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Eichenlichtwuchsbetrieb - eine alternative Bewirtschaftungsform für den pannonischen Raum
Dieses Eichenhochwaldmodell (Krissl, Müller 1989) ist auf die klimatischen Besonderheiten des Weinviertels, einem pannonisch geprägten Trockengebiet im Osten Österreichs mit trocken-warmen Sommern und kalten schneearmen Wintern abgestimmt.
Die dort traditionelle Eichenbewirtschaftungsform auf den überwiegend schlechten bis mittleren Bonitäten ist der Mittel- und Niederwaldbetrieb. Wegen sinkender Brennholznachfrage tendiert die forstliche Bewirtschaftung in Richtung Gastbaumartenanbau und auf besseren Bonitäten zum Eichenhochwald.

Die Entwicklungsmöglichkeit der einzelnen Eichen ist nach Modellvorstellung ähnlich dem dort bewährten Mittelwald: Nach Erreichen der gewünschten astfreien Schaftlänge wird den Eichenkronen durch starke Freistellung weitgehend ungehinderte Kronenentwicklung gewährt. Diese Maßnahmen ermöglichen wegen des gesteigerten Durchmesserwachstums, vernünftige Zieldurchmesser in einer Umtriebszeit von 100 - 120 Jahre zu erreichen.

Wegen der starken Durchforstungseingriffe hat die Einbringung bzw. Förderung eines dienenden Nebenbestandes aus ökologischen Gründen sowie zur Schaftpflege große Bedeutung. Das setzt entsprechende Regulierung der Beschirmungsverhältnisse voraus. Nach örtlichen Erfahrungen und den vorhandenen Standortsverhältnissen ist der Überschirmungsbereich, in dem eine Entwicklung des Hainbuchenunterwuchses ohne zusätzliche Eingriffe möglich ist, zwischen 40 und 70 % anzusetzen. Wird der angegebene Bereich über- oder unterschritten, tritt entweder zu starke Unterdrückung oder zu starke Entwicklung und damit Bedrängung des Hauptbestandes auf. Um auf die entsprechenden Stammzahlen für vorgegebene Überschirmungsprozente schließen zu können, ist es notwendig, die Entwicklung der Kronenschirmflächen von Einzelbäumen, wie sie für die Bedingungen des Lichtwuchsbetriebes und des jeweiligen Standorts charakteristisch sind, zu kennen.

Dazu wurden Kronendurchmesser von Mittelwaldeichen gemessen, wobei angenommen wird, dass die Entwicklungsbedingungen für die Eichen des Mittelwaldes mit jenen des Lichtwuchsbetriebes vergleichbar sind. So sind näherungsweise für die einzelnen Altersstufen die Kronenschirmflächen von Einzelbäumen mit weitgehend unbehinderter Kronenentwicklung - wie sie für Mittelwaldeichen typisch und für den Lichtwuchsbetrieb ebenso erforderlich sind - in Abhängigkeit des BHD abgeleitet worden.

Stammzahlentwicklung

Im Lichtwuchsmodell sollte die Stammzahl bis ins Alter 50 (das entspricht bei einer Oberhöhenbonität von 20 m einer altersmäßigen Bestandesoberhöhe von ca. 16 m) etwa 350 Eichen/ha betragen. Wichtig ist, dass bis zum Erreichen der erwünschten astreinen Schaftlänge qualitativ befriedigende Astreinigung bei den Z-Baumkandidaten gewährleistet ist. Das kann bei hohem Dichtstand (z.B. Naturverjüngung) durch natürliche Astreinigung, bei progressiven pflanzzahlarmen Begründungskonzepten mit Formschnitten und Astung erreicht werden. Im Alter 50 wird die Stammzahl nach einer Auslesedurchforstung auf 150 N/ha gesenkt. Sollte ein Nebenbestand erwünscht und nicht vorhanden sein, ist jetzt ein geeigneter Zeitpunkt für den Unterbau.

