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Samenplantagen (ex situ)

Geringe Arealgröße, die Seltenheit oder eine aus anderen Gründen bestehende Gefährdung einer Population, welche in situ nicht ausreichend geschützt werden konnte, erfordern eine ex situ-Erhaltung. Diese Erhaltungsmaßnahmen werden als statisch bezeichnet, weil der Genpool weitgehend unverändert über die Generationsschwellen hinweg gesichert wird.

Die Langzeitlagerung von Samenproben dient zur Überbrückung von Zeiträumen fehlender oder ungenügender Fruktifikation. Die aufzubewahrende Saatgutmenge soll so groß sein, dass die genetische Information der zu erhaltenden Baumartenpopulation hinreichend repräsentiert wird. In den Jahren 1986 bis 1988 wurde auf dem Gelände des Versuchsgartens Tulln ein Kühlhaus mit einer Lagerkapazität von 260 m3 errichtet, wo in sechs getrennt klimatisierbaren Kühlzellen, bei einem Temperaturbereich von +5° bis –20° C Saatgut aufbewahrt werden kann.

(Erhaltungs-)Samenplantagen werden zur Gewinnung von Saatgut angelegt, das von ausgewählten Populationen oder Bäumen stammt, die selten oder bereits regional vom Aussterben bedroht sind. Infolge von Konkurrenzschwäche oder in Folge forstlicher Maßnahmen kommen Individuen dieser gefährdeten Baumarten einzeln und soweit voneinander entfernt vor, dass eine generative Vermehrung unmöglich ist und/oder infolge der Kleinheit der Population besonders ausgeprägte Verluste an genetischer Information zu erwarten sind. Bäume dieser Arten werden im Wege einer vegetativen Vermehrung in Samenplantagen zu künstlichen Populationen zusammengefasst, um durch anschließende generative Vermehrung eine Steigerung der genetischen Variation zu erreichen. Gründe für die Anlage von Erhaltungssamenplantagen liegen auch dann vor, wenn die betreffenden Populationen oder Bäume auf Standorten stocken, auf denen sie (1) aufgrund extremer klimatischer Bedingungen nicht ausreichend fruktifizieren (z.B. Hochlagen, Standorte am Rande des Verbreitungsgebietes), wo sie (2) einer unerwünschten Fremdbefruchtung ausgesetzt oder (3) in Immissionsschadensgebieten besonders gefährdet sind. Bei der Auswahl des Plantagenstandortes wird auf die Vermeidung des Fremdpolleneinflusses geachtet. Der jährlich schwankende Polleneintrag aus der Umgebung wird vor der Anlage der Plantage bei windblütigen Baumarten mit Hilfe von Pollengravitationsfallen festgestellt.

Für Samenplantagen werden ausschließlich Pfropflinge verwendet. Die Reiser werden im höheren Kronenbereich der Bäume entnommen. Nach Erstellung eines Klonverteilungsplanes werden zwei bis vier Jahre alte Pfropflinge so ausgepflanzt, dass jedes Individuum (Ramet) eines Klons von den Ramets anderer Klone umgeben ist, um eine klonale Selbstbefruchtung zu minimieren. Der Pflanzverband richtet sich nach dem Wuchs- und Blühverhalten der jeweiligen Baumart und beträgt durchschnittlich sieben Meter im Dreiecksverband. Bei einer durchschnittlichen Plantagengröße von 1,5 ha werden mindestens 50 Klone mit 4- bis 5-facher Wiederholung gepflanzt.
 
Die Samenplantagen sollen auch der Versorgung des österreichischen Marktes mit geeignetem, einheimischem Saatgut dienen.

Die Anlage von 66 Erhaltungsplantagen für 21 Baumarten auf 108,4 Hektar erfolgte in Kooperation zwischen Bund (BMLFUW), BFW, ÖBf-AG, Wildbach- und Lawinenverbauung, Landesforstdirektionen und privaten Waldbesitzern, wobei die Koordination aller Maßnahmen durch die Abteilungs- und Institutsleitung wahrgenommen wird.
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