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Der A-Wert nach Klaus Johann

Zu Beginn der 1980er Jahre wurde von der Sektion Ertragskunde des Deutschen Verbandes Forstlicher Forschungsanstalten vereinbart, Versuche über das Wachstum einzelner Bäume unter definierten Nachbarschaftsverhältnissen anzustellen. Die Kernfrage war, auf welche Weise die Zentralbäume von allen Versuchsanstellern gleichmäßig und objektiv freigestellt werden könnten. Klaus Johann vom BFW entwickelte 1982 dafür den "A-Wert" als einen objektiven Parameter zur Bestimmung der Freistellungsstärke von Zentralbäumen. Dieser wurde auch in die in die Empfehlungen für die Freistellungsversuche der Sektion Ertragskunde übernommen.

Obwohl der A-Wert eigentlich als Steuerungselement im Versuchswesen entwickelt und dabei nicht auf Praxistauglichkeit abgezielt wurde, erscheint es dennoch angebracht ihn hier zur Diskussion zu stellen. Die Darstellung hilft, konkurrenzgesteuerte Zusammenhänge besser zu verstehen und damit effektivere Durchforstungseingriffe zu ermöglichen.

Herleitung des A-Wertes

Der A-Wert ist prinzipiell nicht auf eine Baumart beschränkt, bislang wurde er jedoch von uns nur in Fichtenbeständen angewandt. Er ist zum einen vom H/D-Wert (Höhe zu Durchmesser) des Z-Baumes (=Zukunftsbaum) und zum anderen vom Durchmesser und dem Abstand des jeweiligen Nachbarbaumes abhängig. Bei der Entwicklung des A-Wertes ging Johann von folgenden, jedem Forstmann bekannten Überlegungen aus:

  1. Der Standraumbedarf eines Z-Stammes ist umso größer, je höher er ist. Ein Nachbarbaum wird zum Konkurrenten (K), indem er in den Standraum des Z-Stammes (Z) eindringt. Ist die Höhe des Konkurrenten gleich wie die Höhe (H) des Z-Baumes, d.h. von gleicher sozialer Stellung, so steigt der Konkurrenzdruck mit zunehmender Baumhöhe und abnehmender Entfernung (E) zwischen den beiden:
H/E
  1. Ein niedriger bzw. (sozial) schwächerer Baum wird auf den Z-Stamm vergleichsweise einen geringeren Konkurrenzdruck ausüben als ein stärkerer. Dieser Sachverhalt lässt sich auch als Verhältnis der Durchmesser von Konkurrent (d) zu Z-Stamm (D) darstellen:
d/D

Beide Überlegungen zusammengefasst ergeben die Formel für den A-Wert eines Nachbarbaumes des Z-Stammes:

A=H/E * d/D

Bei der Freistellung nach A-Wert wird ein Konkurrent immer dann entnommen, wenn seine Entfernung zum Z-Baum eine bestimmte Grenzdistanz (GD) - bei festgelegtem A-Wert - unterschreitet:

GD < H/A*d/D



Abbildung 1: Grenzdistanzen bei A-Wert 4 und 6

In der Abbildung 1 ist der Zusammenhang zwischen H/D-Wert des Z-Baumes, BHD des Konkurrenten und Grenzdistanz dargestellt. Beispielsweise beträgt für einen Z-Stamm mit H/D-Wert 80 und einem festgelegten A-Wert von 4 bzw. 6 die Grenzdistanz eines Konkurrenten mit 30 cm BHD 6 m bzw. 4 m; bei einem H/D-Wert von 100 betragen die Grenzdistanzen 7,5 m bzw. 5 m.

Das heißt, dass einerseits bei einem A-Wert von 4 eine wesentlich stärkere Freistellung erfolgt als bei einem A-Wert von 6. Andererseits ist der Freistellungsgrad eines Z-Baumes auch von seinem eigenen H/D-Wert abhängig; Z-Bäume mit höherem H/D-Wert müssen relativ stärker freigestellt werden als Z-Bäume mit günstigerem H/D-Wert, um den gleichen Effekt zu erzielen. Falls - aus welchen Gründen immer - durchmesserschwache Bäume mit hohem H/D-Wert  als Z-Baum gewählt werden, so sind diese deutlich stärker freizustellen. Haben sich hingegen die Z-Bäume durch überdurchschnittliches Durchmesserwachstum bereits durchgesetzt, so sind nur mehr schwächere Eingriffe zu deren Förderung notwendig.

Zwei Versuchsflächen mit Stammzahlreduktion nach A-Wert

Vom BFW (damalige Forstliche Bundesversuchsanstalt) wurden von Johann zwei Versuchsflächen mit Fichte nach den Empfehlungen für Freistellungsversuche angelegt; eine 1982 bei Lölling in Kärnten und eine 1984 in der Nähe von Weitra. Die Freistellung der Z-Bäume erfolgt gemäß Versuchsprogramm nach den A-Werten 4, 5 und 6. Freigestellt wurde nach jeweils 3 ( 1) m Höhenzuwachs der Z-Stämme.
Nach mehr als 20 Jahren sind - wie erwartet - deutliche Durchmesserunterschiede zwischen den drei Behandlungsvarianten zu beobachten, abgestuft nach A-Wert.


Abbildung 2: Entwicklung der Durchmesser und periodischer Durchmesserzuwachs der drei A-Wert Varianten der Versuchsfläche Weitra


Aus Abbildung 2 (hier als Beispiel die Versuchsfläche Weitra) ist deutlich ersichtlich, dass die am stärksten - nach A-Wert 4 - freigestellten Z-Bäume die stärksten Durchmesser erreichen; die geringsten Durchmesser erreichen jene nach A-Wert 6 freigestellten. Bei den Durchmesserzuwächsen in den Perioden zeigt sich, dass die Bäume bereits nach der ersten Freistellung deutlich unterschiedlich je nach Freistellungsgrad reagierten. Die Höhen entwickeln sich, wie zu erwarten, bei allen drei Behandlungsvarianten gleich und un-abhängig vom Freistellungsgrad.

A-Wert als Konkurrenzkennwert

Eine Durchforstung ist umso dringlicher, je höher der Konkurrenzdruck im Bestand auf die Z-Bäume (die voraussichtlichen Bäume des Endbestandes) ist. Der A-Wert wurde von Johann auch als objektiver Wert zur stichprobenweisen Feststellung des Konkurrenzdruckes in Beständen vorgeschlagen. In Beispielsbeständen wiesen Fichten, die nach waldbaulichen-gutachtlichen Kriterien als "Konkurrenten" ausgezeigt wurden, überwiegend A-Werte größer 6 auf; niemals jedoch A-Werte kleiner 4.


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