Modellkonform wird bei dieser Stammzahlhaltung von 150 N/ha die Obergrenze des günstigen Überschirmungsbereichs (70%) nach 15 Jahren erreicht, somit ist eine weitere Stammzahlabnahme im Alter 65 um 30 Bäume auf 120 N/ha erforderlich (Reduktion der Überschirmung auf 55%). Im Alter 75 wird eine letzte Stammzahlreduktion um 20 Bäume auf 100 N/ha notwendig. Ab Alter 75 erfolgen bis zum Kronenschluss keine weiteren Eingriffe mehr. Nach der Modellentwicklung wird bei 100 N/ha die obere Grenze für noch gute Belichtung des Unterbaus bei einem Bestandesalter der Eichen zwischen 85 und 90 Jahren überschritten.
Der Unterbau hatte somit einen Zeitraum von rund 40 Jahren zur optimalen Entwicklung zur Verfügung und kann seine Funktion als Stamm- und Bodenschutz voll erfüllen. Kronenschluss tritt nach weiteren 20 Jahren etwa ab dem Alter 110 ein. Bei einer Umtriebszeit von 120 Jahren gibt es dann theoretisch 10 Jahre hindurch keine weitere Vergrößerung der Kronenfläche mehr. Bei einer längeren Umtriebszeit wäre eine weitere Stammzahlreduktion - etwa im Alter 90 - auf 80 N/ha und damit ein entsprechendes Hinauszögern des Kronenschlusses denkbar.

Stammzahlentwicklung und Überschirmung
Abb. 1: Stammzahlentwicklung und Überschirmung
Eichenlichtwuchsmodell (Krissl, Müller 1989)

Zur Prüfung der Praxistauglichkeit dieses Modells wurde ein 50-jähriger Eichenbestand im Bereich der Agrargemeinschaft Mollmannsdorf als Versuchsfläche ausgewählt:

Tabelle Versuchsfläche

Einrichtung der Fläche 1985

Die Stammzahl des 50-jährigen Ausgangsbestandes lag mit 1035 N/ha beträchtlich hoch, woraus schwache Kronenentwicklung der Eichen resultierte. Die mittlere Kronenschirmfläche der Z-Bäume betrug nur 13,6 m2 bei einem mittleren BHD von 24,5 cm. Um die Ausgangssituation zu erreichen, die den Modellvorstellungen für den Lichtwuchsbetrieb entspricht, ist im Zuge einer Auslesedurchforstung (95 Z-Bäume/ha) eine Reduktion der Überschirmung auf etwa 40% bei gleichzeitigem Hainbuchenunterbau durchgeführt worden.
Infolge von behandlungsbedingt kleinen Kronenschirmflächen der Bäume ergeben sich jedoch gegenüber dem Modell, wo die Eichen mittels stammzahlregulierender Maßnahmen in diesem Alter bereits auf die Auslesedurchforstung vorbereitet wurden, wesentlich höhere Stammzahlen. So wurde auf der Probefläche die Stammzahl auf 425 Bäume (Modell 150) reduziert, wobei eine Überschirmung von 45 % geschaffen wurde.

Folgedurchforstung und Aufnahmen 1999

Der eingebrachte Hainbuchennebenbestand entwickelte sich gut. Die Überschirmung betrug vor dem Durchforstungseingriff annähernd 80 %. Wasserreiser, die sich teilweise an Z-Bäumen nach der starken Freistellung von 1985 bildeten, starben wegen Ausdunkelung bereits ab oder wurden manuell entfernt. Die Stammzahl wurde bei diesem Eingriff von 425 N/ha auf 140 N/ha reduziert, um nach dem Eingriff eine Überschirmung von 40 % zu erreichen.

Stammzahlentwicklung und Überschirmung
Abb. 2: Stammzahlentwicklung und Überschirmung
Versuchsfläche Mollmannsdorf

Die schlecht ausgebildeten Eichenkronen reagierten auf den Durchforstungseingriff 1985 wider Erwarten außerordentlich stark. Die abgeloteten Schirmflächen des Z-Baumkollektives betrugen 1999 im Mittel 31 m2, 1985 nur 13,6 m2. Der mittlere jährliche Radialzuwachs betrug im Zeitraum 1985 - 1999 2,3 mm in Brusthöhe.

Flächenplan und Fotos der Versuchsfläche:
Flächenplan
Versuchsfläche vor Durchforstung 1985
Versuchsfläche nach Durchforstung 1985
Versuchsfläche nach Durchforstung 1999
Flächenplan Versuchsfläche vor Durchforstung 1985 Versuchsfläche nach Durchforstung 1985 Versuchsfläche nach Durchforstung 1999

Schönauer H.
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