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European Forests – Our Cultural Heritage
Wald ist ein großes Forschungsfeld. Nicht nur Forstwirte analysieren und bewirtschaften ihn hinsichtlich seiner Leistungen Nutzen, Schützen, Erholung und Wohlfahrt, es sind auch andere Aspekte für die sich Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen weltweit begeistern. So sind im sehr malerischen Benediktiner-Stift St. Georgen am Längsee etwa 40 in Kooperation mit der IUFRO, dem BMNT und dem Österreichischen Forstverein zusammengekommen, um vom 4. bis 7. Dezember 2018 im Rahmen der Konferenz „European Forests – Our Cultural Heritage“ über ihre Forschungsgebiete zu berichten.

Einen großen Schwerpunkt bildete etwa die Methoden, die am Institut für Holztechnologie und nachwachsende Rohstoffe an der Universität für Bodenkultur Wien erforscht und angewendet werden. Das Team rund um Michael Grabner beschäftigt sich etwa damit, welche Baumarten im prähistorischen Österreich zum Einsatz kamen. Dass einzelne Bäume von der Wurzel bis zur Krone genutzt und weiterverarbeitet werden, zählt zu einen der ältesten Methoden der nachhaltigen Forstwirtschaft. Eine weitere wichtige ist die Dendrochronologie, also die Jahresringzählung, mithilfe derer das Alter eines Baums geschätzt werden kann. Sie wird sowohl in der Archäologie als auch Kunstgeschichte genutzt. Manchmal kann sogar mithilfe eines hochaufgelösten Fotos von wertvollen Objekten, das Alter adäquat eingeschätzt werden. Einen starken Konnex gibt es an dieser Stelle zum World Wood Day, der vom 19. bis 24. März 2019 im Freilichtmuseum Stübing (Steiermark) stattfinden wird. Der Österreich-Koordinator Michael Grabner wird dazu die vielen und vielfältigen Techniken zusammenbringen und präsentieren, die es auf diesem Sektor gibt. Auch das Bundesforschungszentrum für Wald (BFW) wird dort vertreten sein und seine Forschungsarbeit präsentieren. 

Wissensvermittlung ist auch ein großes Thema im Norden Europas, der bei der Konferenz stark vertreten war. Es ist dem hohen Waldanteil Finnlands, Norwegens, Schwedens und den baltischen Staaten geschuldet, dass dort avancierte Formen der Wissensvermittlung entstanden sind. Lusto etwa, ein Forstmuseum, das auf einer der vielen, sehr gut verkehrsangebundenen Inseln im Südosten von Finnland die Bedeutung des nationalen Waldes sehr ansprechend aufbereitet – von der Bewirtschaftung bis zur (kreativen) Beziehung Mensch Wald. Mit einer sehr großen Datenbank stellen sie auch unzählige Bilder von Landschaften und Objekten der Öffentlichkeit zur Verfügung. Auch die Esten sind weit in Sachen Cultural Heritage. Mit GIS-basierten Tools kartografieren sie kulturell bedeutsame Artefakte, auch um Waldbesitzer dafür zu sensibilisieren (Jürgen Kusmin).   


Lettland haben sich mit Martins Lukins, Tschechien mit Péter Szabó und Italien mit Giovanna Pezzi (et al.) der umwelthistorischen Perspektive verschrieben. Mit Daten zu historischen Landnutzungformen, die sie in Karten identifizieren und markieren zeigen sie auf, wo und wie intensiv welche Aktivitäten erfolgten. Das reicht von der Nutzung der Streu bis hin zu Agroforstwirtschaft. Bezüge zur Gegenwart lassen sich auch hier ziehen: Wälder, in denen die heute mittlerweile verbotene systematische Nutzung von Laub, Früchten und Ästen praktiziert wurde, sind noch nach Jahrhunderten instabiler und folglich auch "weniger wertvoll" – sowohl in ökologischer als auch ökonomischer Hinsicht. 


Janez Pirnat hat sich mit empirischen Mitteln der Schönheit einer Landschaft in Slowenien gewidmet. Der an der Universität Ljubljana tätige Professor für Forstwirtschaft hat die Höhe und Lage von Stromleitungen, die die Kartause ´iče in ihrem Gesamteindruck strukturieren, analysiert. Es geht hier um die berechtigte Frage, wie sich die Gesamtansicht von Kulturgütern durch öffentliche Infrastrukturen verändert. Auch die Baumartenzusammensetzung wird hier beleuchtet und in Bezug auf ästhetische und naturnahe Faktoren analysiert. 


