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 Chronik der Forstlichen Bundesversuchsanstalt 1975 - 1999
 
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Gemeinschaftsprojekte
Die Gemeinschaftsprojekte scheinen seit 1987 im Arbeitsprogramm der FBVA auf, umfassen aber Arbeiten, die zum Teil schon vorher begonnen wurden.

Es handelt sich dabei um fachübegreifende Arbeiten zu einem gemeinsamen Thema. Die Koordination liegt bei einem Fachinstitut, die übrigen beteiligten Institute arbeiten im Rahmen eigener Projekte an der gemeinsamen Fragestellung.


Bestandesdüngung

G1
Laufzeit 1962 bis 1995,
Koordinator: K. Johann

Die Auswirkung gezielter Mineraldüngung in mittelalten Fichten- und Kiefernbeständen auf Zuwachsleistung, chemische Bodeneigenschaften, Bodenvegetation sowie auf die Nährelementgehalte der Nadeln war Thema dieses Gemeinschaftsprojekts. Unter der Koordination des Instituts für Waldwachstum und Betriebswirtschaft arbeiteten daran das Institut für Forstökologie sowie das Institut für Immissionsforschung und Forstchemie im Rahmen der Projekte P/3/9, P/5/6, P/XI/2, P/XI/8 (P/6/8) und P/6/10. Einzelne Flächen wurden im Rahmen des Projekts P/5/6 "Neue Durchforstungsversuche in Fichte, Kiefer und Buche" weiter betreut.

Durch an die Bodeneigenschaften angepaßte Düngung konnten nachhaltig Mehrzuwächse zwischen 2 und 3 Festmetern pro Jahr erreicht werden. Die Kosten der Düngung wurden in Abhängigkeit von Holzpreisen und Erntekosten bereits nach fünf Jahren durch Mehrzuwachs zurückgewonnen. Als Voraussetzung für die Rentabilität der Düngungsmaßnahme hat sich eine eingehende Voruntersuchung der Standortseigenschaften, der aktuellen Nährelementversorgung und eine entsprechende Standraumgestaltung herausgestellt. Neben betriebswirtschaftlich interessanten Aussagen bieten die Düngungsversuche vor allem mit den Ergebnissen ihrer unbehandelten Nullflächen eine wertvolle, weil langfristige Datenbasis als Referenz für das Waldwachstum und die Entwicklung der Elementgehalte in Nadeln und Boden.

Johann K., 1989, Sanfter Waldbau mit Chemie? Düngungsversuch Dobrova der FBVA, Informationsdienst der FBVA, Nr. 245, Österreichische Forstzeitung, Wien, 100 (6), S. 37-44

Stefan K., 1991, Nährstoffgehalte auf österreichischen Dauerbeobachtungsflächen (Fichte) von 1968 bis 1987, VDI-Berichte Nr.901, S. 292-312

Strohschneider I., 1991, 1992, Mittelfristige Veränderungen des Bodenzustandes auf Exaktdüngungsversuchsflächen der FBVA, 1.Teil: Unbehandelte Parzellen, Mitteilungen der FBVA 167/I/1991, 200 S., 2.Teil: Gedüngte Parzellen und Vergleich gedüngter mit unbehandelten Parzellen, Mitteilungen der FBVA 167/II/1992, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, 111 S.


Forstökologische Untersuchung zum Kraftwerksprojekt Koralpe

G2
Laufzeit 1987 bis 1998
Koordinator: W. Kilian 1987 bis 1997, 1998 F.Starlinger

Die ökologischen Gegebenheiten im Bereich des geplanten Speicherkraftwerks Soboth (Koralpe) in der Waldstufe wurden im Rahmen des Projekts P/3/38 als Beweisssicherung der Ausgangslage aufgenommen. Da mehrere Institute beteiligt waren, wurde parallel zum Projekt P/3/38 "Forstökologische Untersuchungen zum Kraftwerksprojekt Koralpe" des Instituts für Forstökologie das Gemeinschaftsprojekt G2 ins Leben gerufen.

