Ware bei österreichischen Baumschulen und Forstgärten.


Dr. Müller wurde in Wien geboren, studierte Forstwirtschaft an der Universität für Bodenkultur und wurde 1967 Mitarbeiter am Standortsinstitut der FBVA (heute das Institut für Waldökologie und Boden des BFW). Er beschäftigte sich mit forstökologischen und pflanzensoziologischen Untersuchungen und erlangte in dieser Zeit auch sein Doktorat (Prof. Mayer und Prof. Hübl). 1977 wurde er zum Leiter der FBVA-Versuchsgärten ernannt, die er bis 1986 führte. Mit der ersten Reorganisation an der FBVA wurden die Versuchsgärten als Abteilung dem Waldbau-Institut eingegliedert und Dr. Müller bekam zusätzlich die Abteilung „Waldbaugrundlagen“ ab 1988. Institutsleiter für Waldbau wurde er Anfang November 1992, das er bis zu seiner Pensionierung Ende März 2004 führte. Höhepunkt seiner Karriere war die Bestellung zum Stellvertreter des Direktors der FBVA mit 1. August 2003.

Ganz wesentlich hat Ferdinand Müller vor allem den Waldbau geprägt: Als einer der Ersten erkannte er die Notwendigkeit der Wertholzerziehung in Laub- und Laubmischwäldern, für die Österreich bis in die 1990-er Jahre kaum eine Tradition besaß. In Folge legte er gemeinsam mit seinen Mitarbeitern sowie mit Unterstützung von Mitgliedern der ARGE Waldveredelung und Flurholzanbau zahlreiche Versuchs- und Demonstrationsflächen an, um die optimale Begründung und Pflege von Laubholzbeständen im Sinne einer rationalen Wertholzproduktion zu untersuchen und diese Kenntnisse an die Forstpraxis weiterzugeben.

Als Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für Waldveredelung und Flurholzanbau von 1994 bis 2004 trug er wesentlich dazu bei, diese neuen waldbaulichen Konzepte populär zu machen und den österreichischen Wissensstand durch einen Erfahrungsaustausch mit Kollegen aus zahlreichen Nachbarländern zu erweitern. Zur erfolgreichen Wissensvermittlung organisierte er zudem die Mariabrunner Waldbautage und war Autor und Mitverfasser von zahlreichen Publikationen für die Wissenschaft und die forstliche Öffentlichkeit (z.B. Waldbau-Merkblätter, FBVA).

Die forstlichen Interessen von Dr. Müller machten an den Grenzen von Fachgebieten und Instituten selten halt: Als gelernter Standortskundler hatte er ein besonderes Interesse daran, standörtliche Fragestellungen in den Waldbau zu integrieren. Gemeinsam mit Dr. Walter Killian und Dr. Franz Starlinger entwickelte er 1994 eine neue Gliederung der forstlichen Wuchsgebiete nach waldökologischen Gesichtspunkten.  Zudem betrachtete er geeignetes forstliches Vermehrungsgut als unmittelbare Voraussetzung für einen erfolgreichen Waldbau. Daher war er maßgeblich an der Erstellung des forstlichen Vermehrungsgutgesetzes 1996 im Zuge des Beitritts Österreichs zur EU beteiligt.

Seit 1994 war Dr. Müller Delegierter Österreichs in Brüssel bei den EU-Kommissionssitzungen des Ständigen Ausschusses für landwirtschaftliches, gartenbauliches und forstliches Saat- und Pflanzgut. Bei der Erstellung der neuen Richtlinie des Rates (1999/105/EC) hat er wichtige österreichische Aspekte eingebracht und sowohl die Mitgliedstaaten als auch die EU-Kommission überzeugen können. Das geltende Forstliche Vermehrungsgutgesetz ab 2003 hat er selbst verfasst und der damaligen Rechtssektion des BMLFUW vorgelegt.
Er war seit 1993 ebenfalls Delegierter Österreichs bei der OECD im Bereich forstliches Saat-und Pflanzgut und auch hier hatte er seine wissenschaftlichen Erfahrungen bei der Überarbeitung des OECD-Schemas zur Kontrolle des internationalen Handels eingebracht.

Dr. Müller setzte auch die Akkreditierung des forstliche Samenlabor nach ISO 17025 um. Etwas zu erreichen, war sein größter Ansporn und so kam es auch zur EUFORGEN-Mitgliedschaft, das europäische Netzwerk zur forstlichen Generhaltung.
1995 war Dr. Müller nationaler Koordinator für die Strasbourg-Resolution S2 der Ministerkonferenz zum Schutz der Wälder in Europa betreffend Erhaltung der genetischen Ressourcen des Waldes. 1996 wurde er vom BMLFUW zum internationalen Koordinator, der sich aus der Helsinki-Resolution H4 "Strategie für ein Verfahren zur langfristigen Anpassung der Wälder in Europa an die Klimaänderung" ergebenden Aufgaben,  nominiert.

Mit 1. April 2004 trat er in den wohlverdienten Ruhestand und es wurde ihm im gleichen Monat das „Große Ehrenzeichen für die Verdienste um die Republik Österreich“ verliehen. Dr. Müller hat auch noch in seiner Pension in verschiedenen Arbeitsgruppen maßgeblich mitgewirkt und als Diskussionsteilnehmer mit kritischen und oft auch unbequemen Fragen zu einer Weiterentwicklung des Waldbaus beigetragen. Er war einer, der alle Facetten des Waldbaus, vom Dauerwald über die Edellaubholzbewirtschaftung bis zu den ausgefeilten Techniken des Mittelwaldes, beherrschte und sich immer einer fairen und kritischen Diskussion gestellt hat.

Er war ein „Allrounder“, der sich in allen Sparten gut auskannte und nun hat er uns wirklich verlassen, aber seine wissenschaftlichen Arbeiten leben weiter, sind Grundlagen für die Zukunft.
Für seine Mitarbeiter und Kollegen hatte er immer ein „offenes Ohr“, Probleme wurden diskutiert, Lösungen gesucht und umgesetzt. Als Ausgleich zur wissenschaftlichen Arbeit zu Hause waren Musik und Reisen seine Lieblingsbeschäftigungen, aber das „Garteln“ war immer vorrangig !
Seine Kolleginnen und Kollegen des BFW

NÜTZLICHE LINKS

Das BFW
Fachinstitute
Ausbildungsstätten
Bundesamt für Wald
Impressum

Datenschutzerklärung
INTERESSANTE WEBSEITEN

ISSW 2018 Innsbruck Herkunftsberatung Bodenkarte
FOLGEN SIE UNS

Youtube Facebook

Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0, direktion@bfw.gv.at
BFW © 2018