Dass in den Niederlanden und England Wald in Bezug auf Größe tendenziell schwach ausfällt, tut der Begeisterung der dort forschenden Expertinnen wenig Abbruch. Susanne Raum, Ian D. Rotherham und Catherina de Pater beschäftigen sich mit Forstgeschichte, historischen Landnutzungsformen mit Fokus auf Köhlerei im Wald und spirituellen Aspekten. Auch ob Wälder wieder verwildern dürfen, ist ihr großes Thema, das nicht nur Forscher und Forscherinnen in Großbritannien beschäftigt.  


Welche Rolle städtische Parkanlagen in der Gesellschaft einnehmen, wie man sie planen und schützen kann, damit setzt sich die aus dem Kosovo stammende Wissenschaftlerin Arlinda Hajzeri auseinander. Die in Mailand tätige Technikerin, die am Institut für Architektur angesiedelt ist, hat bei der Konferenz die Entwicklung eines Parks in Kosovo beleuchtet.


Peter Herbst, der Jurist unter den Waldexperten, ging in seinem Vortrag auf den gemeinsamen Besitz (früher in der Regel von Bergbauern) ein, dessen Spuren sich über 2000 Jahre zurückverfolgen lässt. Es ist eine frühe Form der Allende, unter dem juristischen Begriff Agrargemeinschaft bekannt. Ihr 150-jähriges institutionalisiertes Regelwerk hat sich unverändert erfolgreich bewährt.  


Auch Spanien war mit eindrucksvollen historischen Bildbeispielen vertreten. Die drei Forscherinnen Maria Soler, Marta Sancho und Rosa Lluch von der Universität Barcelona (IRCUM) widmen ihre Forschung u.a. dem mittelalterlichen katalanischen Wald und seiner Entwicklung. 


Wie sich Wald und vor allem Urwald in Bezug auf seine Proteste, wenn er droht abgeholzt zu werden, präsentiert, und wie er von nationalen Regimes genutzt wird, um für Repräsentationen von Macht und Männlichkeit bereit zu stehen, damit hat sich die aus Russland stammende US-Gender-Forscherin und Umwelthistorikerin Tanya Bakhmetyeva von der Universität Rochester beschäftigt. Ihr Fokus liegt auf polnischer Umweltpolitik und die Beleuchtung ihrer machtpolitischen Dynamiken.


Das Bundesforschungszentrum für Wald (Marianne Schreck) ging auf die Frage ein, wie sich die Forstwissenschaft in ihrer visuellen Bildproduktion in der Zeit von 1920 bis 1955 gestaltet und welche gesellschaftspolitischen Bezüge sich daraus ableiten lassen. Die dazu am BFW angesiedelten Lehrfilme, Fotografien und Objekte werden auf ihre zeitgeschichtlichen Aspekte hin untersucht und aufbereitet. 


Der Motor von der Konferenz, sowohl in fachlicher und charismatischer Hinsicht ist Elisabeth Johann und ihr Team (Jiři Woitsch, Jürgen und Triin Kusmin). Johann ging in ihrem Vortrag auf die Beziehungen zwischen nachhaltiger Forstwirtschaft und dem Schutz von Kulturerbe ein. Das oft konfliktreiche Verhältnis, das nicht selten einem ökonomischen Kräfteverhältnis unterliegt, birgt die produktive Chance, regionale Stärken eines ländlichen Gebiets auch in Bezug auf sanfte und gesunde touristische Nutzungsformen hervorzuheben. 


Vielleicht könnte man ähnlich wie es eine Tradition in Japan ist, Naturdenkmäler in ihrer Bedeutung als touristisches Ziel heben. Ein wichtiger Schritt dazu wäre eine kartografische Dokumentation. An so einer arbeitet Jiři Woitsch vom Institut für Ethnologie der tschechischen Wissenschaftsakademie in Prag. In seinem Vortrag geht er auf die Inventur der tschechischen Agentur für Naturerhaltung ein, die etwa 3000 einzigartige Bäume enthält und wie sie dafür genutzt werden kann, um die Entwicklung der tschechischen Wälder zu verbessern. Woitsch forschte u.a. auch über das Naturschutzgebiet, das sich entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs entwickelte. 


Schließlich kam auch das Märchen nicht zu kurz. In seinem kurzweiligen Vortrag fasste der in Rumänien forschende Dorin Rus jene narrativen Elemente in Bezug auf Wald zusammen, die in traditionellen Märchen an Jung und Alt weitergegeben werden.   


Eine Publikation der Beiträge der Konferenz ist noch für das Jahr 2019 geplant.



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