Folgende Arbeiten wurden durchgeführt: Strukturanalysen über den Waldzustand (Institut für Waldbau), Ökologische Beurteilung des Einflußgebietes, Standortskartierung, Kartierung schutzwürdiger Biotope, Einrichtung und periodische Aufnahme von Vegetationsbeobachtungsflächen (Institut für Forstökologie), Einrichtung und periodische Aufnahme ertragskundlicher Dauerbeobachtungsflächen (Institut für Waldwachstum und Betriebswirtschaft), Untersuchung der Abflußverhältnisse, Geschiebemessungen, Hydrologie (Institut für Lawinen- und Wildbachforschung), Gutachten über klimatische Auswirkungen, Beobachtung des klimatischen Ist-Zustandes (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik), Fließwasserökologische und limnologische Untersuchungen (Kärntner Institut für Seenforschung). Bis 1996 lagen Beobachtungen von 4 vegetationskundlichen und von 5 zuwachskundlichen Aufnahmeterminen vor, davon jeweils ein Termin nach Inbetriebnahme des Kraftwerks. 1998 wurde die Auswertung der vegetationskundlichen und ertragskundlichen Dauerbeobachtungsflächen und damit das Gesamtprojekt abgeschlossen. (Siehe dazu auch P/III/38).

Neumann M., 1989, Kraftwerk Koralpe - ökologisches Gutachten. Ertragskundlicher Teil - Abschlußbericht, 32 S.

Starlinger F., 1998, Vegetationskundliche Dauerbeobachtungsflächen im Bereich des Kraftwerks Koralpe - Abschlußbericht, 25 S.


Höhenprofil Zillertal

Ab 1993: Höhenprofile Achenkirch

G3
Laufzeit ab 1984 langfristig,
Koordinatorin: Dipl.-Ing. Dr. F. Herman

Höhenprofil Zillertal

Das Gemeinschaftsprojekt G3 "Höhenprofil Zillertal" umfaßte ökosystemare Studien in einem inneralpinen Tal, die seit 1984 gemeinsam mit zahlreichen universitären Institutionen durchgeführt wurden. Das Projekt dokumentiert durch die fachübergreifendeZusammenarbeit die Belastungs- und Schädigungssituation von Waldökosystemen außerhalb klassischer Immissionsgebiete und erarbeitete differentialdiagnostische pflanzenphysiologische Parameter zur Früherkennung von Baumschäden. Dem Aspekt der Seehöhe wurde von Anfang an besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Man erfaßte in verschiedenen Höhenlagen die Situation in bezug auf Luftschadstoffe, Nährstoffe, meteorologische Faktoren, nasse Depositionen, Kronenzustände, biotische Schädigungsursachen und aufgrund beobachteter Schäden an Hochlagenaufforstungen eine Reihe von pflanzenphysiologischen Parametern. Von den gemessenen Luftverunreinigungen hat sich vor allem Ozon als Schädigungsfaktor herausgestellt.

AoT40 Werte

Höhenprofile Achenkirch/Ökosystemare Studien im Kalkalpin, Abschätzung der Gefährdung von Waldökosystemen

Nach Abschluß der Untersuchungen im Zillertal wurden in Achenkirch Dauerbeobachtungsflächen in drei Höhenprofilen eingerichtet. Gemeinsam mit mehr als 40 österreichischen und deutschen Forschungsinstitutionen werden hier noch intensiver als im Zillertal und ständig mit den neuesten und zum Teil sehr aufwendigen Untersuchungsmethoden die Belastung und Belastbarkeit von Waldökosystemen erhoben. Die langjährigen Beobachtungen und Experimente im Rahmen dieses größten österreichischen Waldschadensprojekts zeigen, daß die regionale und zeitliche Vielfalt von Schadursachen wesentlich komplexer ist als ursprünglich angenommen wurde und es universell gültige Ursachen-Wirkungsbeziehungen für Waldschäden nicht gibt. Durch die vernetzte Interpretation der Ergebnisse aus den Bereichen Phyllosphäre und Rhizospäre sowie Luftchemie und Meteorologie war es möglich, zahlreiche natürliche und anthropogene Stressoren zu beschreiben und das Risiko modellhaft abzuschätzen. Mehr als 300 Publikationen liegen vor.

Luftmessung

Das Gemeinschaftsprojekt wird vom Institut für Immissionsforschung und Forstchemie koordiniert. Beteiligt waren bzw. sind von der FBVA auch die Institute für Waldbau, Forstgenetik, Forstökologie, Forstschutz, Waldwachstum und Betriebswirtschaft, Waldinventur, die Außenstelle für subalpine Waldforschung und die Abteilung für Forstliches Luftbild und Informationssystem. Die Untersuchungen für G3 wurden an diesen Instituten im Rahmen folgender Projekte durchgeführt: P/0/8-4, P/1/3, P/2/3, P/III/39b (P/3/44), P/XII/2 (P/3/49), P/IV/50 (P/4/50), P/IV/55 (P/4/55), P/IV/56 (P/4/56), P/IV/61 (P/4/61), P/V/17, P/XI/1 (P/6/1), P/XI/9 (P/6/9), P/XI/10 (P/6/10) , P/6/13, P/XII/9, P/XII/10 (P/6/15) und P/7/32.

