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Asiatischer Laubholzbockkäfer in Braunau/Österreich: Befallsentwicklung und Bekämpfung in den Jahren 2004 und 2005
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Asiatischer Laubholzbockkäfer in Braunau/Österreich: Befallsentwicklung und Bekämpfung in den Jahren 2004 und 2005
Nachdem im Jahr 2002 im Zuge des intensiven Monitorings im Stadtgebiet von Braunau zwar 22 Bäume mit Spuren von Larvenaktivität, aber keine neuen Bäume mit Ausbohrlöchern des Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) entdeckt wurden, hatte man gehofft, dass die rigorosen Bekämpfungs- und Überwachungsmaßnahmen schon zwei Jahre nach dem Entdecken des Befalls zur Ausrottung des Quarantäneschädlings geführt hätten. Aber im Juli 2003 wurden im Ortsteil Scheuhub, in welchem im Frühjahr 2001 befallenes Ahorn-Brennholz aus dem Industrieviertel kurzfristig gelagert worden war, Bäume mit frischen Ausbohrlöchern entdeckt. Um das Risiko der Ausbreitung durch solche vollständigen Entwicklungen bis zum geschlüpften Käfer zu minimieren, wurden die Überprüfungen des Baumbestandes der Stadtgemeinde Braunau noch weiter intensiviert.
Der Befall beschränkt sich gleich bleibend bisher auf das Stadtgebiet von Braunau im Umkreis des Industrie- und Geschäftsviertels sowie die Ortsteile Neue Heimat und Scheuhub von Ranshofen (Abbildung 1).

 
Bis Dezember 2005 wurden insgesamt 99 befallene Bäume entdeckt und fachgerecht entsorgt (Tabelle 1).

Tabelle 1: ALB-befallene Baumarten in Braunau

Baumart
Anzahl entdeckter befallener Bäume
Ahorn
Acer saccharum
A. platanoides
A. seudoplatanus
A. campestre
89
Platane
Platanus sp.
1
Buche
Fagus sylvatica "Atropunicea"
Fagus sylvatica "Asplenifolia"


2
1

Birke
Betula pendula
4
Rosskastanie
Aesculus hippocastanum
2


Insgesamt wurden in Braunau offiziell 118 adulte Käfer gefangen (letzter am 09.09.2004) und abgetötet. Im Quarantänelabor des Instituts für Waldschutz, BFW, sind aus Befallsstücken aus Braunau bzw. aus künstlichem Nährmedium in den Jahren 2002 bis 2005 insgesamt 33 Käfer geschlüpft (Tabelle 2).


Tabelle 2: Anoplophora glabripennis-Befall in Braunau
 
Ergebnisse des Monitorings
2001
2002
2003
2004
2005
total
Befallene Bäume mit lebenden ALB-Stadien
(gefällt, verhäckselt, verbrannt)
38
22
8
27
4
99
Befallene Bäume mit Ausbohrlöchern
?
0
3
4
0
7 + ?
Käfer in Braunau gesammelt
89
0
25
4
0
118
Vermutliche Anzahl der entkommenen Käfer
?
?
17
15
0
32+ ?
Käfer geschlüpft aus befallenem Holz aus Braunau
oder künstlichem Nährmedium im Quarantänelabor
0
5
14
10
4
33


Befallssituation im Detail


In den letzten zweieinhalb Jahren wurden folgende Bäume mit ALB-Befall festgestellt, gefällt, verhäckselt und verbrannt:

  • Juli 2003, Scheuhub: 1 Rosskastanie (Abbildung 2), 1 Birke, beide mit insgesamt 42 Ausbohrlöchern, 25 Käfer gefangen, 17 Käfer entkommen;
  • Oktober 2003, Industriezeile: 1 toter Käfer gefunden;
  • Dezember 2003, Freizeitpark/Stadion: 1 Spitzahorn mit 1 Ausbohrloch, Eiablagen und lebenden Junglarven, 3 Ahorne mit Eiablagen und lebenden Junglarven;
  • Mai 2004, Senioren- und Ledigenheim: 3 Ahorne, 1 Rosskastanie mit Eiablagen, Industrieviertel-Recyclinghof: 1 Geschlitzblättrige Buche mit Altlarven;
  • Juli 2004, Senioren- und Ledigenheim: 3 Spitzahorne mit Larvengängen und lebenden Larven;
  • September 2004, Neue Heimat: 17 Feldahorne, 2 Bergahorne mit Eiablagen, Larvengängen, lebenden Larven und insgesamt 19 Ausbohrlöchern, 4 Käfer gefangen, 15 Käfer entkommen;
  • April 2005, Neue Heimat: 1 Birke, 1 Ahorn mit lebenden Larven;
  • August 2005, Senioren- und Ledigenheim: 1 Spitzahorn mit Eiablagen und lebenden Larven;
  • Dezember 2005, Gasteig: 1 Bergahorn mit Eiablagen und lebenden Junglarven.

