Buchsbaumzünsler (Diaphania perspectalis; syn. Glyphodes perspectalis) - Die ersten Falter fliegen!
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Buchsbaumzünsler (Diaphania perspectalis; syn. Glyphodes perspectalis) - Die ersten Falter fliegen!


Nachdem im Labor bereits seit etwa 4 Wochen die Falter geschlüpft sind, ist es nun auch im Freiland soweit. Am 14.6.2010 fanden sich insgesamt 6 Falter in dem Zuchtkäfig der im Areal des BFW steht. Aufgrund der kühlen Witterung während der letzten Wochen verzögerte sich die Entwicklung der Schmetterlinge. Trotzdem können in den Befallsgebieten die Falter schon etwas früher unterwegs gewesen sein, da der Käfig im Park beschattet ist.

In der Zwischenzeit hat sich das bekannte Befallsgebiet auf große Teile der Gemeinden Mödling, Maria Enzersdorf und Brunn am Gebirge erweitert. Weiters wurde im Stadtgebiet von Graz und etwas weiter südlich von Graz neue Befallsgebiete entdeckt. Aus Vorarlberg wurden aus dem Befallsgebiet von 2009 erneut Schäden gemeldet.

Nach ihrer Entdeckung wurden mit Zünslerraupen befallene Buchsbaum-Pflanzen in unser Labor gebracht. Zwei von den größeren Pflanzen wurden in einem Käfig ins Freie gestellt.
Im Labor erreichten die Raupen eine Länge von ca. 3 - 3,5 cm, einzelne waren bis zu 4 cm lang. Dies gilt auch für die im Freien gezüchteten Raupen. Die ersten Raupen verpuppten sich im Labor am 5. Mai, im Freien etwas später.
Komplett eingesponnene Versuchspflanze


Der Falter

Im Labor schlüpfte die ersten Falter am 18.Mai., bis zum 7. Juni schlüpften weit über 100 Falter, was bei einer Anzahl von 6 größeren und einigen kleinen Pflanzen doch recht erstaunlich ist. Da um den 27. Mai. die ersten Falter bereits wieder abgestorben waren, ist die in der Literatur angegebene Lebenspanne von 8 Tagen sicherlich zutreffend. Es sind nach dem 7.Juni. keine weiteren "Laborfalter" mehr geschlüpft. Die Flugzeit dieser Generation erstreckte sich daher auf ca. drei Wochen.


Der erwachsene Schmetterling hat eine Flügelspannweite von ca. 40 mm. Von den 2010 im Labor geschlüpften Faltern betrug die Spannweite zwischen 26 und etwa 40 mm. Die wenigen, deutlich kleineren Falter werden auf Störungen während der Raupenentwicklung sowie auf Nahrungsmangel zurückgeführt. Die Flügel sind weiß und besitzen eine braunen bis schwarzen Rand. Es sollen aber auch praktisch schwarze Individuen mit nur zwei weißen Flecken gefunden worden sein. Die bisher geschlüpften Falter besaßen durchwegs weiße Flügel mit hellbraunen bis braunen Rändern. Die Falter leben nur etwas länger als eine Woche, ihre einzige Aufgabe ist die erneute Eiablage.

Noch am 7. Juni waren an den Pflanzen im Freien noch vereinzelt Raupen anzutreffen.

Von den zahlreichen Puppen waren einige schon ziemlich braun verfärbt, sodass in nächster Zeit mit dem Schlüpfen zu rechnen war. In den Befallsgebieten könnte das Schlüpfen schon früher erfolgt sein, wenn die befallenen Pflanzen direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt waren.

Maßnahmen

Das wichtigste ist nun noch unbefallene Pflanzen zu schützen bzw. eine Wiederbesiedelung bereit befallener Pflanzen zu verhindern.
Nach erfolgtem Flug beginnen die Falter relativ rasch (innerhalb weniger Tage) mit der Kopulation und die Weibchen mit der Eiablage. Der Flug kann durch den Einsatz von Pheromonfallen überwacht werden. Fallen und Pheromon können über die Fa. Andermatt in der Schweiz bezogen werden. Zirka 3 - 5 Tage später schlüpfen die ersten Jungraupen. Zwischen Flugbeginn und dem Eiraupenstadium ist der beste Zeitpunkt für eine Behandlung, denn diese Ei- bzw. Jungraupen sind sehr empfindlich und daher sehr wirksam zu bekämpfen, solange sie noch nicht ihre Gespinste ausreichend dicht gesponnen haben.

Gegen freifressende Schmetterlingsraupen gibt es 2 Wirkstoffgruppen die sehr umweltfreundlich und sehr selektiv wirksam sind. Das wären zum einen die sogenannten Häutungshemmer (am bekanntesten sicherlich das Präparat Dimilin), zum anderen die Bazillus thuringiensis - Präparate. Diese Präparate entfalten ihre Wirkung nur dann, wenn sie oral durch das Befressen der Pflanze aufgenommen werden. Leider gibt es nach dem derzeitigen Wissenstand für beide Wirkgruppen keine aufrechte Zulassung für diesen Schädling - sie können daher derzeit nicht verwendet werden.

So bleiben derzeit nur Neem-Öl als umweltfreundliches Mittel sowie die herkömmlichen, gegen freifressende Schmetterlingsraupen zugelassenen Insektizide zur Verfügung. Es liegen allerdings Beobachtungen vor, nicht zuletzt jene der betroffenen Gartenbesitzer, die sich bereits 2009 mit den Raupen herumgeschlagen haben, dass die Insektizidapplikation alleine das Problem oft nicht beseitigen kann.



Wenige Tage alter Neubefall

Eier und Eilarven an der Blattunterseite



Befallene Jungpflanze  eine Woche nach
der Eiablage
Befallene Jungpflanze nach etwa 2 Wochen


Wird in einem fortgeschrittenen Befallsstadium das Auftreten des Buchsbaumzünslers festgestellt, so können bei geringem Befall oder wenigen, nicht zu großen Pflanzen die Raupen abgesammelt und vernichtet werden. Abgesammelte Raupen können sehr rasch in kochendem Wasser abgetötet werden. Bei der Entsorgung von befallenen Buchspflanzen ist darauf zu achten, dass diese möglichst dem Hausmüll und damit einer Verbrennung zugeführt werden. Als Zwischenlager bieten sich dunkle Müllsäcke an, die der direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt sich so stark erwärmen können, dass so die Raupen geschwächt oder sogar abtöten werden. Es gibt aber auch von den betroffenen Gemeinden organisierte Entsorgungsmöglichkeiten für ganze Pflanzen.

Auf was muss ich achten:
  1. Falter (heuer ab etwa Mitte Juni) und Raupen
  2. Fraßschäden, zunächst durchscheinende Blätter, später Fraß ganzer Blätter und von grüner Rinde,
  3. Gespinste, sowie die Ansammlung von hellem Kot in und um die Gespinste
Beim Vorhandensein von Raupe, Falter oder den Gespinsten ist eigentlich keine Verwechslungsmöglichkeit gegeben. Da der Befall im Inneren von den meist dichten Pflanzen beginnt sollte in Verdachtsgebieten unbedingt auch bei von außen gesund aussehenden Pflanzen eine Kontrolle durchgeführt werden.
Perny, B.
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