Sammelpublikationen zum Gemeinschaftsprojekt G3

Bolhar-Nordenkampf H. (Hrsg.), 1989, Streßphysiologische Ökosystemforschung Höhenprofil Zillertal, Phyton 29 (3), 302 S.

Hermann F., Lütz C., Smidt St., 1998, Description and evaluation of stress to mountain forest ecosystems - results of long-term field experiments, in: Environmental Science and Pollution Research, Special Issue 1, 104 S.

Smidt St., Herman F., Grill D., Guttenberger H. (Hrsg.),1994, Studies of Ecosystems in the Limestone Alps - "Achenkirch Altitude Profiles" (Phyllosphere), Sonderband Phyton, 34 (3), Horn, 192 S.

Smidt St., Herman F., Grill D., Guttenberger H. (Hrsg.),1995, Studies of Ecosystems in the Limestone Alps - "Achenkirch Altitude Profiles" (Rhizosphere), Sonderband Phyton 36 (4), Horn, 304 S.

(Die weiteren Sammelpublikationen FBVA-Berichte 9/1985, 20/1987, 67/1992, 70/1992, 78/1994, 87/1995 u. 94/1996 siehe unter "Publikationen der FBVA".)


Diagnoseprofile

G4
Laufzeit 1984 bis 1998
Koordinator: M. Neumann

Das Projekt diente der methodischen Vorbereitung und als begleitende Untersuchung zur Waldzustandsinventur . 49 Beobachtungsflächen in OÖ, in NÖ und Tirol wurden zu Diagnoseprofilen zusammengefaßt. Als Untersuchungsgebiete wurden das Mühlviertel und das Waldviertel als Regionen gewählt, die Ferntransporteinfluß vermuten ließen bzw. das durch lokale Emittenten beeinflußte Gebiet um Braunau. An den Untersuchungsstandorten sollten die bodenchemischen Eigenschaften, die Elementgehalte der Nadeln, der Kronenzustand und die Zuwachsleistung in einem Zeitraum von 10 Jahren beobachtet werden. Es wurde erwartet, daß durch die Schadstoffeinträge einerseits die Waldvitalität und der Zuwachs abnehmen und andererseits die Böden versauern und die Schwefelgehalte der Nadeln ansteigen würden. Die pessimistische Einschätzung der Situation zu Beginn der achtziger Jahre ließ deutliche Veränderungen der genannten Parameter im beabsichtigten Beobachtungszeitraum erwarten. Der Zustand der Waldbestände bzw. dessen Entwicklung wurde anhand von Kronenverlichtung, Standortseigenschaften, chemischen Nadelanalysen und forstentomologischen bzw. forstpathologischen Befunden erfaßt.

Koordiniert wurde das Gemeinschaftsprojekt G4 vom Institut für Waldwachstum und Betriebswirtschaft.

Die Arbeiten erfolgten im Rahmen folgender Einzelprojekte an den Instituten für Waldwachstum und Betriebswirtschaft, für Forstökologie, für Waldbau und für Immissionsforschung und Forstchemie: P/V/17 (P/5/17) und P/V/25 (P/5/25), P/III/39 b und P/III/44 (P/3/44) sowie F/1/16 und P/XI/12.

Eine zusammenfassende Darstellung der Ergebnisse bietet ein Mitteilungsband der FBVA. Insgesamt konnten im Laufe der Beobachtungszeit weder die erwarteten starken Verschlechterungen im Waldzustand bezüglich Kronenzustand und Zuwachs noch entscheidende Veränderungen in den Waldökosystemen festgestellt werden.

Neumann M., (Hrsg.), 1999, Das Gemeinschaftsprojekt "Diagnoseprofile" - Beobachtungen zeitlicher Veränderungen in Waldökosystemen, Mitteilungen der FBVA 172/1999, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien


Gleinalm

G5
Laufzeit 1987 bis 1994
Koordinator: E. Donaubauer

Das Gleinalmgebiet in der Steiermark wies Anfang der achtziger Jahre "neuartige Waldschäden" auf, ernste Symptome von Nährstoffmangel und Absterben von Einzelbäumen und Baumgruppen auch jüngeren Alters. Die Belastung durch Luftverunreinigungen war jedoch, verglichen mit österreichischen und außerösterreichischen Immissionengebieten, gering. Das Ziel des Gemeinschaftsprojekts war daher, abzuklären, welche Stressoren als prädisponierend oder als auslösend für die Schäden anzusehen sind, um Hinweise für Sanierungsmaßnahmen zu erhalten.

