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"Wir erforschen, wie genetisch
variabel unsere Waldbäume sind"
Herr Geburek, es gibt drei wesentliche Ebenen der Biodiversität. Können Sie diese skizzieren und Ihr Institut positionieren?
Biodiversität umfasst die Variabilität unter allen lebenden Organismen unabhängig von deren Herkunft, aber auch die Variabilität des Ökosystems in denen diese Organismen leben. Damit besteht die Biodiversität aus erstens der genetischen Diversität: Diese beinhaltet einerseits die genetische Vielfalt aller Gene innerhalb einer Art (= genetische Variabilität), andererseits die gesamte genetische Vielfalt einer Biozönose oder eines Ökosystems. Zweitens die Artendiversität: Damit ist die Vielzahl an Arten in einem Ökosystem gemeint. Und drittens die Ökosystem-Diversität: Sie beschreibt die Vielfalt an Lebensräumen und Ökosystemen. Und einige Forscher ergänzen noch eine vierte Ebene, die funktionale Biodiversität: Darunter versteht man die Vielfalt realisierter ökologischer Funktionen und Prozesse im Ökosystem. (zum Beispiel abgeschätzt anhand der Anzahl verschiedener Lebensformtypen oder ökologischer Gilden). Das Institut für Waldgenetik beschäftigt sich primär mit der genetischen Diversität bei Waldbäumen. Dies bedeutet, dass wir erforschen wie genetisch variabel unsere Waldbäume sind, wie in Zeit und Raum diese genetische Vielfalt verteilt ist und wie viel genetische Variabilität - vereinfacht gesagt - notwendig ist, damit auch in Zukunft aus genetischer Sicht unsere Wälder bei fortschreitendem Klimawandel überleben und Holz und andere Leistungen erbringen können.

Kann man Biodiversität im Wald eigentlich messen?
Jeder von uns kann sich sicher vorstellen, dass man die Vielfalt von bestimmter Pflanzen- und Tiergruppen relativ leicht ermitteln kann. Es ist einzusehen, dass die Vielfalt der im Boden lebenden Organismen oder der zahlreichen Mikroorganismen schon sehr viel schwieriger erfassbar ist. Wenn man wissen will, wie genetisch variabel all diese unzähligen im Wald vorkommenden Arten sind und in welchem Wechselspiel sie zueinander stehen, versteht man schnell, dass Biodiversität in ihrer Gesamtheit nicht praktisch messbar sein kann. Dies hat dazu geführt, dass zahlreiche Indikatoren für die verschiedenen Ebenen der Biodiversität entwickelt wurden oder werden, um die jeweilige Vielfalt wenigsten grob abschätzen zu können.

Und mit diesem Index kann man solche generellen Aussagen über die Biodiversität machen?
Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, mit vorhandenen Daten über den Wald einen solchen Index zu schaffen. Dies ist ein sehr pragmatischer Ansatz, der zudem die Möglichkeit schaffen sollte, auch Daten aus eventuellen Zusatzerhebungen zu berücksichtigen. Unser Biodiversitätsindex Wald ist also "lernfähig" und kann in gewissem Bereich auch retrospektiv ermittelt werden.

Zur Erhaltung der Biodiversität im Wald werden in Österreich auch spezielle Maßnahmen am BFW getroffen. Welche sind dies?
Auf genetischer Ebene sind dies zum Beispiel Samenplantagen zur Erhaltung seltener Baumarten oder bestimmter wertvoller Ressourcen für weitverbreitete Baumarten zu nennen. Glücklicherweise beginnt das vor einigen Jahren vom BMLFUW initiierte Plantagenprogramm im wahrsten Sinne des Wortes Früchte zu tragen. Daneben wird ein in Europa abgestimmtes Netzwerk von forstlichen Genreservaten vom BFW umgesetzt. Hier gibt es noch Implementierungsbedarf und dies gilt auch für das österreichische Naturwaldreservate-Programm.  

Sie haben sich in den letzten Jahren im Rahmen von verschiedenen Entwicklungshilfeprojekten auch mit genetischen Ressourcen bei afrikanischen Baumarten beschäftigt. Warum ist es wichtig, dass das BFW zurzeit an zwei genetischen Klimaprojekten in Burkina Faso arbeitet?
In Bereichen der im Norden gelegenen Sahelzone sind die Lebensbedingungen nicht nur für die Bevölkerung sehr hart. Wir versuchen in diesem Land eine weitere Entwaldung zu minimieren, indem wir in enger Partnerschaft mit einem burkinischen Saatgutzentrum in Hauptstadt Ouagadougou für eine agroforstwirtschaftliche Baumart exemplarisch bearbeiten. Im Vordergrund der Arbeiten steht dabei, welche genetische Ressource bei dieser Baumart optimal im Land genutzt werden sollte. Aber natürlich ist unser Beitrag zur Minimierung der Klimafolgen trotz eines großen Engagements von Seiten der burkinischen Partner und von uns begrenzt. Neben der gemeinsamen Bearbeitung wissenschaftlicher Fragestellungen und Publikation der Ergebnisse betreuen wir darüber hinaus mehrere engagierte burkinische Studenten bei ihren Master- und Doktorarbeiten und stärken damit langfristig die bereits bestehende Vernetzung mit den wissenschaftlichen Organisationen vor Ort.

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Univ.-Prof. Dr. Thomas Geburek ist Leiter des Instituts für Waldgenetik.
Er beschäftigt sich mit Biodiversität

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