Im Rahmen des Monitorings und der Bekämpfungsmaßnahmen wurden auch noch weitere Laubbäume verschiedener Arten (Ahorne, Pappeln, Weiden, Birken, Platanen u. a.) mit auffälligen Schadsymptomen wie Larvenfraßgänge, Bohrspäne oder –mehl und Ausbohrlöcher gefällt, deren genaue Untersuchungen keinen Befall mit ALB, sondern mit dem Großen Pappelbock (Saperda carcharias), dem Weidenbohrer (Cossus cossus), dem Blausieb (Zeuzera pyrina) oder/und dem Moschusbock (Aromia moschata) ergaben. Die Schädigung der Bäume durch diese einheimischen Insekten rechtfertigte aber in jedem Fall aus Verkehrsicherheitsgründen deren Fällung.


Verkürzte Entwicklungsdauer


Die im September 2004 entdeckten geschlüpften Käfer aus Feld- und Bergahornen in der Neuen Heimat lassen darauf schließen, dass zumindest zur Entwicklung dieser ALB-Generation nur knapp eineinhalb Jahre, bedingt durch den heißtrockenen Sommer 2003, nötig waren, denn 2002 gab es keine Bäume mit Ausbohrlöchern, also auch keine geschlüpften Käfer, die diese Eier hätten legen können. In 2003 gab es zumindest einen bekannten Baum mit Ausbohrloch in der Nähe. Bisher ging man von einer zweijährigen Entwicklungszeit unter österreichischen Klimabedingungen aus.


Fällungsaktionen als Vorsichtsmaßnahmen


Als Vorsichtsmaßnahmen werden im Winter 2005/2006 im Stadtteil Scheuhub größere Fällungsaktionen durchgeführt. Hintergrund dafür sind die 17 ALB-Käfer, die in Scheuhub aus einer Birke und einer Rosskastanie geschlüpft und entkommenen waren. Für diese Käfer wären ein nahe gelegenes, ca. einen Hektar großes Pappelwäldchen und der Grünstreifen rechtsseitig entlang des Inns stromabwärts ideale Ausbreitungsgebiete. Deshalb werden das Pappelwäldchen gerodet und der Baumbestand auf der rechten Deichkrone des Inns ab Höhe Scheuhubstraße/Klostermühlstraße stromab bis zum Innkraftwerk Braunau-Simbach auf einer Länge von mehr als einem Kilometer auf den Stock zurückgesetzt werden.


ALB-Befall inzwischen auch in Deutschland entdeckt


Im Mai 2004 wurde in Bayern in Neukirchen nahe Passau und im Oktober 2005 in Nordrhein-Westfalen in Bornheim bei Bonn Stehendbefall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer festgestellt. In Neukirchen unterstützte das Institut für Waldschutz des BFW die dortigen Kollegen bei der Untersuchung befallener Bäume und beim Monitoring. Sowohl für den Befall in Neukirchen als auch für den in Bornheim wurde das Institut für Waldschutz von den zuständigen Pflanzenschutzdiensten ersucht, mittels der am BFW entwickelten molekulargenetischen Diagnosemethode zu verifizieren, ob es sich bei den sichergestellten Bockkäferlarven tatsächlich um Anoplophora glabripennis, eine andere Anoplophora-Art oder einen einheimischen Bockkäfer handelt. Insbesondere in Neukirchen war eine mögliche Verwechslung mit dem Moschusbock Aromia moschata gegeben. Für beide Fundorte konnte durch die Analysen am Institut für Waldschutz eine sichere Zuordnung zu Anoplophora glabripennis erfolgen. Diese beiden Fälle zeigen, dass die neue Diagnosemethode ein wertvolles Werkzeug für die Pflanzenschutzdienste in Europa darstellt, denn damit können derzeit fünf Anoplophora-Arten, drei Saperda-Arten, Aromia moschata sowie die Schmetterlingsarten Weidenbohrer (Cossus cossus) und Blausieb (Zeuzera pyrina) in allen ontogenetischen Stadien bestimmt werden.
Hoyer-Tomiczek, U.;Krehan, H.;Tomiczek, C.
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