In Zusammenarbeit mit der Landesforstinspektion Steiermark und der Universität für Bodenkultur untersuchte man die Luftschadstoffsituation und folgende weitere Bereiche: Bodenzustand in- und außerhalb von Düngungsflächen, Nährstoff- und Schadstoffgehalte in Fichtennadeln, Mykorrhizabesatz, pathologische Veränderungen im Wurzel- und Kronenbereich und den Kronenzustand auf den Dauerbeobachtungsflächen. Weiters führte man zuwachskundliche Untersuchungen, Untersuchungen der Samenqualität und Samenproduktion und diagnostische Düngungsversuche zur Frage von Ernährungsstörungen durch.

Gleinalm

Die Arbeiten wurden ab 1982 und im Rahmen der Projekte P/XI/9, P/II/39, P/XI/12, P/XII/2, P/IV/50, P/IV/55, P/IV/56, P/V/20, P/I/3, P/II/17, P/V/19, P/IV/58 und F/I/3 durchgeführt. Die Ergebnisse der umfangreichen Untersuchungen wurden u.a. in fünf Bänden der Mitteilungen der FBVA zusammengefaßt.

E. Donaubauer sieht in seiner "Synopse der Ergebnisse" das "Gleinalm-Syndrom" nicht als Sonderfall historischer und heutiger Belastungen von Waldgebieten. Er verweist auf ähnliche Schadenserscheinungen im Wechselgebiet Niederösterreichs, im Lungau in Salzburg und in Nordtirol nördlich der Innfurche. Die lange vorherrschenden großräumig bestimmten Nutzungspraktiken wie Großkahlschläge, Brandwirtschaft und Waldweide und die Bestrebungen nach forstlicher "Optimierung" der Baumartenrepräsentanz und der Bestockung sowie hohe Wildstände ab Ende der fünfziger Jahre bewirkten großflächig die Eliminierung von Laubgehölzen, den weitgehenden Verlust der Tanne und die Verarmung der Bodenvegetation. Das förderte die Degradation und Versauerung der Böden und wirkte sich auch auf die Mykorrhizierung aus. Möglicherweise begünstigte der Rückgang der Vielfalt an Pflanzenarten die Wurzelfäuleerreger. Die Schere zwischen geringerem Äsungsangebot und höheren Wildständen endete in starken Schäden. Donaubauer schlägt eine Reihe von Sanierungsmaßnahmen vor wie zum Beispiel die Reduktion des Fichtenanteiles und des Altersklassenwaldes, zugleich die Einbringung größerer Laubwaldhorste, die Anhebung des Zirben-Anteils in höheren Lagen, die Förderung der Pflanzenvielfalt in der Bodenvegetation und Krautschicht, eine integrative Wildschadensvorbeugung, die Vermeidung von Wurzelverletzungen bei Durchforstungen, Stockbehandlung gegen Heterobasidion annosum bei Dickungspflege, Durchforstung und Maßnahmen zur Förderung der Mykorrhiza und Bodenverbesserung durch Düngermittel, Bodenhilfsstoffe und Mulchung.

Donaubauer E., 1995, Das Walderkrankungssyndrom im Gleinalmgebiet - Synopse der Ergebnisse, in: Göbl F., Rössler G., Stefan K., Tomiczek Ch., Donaubauer E., Zum Waldsterben im Gleinalmgebiet (V), Mitteilungen der FBVA 163 /V/1995, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, S. 131-143
Sowie: Forstliche Bundesversuchsanstalt (Hrsg.), Zum Waldsterben im Gleinalmgebiet, Mitteilungen der FBVA 163/I (1989), II (1989), III (1990), IV (1991), Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien


Beiträge zur Erhaltung der genetischen Vielfalt

G6
Laufzeit ab 1986 langfristig
Leiter: 1986 bis 1993 J. Nather, seit 1993 F. Müller

1986 wurde an der FBVA ein umfangreiches Konzept zur Erhaltung der genetischen Vielfalt der Wälder in Österreich entwickelt, das damals als eine Überbrückungsaktion gedacht war, bis technische Maßnahmen eine wirksame Verringerung der Umweltbelastung bringen würden.

