Nationalparks Austria prämieren Judith Schaufler


Vor 63 Jahren hat ein subalpiner Bergwald in den nördlichen Kalkalpen gebrannt. Welche Auswirkungen dieser Brand auf die Vegetations- und Bodenentwicklung hatte, damit beschäftigte sich die auf Waldböden spezialisierte BFW-Wissenschaftlerin Judith Schaufler. Sie wurde nun für ihre Arbeit mit dem Nationalparks Austria Wissenschaftspreis ausgezeichnet. Nach dem Dr.in Wilfrieda Lindner Wissenschaftspreis und dem Walter Kubiena Forschungspreis, der für hervorragende Leistungen auf dem Gebiet der Bodenkunde vergeben wird, ist dies die 3. Auszeichnung für diese Masterarbeit.

Streu, Wurzeln, Totholz und Holzkohle. Das ist jene Materie, mit der sich Judith Schaufler in ihrer Masterarbeit an der Universität für Bodenkultur in Wien am intensivsten beschäftigt hat. Ihr Ziel war es, herauszufinden, wie sich die durch den Brand verursachten Verluste an Kohlen- und Stickstoffvorräten mit der Zeit wieder herstellen konnten. Das Ergebnis: Nach 63 Jahren haben die bewachsenen Böden wieder etwa 40 Prozent jener Vorräte erreicht, die sonst in „ungestörten“ Flächen vorhanden sind. Dabei spielt eine Pflanze eine bedeutende Rolle: Erika.

Erosionsschutz Erika

Das Heidekrautgewächs Erika kann mit seinen dichten Wurzelfilzmatten nicht nur vergleichsweise viel Boden bilden und Kohlenstoff speichern (5,80  kg C m-²), seine dichten Vegetationspolster scheinen besonders gut dafür geeignet zu sein, gegen Erosion zu wirken. Aber nicht nur Erika hat diesen positiven Effekt auf den Boden. Judith Schaufler hat auch andere Pflanzen untersucht, die allerdings in geringerem Maß zur Kohlenstoffspeicherung im Boden beitragen: Gräser (3,73 kg C m-²), Fichten (3,45 kg C m-²), Latschen (2,76 kg C m-²) und Lärchen (1,83 kg C m-²). Aufgrund von Literaturstudien und der Analyse der Holzkohlenreste in den Böden, die nicht nur in den Profilen der Brandfläche, sondern überraschenderweise auch in tieferen Horizonten der Referenzfläche zu finden waren, vermutet Judith Schaufler, dass in diesen Lagen Waldbrände häufiger stattfinden als angenommen.

Waldbodenforschung - eine abwechslungsreiche Arbeit

Judith Schaufler (Jg. 1986), die mit ihrer Arbeit das Studium der Forstwissenschaften am Institut für Waldökologie absolviert hat, war nicht nur im Gelände unterwegs und hat Proben gesammelt, sie musste sie auch im Labor mit einem Elementaranalysator penibel genau messen und die Daten statistisch analysieren. Was ihr an der Arbeit gefällt? Wie können die Ergebnisse weitere Verwendung finden? "Große Teile der Brandfläche sind heute immer noch von unbewachsenen Schuttflächen dominiert. Bis sich ein geschlossener Waldbestand und eine durchgängige Bodendecke entwickelt haben, wird es noch längere Zeit dauern. Es ist spannend zu beobachten, wie eng Bodenbildung und Vegetationsentwicklung bei der Regeneration dieser steilen, erosionsgefährdeten Fläche zusammenspielen. Aufbauend auf meiner Arbeit wurden vom Institut für Waldökologie auf der Brandfläche Messstellen für eine längerfristige Beobachtung verschiedener Bodenklimadaten eingerichtet", resümiert Judith Schaufler ihre Forschung.

Prämierung im November

Am 3. November 2017 wird ihre Arbeit prämiert. Die Verleihung erfolgt im Rahmen des Nationalparks Austria Forschungssymposiums durch Bundesminister DI Andrä Rupprechter. Wir gratulieren!


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Autor: Schaufler J., Schreck M.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10328