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"Wir brauchen einen Notfallplan, der weit über den Katastrophenschutzplan hinausgeht"
Herr Kleemayr, was sind im Bereich Naturgefahren die internationalen Trends?
International lässt sich folgendes festhalten: Die Förderschiene Horizont 2020, die dem 7. EU-Forschungsrahmenprogramm nachfolgt und 2014 startet, hat neue Schlagwörter auf die Agenda gesetzt. Neben den klassischen Themen Klimawandel und Risiko kommt die Resilienz dazu. Dieses Thema schlägt voll im Umweltbereich und bei Ausschreibungen im Bereich Sicherheit durch.

Resilienz?
Resilienz ist die Fähigkeit eines Systems, wieder in den Normalzustand zu kommen. Quasi "zurückzuspringen".

Und wie soll man sich das jetzt in der Umsetzung vorstellen?
Der Augenmerk liegt auf der Frage: Wie kann man bestmöglich auf Systemänderungen, ausgelöst durch den Klimawandel, reagieren? Mit Adaptierungsmaßnahmen sollen zwei Entwicklungen erreicht werden: Erstens, die Schadenswahrscheinlichkeit soll verringert werden. Und zweitens und das ist wirklich neu: Wenn bereits ein Schaden entstanden ist, wie kann ich gewährleisten, dass die Resilienz gestärkt wird.

Ist Resilienz nicht wieder nur ein Modewort?
Das glaube ich nicht. Im Vergleich zu Amerika haben wir da einen enormen Aufholbedarf. Es ist schon bemerkenswert und weitsichtig, dass die EU-Kommission in der Forschungsstrategie ihren Fokus verstärkt auf Resilienz legt. Aktionen, die die Resilienz erhöhen, sind: Das Bewusstsein für Natur-gefahren stärken. Auch für Gefahren, die unwahrscheinlich sind. Wir brauchen einen Notfallplan, der weit über den Katastrophenschutzplan hinausgeht. Und wir müssen die Diskussion über Risiko-kommunikation rechtzeitig anstoßen. Wie kann ich den Schaden gering halten? Wie kann ich schnell den Normalzustand erreichen.

Und das funktioniert derzeit nicht?
Wir benötigen neue Mechanismen, die die Bestehenden ergänzen sollen. In Österreich hat die Einrichtung des Katastrophenfonds dazu geführt, dass die Verantwortung für Maßnahmen abgegeben wurde. Ein Bewusstsein in der Bevölkerung schaffen, bedeutet: Jeder hat eigenverantwortlich sich darum zu kümmern, nicht abzuwarten unter dem Motto "der Staat wird's schon richten". Wichtig werden auch Warnsysteme.

Wie wirkt sich dieser Trend auf ihre Arbeiten am Institut für Naturgefahren aus?
Wir sind viel mehr mit Lawinen-, Wildbach und Murenprognosen beschäftigt und arbeiten verstärkt bei der Rutschungspotenzialbestimmung mit.

Kam es in den vergangenen Jahren eigentlich zu mehr Schäden durch Naturgefahren?
Nein, genau das Gegenteil ist der Fall: Trotz Klimawandel und verstärkter Nutzung des Bergraums in Österreich haben die Schadereignisse abgenommen. Zurückzuführen ist dies auf die intensiven und wirksamen Schutzverbauungen der letzten Jahrzehnte. Maßgeblich verantwortlich dafür ist aber auch die Forschungstätigkeit, die zu einem besseren Prozess- und Gefahrenverständnis und in der Folge zu besseren Maßnahmen und Beurteilungswerkzeugen führt. Zur Aufrechterhaltung dieses hohen Schutzniveaus und der Effektivität der eingesetzten Mittel sind eine laufende Optimierung und Adaptierung der Maßnahmen und Forschungsthemen notwendig.

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Dr. Karl Kleemayr leitet das
Institut für Naturgefahren

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