Mutterbaum

Ein umfangreiches Maßnahmenpaket soll im Rahmen dieses Projekts alle in Österreich heimischen forstlichen Baumarten umfassen, wobei die Erhaltung der Substanz alpiner Anpassungsformen vorrangig ist. Seit 1986 wird in Zusammenarbeit mit allen Bereichen der Forstwirtschaft an der Verwirklichung dieser Aufgabe gearbeitet. Die verschiedenen Maßnahmen, die einander in ihrer Wirkungsweise ergänzen, gehen davon aus, daß die Vielfalt von Erbeigenschaften die wichtigste Voraussetzung für das Anpassungsvermögen zukünftiger Baumgenerationen an verschiedenste Belastungen ist. Das Ziel, diese genetischen Information von Bäumen zu sichern, wird durch eine zweckmäßige Kombination von Maßnahmen erreicht, die entweder am natürlichen Standort (in-situ) oder evakuiert (ex-situ) durchgeführt werden.

Maßnahmen in-situ: Gen-Erhaltungswälder

Die wirkungsvollste Maßnahme, die Anpassungsfähigkeit umfassend zu sichern, ist die Erhaltung von Baumpopulationen an ihrem natürlichen Standort. In Gen-Erhaltungswäldern wird die genetische Information von Baum- und Strauchpopulationen unter Nutzung der natürlichen Verjüngung weitergegeben bzw. weiter entwickelt, sodaß Anpassungsvorgänge ständig einwirken können.

Mit Unterstützung der Waldbesitzer wird ein repräsentatives Netz von Gen-Erhaltungswäldern aufgebaut, das die wichtigsten natürlichen Waldgesellschaften, gegliedert nach Wuchsgebieten und Höhenstufen, umfaßt. Standortsangepaßte Bewirtschaftung und Naturverjüngung sind Voraussetzung für solche Wälder.

Mit 31.12.1998 waren 251 Generhaltungseinheiten mit einer Gesamtfläche von 8748,3 ha registriert, die sich auf 159 Privatwaldbesitzer (7565,4 ha) und 16 Forstverwaltungen der ÖBF-AG (1182,9 ha) verteilen.

Mit den Waldbesitzern bzw. Eigentumsvertretern werden auf freiwilliger Basis die für die Zwecke der Generhaltung geltenden Kriterien und Maßnahmen der Bewirtschaftung erhoben und einschließlich der vereinbarten 5- bzw. 10jährigen Revisionszeiträume in Dokumentationsblättern festgelegt.

Samenplantage

  • Maßnahme ex-situ: Samenbank
  • Ein Kühlhaus im Versuchsgarten Tulln, das für dieses Projekt errichtet wurde, dient der Langzeitlagerung von Samenproben aus allen Wuchsgebieten und Höhenstufen. So kann genetische Information auch in Zeiträumen fehlender oder ungenügender Fruktifikation konserviert werden.
  • Ende 1998 befanden sich in der Samenbank Tulln zur Langzeitlagerung in den Tiefkühlzellen bei -15·C folgende Saatgutmengen:
  • Fichte 830 kg, Tanne 130 kg, Lärche 150 kg, Weißkiefer 20 kg, Schwarzkiefer 2,6 kg.
  • Bei Temperaturen von -4·C lagern Saatgut der Baumarten Zirbe 107 kg und Schwarzerle 20 kg. Die Gesamtlagermenge beträgt 1,2 t.
  • Zusätzlich werden noch 837 kg Saatgut von Fichte und Lärche als Lohnlagerung aufbewahrt.
  • Klonarchive und Samenplantagen
  • Klonarchive dienen zur Erhaltung weiträumig gestreuter Baumarten, die an ihrem natürlichen Standort gefährdet sind.
  • Erhaltungs-Samenplantagen werden zur Eignung von Saatgut angelegt, das von ausgewählten Populationen stammt. Besonders notwendig ist die Anlage von Samenplantagen bei Baumarten, die selten oder regional vom Austerben bedroht sind. Da sie an ihrem natürlichen Standort mangels Bestäubungspartner nicht erhalten werden können, faßt man sie in künstliche Populationen zusammen.

Der Stand Ende 1998 geht aus der folgenden Tabelle hervor.

Erhaltungs- und Samenplantagen, Stand: 11/98

Baumart Plantagen Herkunftsgebiete Fläche (ha)
Abies alba 15 8 25,0
Larix decidua 6 4 21,0
Picea abies 4 4 10,8
Pinus sylvestris 2 2 6,0
Pinus mugo 1 2 0,5
Acer pseudoplatanus 9 7 12,4
Alnus glutinosa 4 2 6,2
Alnus incana 1 1 1,6
Carpinus betulus 2 2 2,0
Fraxinus excelsior 4 3 7,0
Prunus avium 3 3 4,3
Quercus robur 2 2 3,4
Quercus petraea 1 1 1,7
Sorbus torminalis 2 2 2,4
Sorbus domestica 1 1 0,5
Tilia cordata 4 3 5,1
Ulmus glabra 1 1 1,0
Ulmus carpinifolia 1 1 0,7
Ulmus laevis 1 1 1,0
19 Baumarten 64 50 112,6

Erhaltungsplantagenzentren:

1.Königshof (Bruck/Leitha)/Bgld.:
13 Plantagen (2 x Bergahorn, Lärche, Tanne, Vogelkirsche, Hainbuche, Winterlinde, Schwarzerle, Esche, Elsbeere, Speierling, Flatter- u. Feldulme).

2.Allentsteig/NÖ:
10 Plantagen (6 x Tanne, Lärche, Bergahorn, Schwarzerle, Bergulme).

3.Wieselburg/Säusenstein/Bgld.
(ÖBF-AG): 8 Plantagen (2 x Fichte, 2 x Kirsche, Elsbeere, Grauerle, Winterlinde, Vogelkirsche).

4.Feldkirchen/Donau/OÖ
8 Plantagen (Lärche, Bergahorn, Schwarzerle, Hainbuche, Esche, Vogelkirsche, Stieleiche, Fichten ¿ Hochlagen).

5.Steiermark
(Streulage): 9 Plantagen (2 x Tanne, 4 x Bergahorn, Schwarzerle, Esche, Winterlinde).

6.Nikolsdorf(Osttirol): 6 Plantagen (2 x Tanne, 2 x Lärche, Fichte, Spirke).

7.Einzelne Plantagen in:
Niederösterreich: (2 x Tanne, Bergahorn, Winterlinde)
Burgenland: (Trauben und Stieleiche)
Vorarlberg: (2 x Tanne)
Kärnten: (Lärche)

Literatur:

Litschauer R., 1994, Maßnahmen der Gen-Erhaltung in Österreich, in: Geburek Th., Müller F., Schultze U. (Hrsg.), Klimaänderung in Österreich, FBVA-Berichte 81/1994, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, S. 97-104

Litschauer R., 1996, Wildobst im Aussterben, Österreichische Forstzeitung, Klosterneuburg, 84 (2), S. 1-2

Müller F., Schultze U., 1998, Das österreichische Programm zur Erhaltung forstlicher Ressourcen, in: Geburek, Th., Heinze,B. (Hrsg.), Erhaltung genetischer Ressourcen im Wald - Normen, Programme und Maßnahmen, Landsberg A.L., S. 120-135

Nather J., 1990, Erhaltungsbestände und Genreservate: Auswahl und Bewirtschaftung, Informationsdienst der Forstlichen Bundesversuchsanstalt, Nr. 248, Österreichische Forstzeitung, Wien, 101 (12), S. 13-16


Österreichisches Waldschaden-Beobachtungssystem

G7
Laufzeit 1987 langfristig
Leiter: J. Pollanschütz 1987 bis 1990, ab 1991 M. Neumann

Das Österreichische Waldschaden-Beobachtungssystem (WBS) löste die Waldzustandsinventur ab, die von 1984 bis 1988 das Ausmaß der Kronenverlichtungen des österreichischen Waldes erhob. Da die Erhebungen im Laufe der Jahre keine entscheidenden Änderungen des Zustandes anzeigten, erschien es sinnvoll, sich stärker als bisher auf die Wirkungszusammenhänge zu konzentrieren. Das WBS erfaßt auf einer Probeflächenauswahl des permanenten Netzes der Österreichischen Waldinventur die Entwicklung des Waldzustandes an Hand des Kronenzustandes, der Zuwachsleistung, der chemischen Eigenschaften der Waldböden, des Elementgehaltes von Nadeln und Blättern und phytosanitärer Befunde. Ergänzt werden diese Erhebungen durch Luftbildauswertungen und eine zeitlich beschränkte Erfassung der Luftqualität auf einem Teil der Flächen mit Passivsammlern. Das Hauptaugenmerk wurde nicht nur auf die Einwirkungen von Luftverunreinigungen und deren Folgen gerichtet, sondern man versuchte das gesamte Spektrum der Waldgefährdung zu erfassen.

Im Zentrum des WBS steht demzufolge nicht das Ausmaß sondern die Entwicklung des österreichischen Waldzustandes und deren Ursachen. Das Gemeinschaftsprojekt besteht aus folgenden Teilarbeiten:

  • Jährliche Erhebung des Kronenzustandes, auf bestimmte Gebiete von besonderem Interesse beschränkte Luftbildinventur
  • Jährliche Gewinnung von Nadelproben zur Bestimmung des Gehaltes an akkumulierbaren Schadstoffen und Nährstoffen
  • Anwendung integraler Meßmethoden zur Erfassung des Eintrages (trockene Deposition) von SO2, NOx und O3
  • Periodisch zu wiederholende bodenkundliche und vegetationskundliche Untersuchungen
  • Forstpathologische Untersuchungen zur Abklärung terrestrisch oder durch Fernerkundung festgestellter pathologischer Kronenveränderungen
  • Zuwachskundliche Untersuchungen

Das Gemeinschaftsprojekt basiert auf Daten, Erhebungen und Grundlagen aus den Instituten für Forstökologie, für Forstschutz, für Waldwachstum und Betriebswirtschaft, für Immissionsforschung und Forstchemie sowie dem Institut für Waldinventur.

Das WBS orientierte sich am "International Co-operative Programme (ICP) for the Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests in the ECE-Region" (ECE - Europäische Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen). Ungefähr ein Drittel der insgesamt 534 Dauerbeobachtungsflächen des WBS sind als sogenannte "Level I-Flächen" in das europaweite "National network of forest damage observation plots" eingebunden.

Der Zustand des Waldbodens und dessen mögliche Veränderung durch den menschlichen Einfluß, insbesondere durch Einträge von Schadstoffen aus Industrie und Verkehr, wurde mittels Bodenzustandserhebungen untersucht. Die Waldboden-Zustandsinventur auf 513 Flächen lieferte erstmals einen Überblick über die wichtigsten Eigenschaften und Belastungen der österreichischen Waldböden. Sie ist in das internationale Kooperationsprogramm der Economic Commission for Europe (ICP/ECE) der Vereinten Nationen eingebunden, welches durch die EU gefördert wird und die europaweite Erfassung des Waldzustandes zum Ziel hat.

Die Auswertung der Nadel- und Blattanalysedaten ergab in Kombination mit dem seit 1983 bestehenden Bioindikatornetz einen jährlichen Überblick der Schwefelbelastung und der Ernährungssituation des österreichischen Waldes. Die Kronenzustandserhebungen zeigten im Laufe der Jahre eine gewisse Verbesserung des Waldzustandes an, jedoch ist in einigen Gebieten weiterhin ein schlechter Kronenzustand festzustellen. Forstpathologische Untersuchungen konnten keine Blatt- und Nadelschäden aufzeigen, die einer verstärkten Ozoneinwirkung zuzuordnen gewesen wären. Zuwachsuntersuchungen bewiesen Zusammenhänge zwischen Zuwachsbeeinträchtigung und Kronenzustand erst für deutlichere Kronenverlichtung. Die Luftbildinventur konnte auf Basis von Farbinfrarotluftbildern in ausgewählten Untersuchungsgebieten einen Überblick über die Schadverteilungsmuster im Wald liefern.

Die Untersuchungen im Rahmen des WBS und des Level I brachten viele neue Informationen und konnten zur Klärung der Ursachen von Waldschädigungen beitragen. Zur weiteren Vertiefung entschloß man sich im Rahmen des International Cooperative Programme "Forests" der UN-Economic Commission für Europe und der Europäischen Gemeinschaft Intensivbeobachtungsflächen einzurichten, die sogenannten "Level-II-Flächen" (siehe Gemeinschaftsprojekt G8).

Kristöfel F., 1997, Ten Years of Monitoring Forest Condition in Europe. Studies on Temporal Development, Spatial Distribution and Impacts of Natural an Anthropogenic Stress Factors, in: Federal Research Centre for Forestry and Forest Products Hamburg (Hrsg.), Technical Background Report. National Reports - Austria, Hamburg, S. 91-96

Neumann M., 1993, Forest Damange Assessments in Austria, Environmental Monitoring and Assessment, 28, S. 183-188

Neumann M. (Hrsg.), 1995, Österreichisches Waldschaden-Beobachtungssystem, Beiträge zum 4. WBS-Seminar in Wien am 23. November 1995, FBVA-Berichte 93/1996, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, 177 S.

Pollanschütz J., 1991, Waldschaden-Beobachtungssystem: Folgerungen und Ausblick für das Gesamtprojekt, in: Forstliche Bundesversuchsanstalt (Hrsg.), Österreichisches Waldschaden-Beobachtungssystem - Ziele, Methoden und erste Ergebnisse, FBVA-Berichte 49/1991, Forstliche Bundesversuchsanstalt, Wien, S. 121-128


Flächen der intensiven und fortgesetzten Waldzustandsüberwachung(Level II)

G8
Laufzeit 1995 langfristig
Koordinator: M. Neumann

Die Arbeiten im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts G8 stellen den österreichischen Beitrag zu einem europaweiten Programm der Waldzustandbeobachtung dar, an dem alle Mitgliedsländer der EU und 14 weitere europäische Staaten teilnehmen.

Dieses Programm wird entsprechend der Verordnung 3528/89 "Über den Schutz des Waldes in der Gemeinschaft gegen Luftverschmutzung" und den Durchführungsbestimmungen in der Verordnung 1091/94 der Europäischen Kommission, sowie in Übereinstimmung mit dem "International Cooperative Programme (ICP) for the Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests in the ECE-Region" und der Resolution 1 der Ministerkonferenz in Straßburg durchgeführt. Ziel ist die kontinuierliche Überwachung forstlicher Ökosysteme in Beziehung zu Schädigungen durch Luftverunreinigungen und anderen waldzustandsrelevanten Einflüssen. Durch die Konzentration verschiedener Messungen erhofft man sich Informationen über die Entwicklung einzelner Waldökosysteme und ein verbessertes Verständnis der Ursachen-Wirkungsbeziehungen.

Aus dem bestehenden Netz des Waldschaden-Beobachtungssystems wurden für diesen Zweck 1994 20 Flächen ausgewählt und den internationalen Richtlinien entsprechend eingerichtet. Folgende Aufnahmen sind in den Verordnungen der Europäischen Gemeinschaft als obligat bzw. fakultativ vorgesehen:

  • Jährliche Erhebung des Kronenzustandes aller vorherrschenden, herrschenden und mitherrschenden Bäume der Flächen
  • Alle fünf Jahre ist die Messung der Baumparameter zur Ableitung der periodischen Zuwachsleistung vorgesehen, zusätzlich können zuwachskundliche Untersuchungen an Stammscheiben von Bäumen der planmäßigen Nutzungen auf der Fläche oder an gezielt gefällten Bäumen außerhalb der Fläche durchgeführt werden.
  • Gewinnung und Analyse von Bodenproben und fakultativ vegetationskundliche Erhebungen
  • Jährliche Gewinnung von Nadel-/Blattproben von jeweils fünf Bäumen zur Bestimmung des Gehaltes an akkumulierbaren Schadstoffen und Nährstoffen
  • Kontinuierliche Erfassung der nassen Deposition mit Regen-/Schneesammlern
  • Auf zwei Flächen wird ab 1998 die qualitative Zusammensetzung des Bodenwassers mittels Saugkerzen erfaßt, außerdem werden auf diesen Flächen meteorologische Meßgeräte eingesetzt.
  • Zusätzlich zum international geforderten Untersuchungsprogramm wird der Waldzustand durch Luftbilder auf den Flächen selbst und in deren näheren Umgebung erhoben.
  • Bei Bedarf sollen intensive forstpathologische Untersuchungen einschließlich der Besteigung bzw. Fällung von Probebäumen in der Nähe der Flächen zur Abklärung festgestellter pathologischer Kronenveränderungen stattfinden.
  • Eine Erhebung der Bodenvegetation wird derzeit hinsichtlich der Methoden international diskutiert. Eine Ersterhebung wurde 1996 auf allen Flächen durchgeführt.
  • Auf einzelnen Flächen ist die periodische Erfassung der Samenmenge und des Streufalls beabsichtigt.

Die Arbeiten werden von der EU-Kommission mitfinanziert und teilweise im Rahmen des Gemeinschaftsprojekts G7 vorgenommen. Mit der gemeinschaftlichen Auswertung aller Aufnahmedaten wurde von der EU ein Auswertungszentrum in den Niederlanden beauftragt.

Neumann M.; Smidt S., 1997, Niedrige Schadstoffeinträge in Österreichs Wäldern, Österreichische Forstzeitung, Klosterneuburg, 108 (10), S. 53-54

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