Achtung! Eichenprozessionsspinner


Jedes Jahr um diese Zeit treten sie ihren Marsch auf Eichenbäumen an. Das ist für Eichen nicht lebensbedrohlich, kann allerdings beim Menschen zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Die feinen Brennhaare können unangenehme Hautreizungen bis hin zu Atemproblemen verursachen. Wachsamkeit ist jetzt gefragt.

Die unscheinbar grauen Falter des Eichenprozessionsspinners (Thaumetopoea processionea) fliegen im Sommer (meist Juli) und legen ihre Eier in Form von Gelegen an Zweige in den Kronen von Eichen ab. Im folgenden April schlüpfen daraus die Raupen. Diese ernähren sich von den Blättern verschiedener Eichenarten. Die Raupen leben in Gruppen und marschieren stets in charakteristischen Prozessionen. In den Ruhephasen und zur Häutung ziehen sie sich in auffällige Gespinstnester, zunächst an Ästen in der Krone, später auch am Stamm, zurück. Von Juni bis Juli erfolgt die Verpuppung typischer Weise im Nest am Stamm. Der Fraß der Raupen kann zu starkem Laubverlust am Baum bis hin zum Kahlfraß führen. Bleibt der Prozessionsspinner der alleinige Schadfaktor, ist der Fraß selten lebensbedrohlich für die Eichen. Problematisch kann es werden, wenn er gemeinsam mit anderen Arten vergesellschaftet auftritt oder sich massiver Blattverlust über mehrere Jahre wiederholt. Bedeutender als die Schädigung des Baumes ist aber meist die Auswirkung auf die menschliche Gesundheit.

Unangenehme Folgen für die Gesundheit

Ab dem dritten Larvenstadium bilden die Raupen winzig kleine Brennhaare (Setae) aus. Dringen die Haare in die Haut eines Menschen, bewirkt das darin enthaltene Gift Thaumetopoein die Ausschüttung von Histamin und verursacht Symotome der sogenannten Raupendermatitis mit Juckreiz, Rötung der Haut und Bildung von Quaddeln. Weitere Symptome können Kopfschmerz, Bindehautentzündung der Augen, Rachenentzündung, Müdigkeit, Schwindel bis zu Atemwegserkrankungen sein. In den meisten Fällen wird es bei lokaler Raupendermatitis bleiben, die nach einigen Tagen überstanden ist. Bei höherer Belastung durch die Gifthaare oder wenn die betroffene Person empfindlich reagiert können die Symptome wesentlich schwerwiegender sein. Es empfiehlt sich, hautärztlichen Rat einzuholen. Die Therapie erfolgt meist mit Antihistaminika und Kortisonpräparaten. Sofort nach dem Kontakt sollte nach Möglichkeit ein Duschbad genommen, die Kleidung gewechselt und bei hoher Temperatur gewaschen werden, um die Gifthaare unschädlich zu machen. Auch für Hunde stellen die Gifthaare eine Gefahrenquelle dar, besonders die empfindliche Nasen- und Mundschleimhaut kann geschädigt werden. Hunde sollten daher mit Raupennestern oder Prozessionen möglichst nicht in Kontakt kommen.  

Die winzigen Haare werden mit dem Wind verbreitet, so dass nicht unbedingt direkter Kontakt zu den Raupen erforderlich ist, um die Wirkung zu spüren zu bekommen. Entsprechend der Lebensweise des Prozessionsspinners erstreckt sich die Zeit der höchsten Belastung durch die Gifthaare von Ende Mai bis Anfang Juli. Jedoch ist die Gefährdung nicht vorbei, wenn sich die Raupen verpuppt haben.
Das Gift in den Haaren bleibt über mehrere Jahre hindurch aktiv, so dass auch noch von alten Nestern oder Objekten, die stark kontaminiert wurden, längere Zeit ein Risiko ausgeht. So kann es etwa im Herbst oder im folgenden Frühjahr bei der Gartenarbeit zu Gesundheitsproblemen kommen. Auch Eichenbrennholz aus stark befallenen Wäldern kann eine Quelle für Gifthaare sein, die sowohl bei der Holzarbeit als auch nach dem Eintrag in Häuser unangenehm werden können. Man sollte also auch außerhalb der Zeit der Raupenaktivität nicht auf den Eichenprozessionsspinner vergessen.

Wie man ihn bekämpft

Ein Problem bei Bekämpfungsmaßnahmen ist, dass der Befall oft spät erkannt wird. Auffällig wird der Eichenprozessionsspinner erst, wenn die Raupen und deren Gespinstnester bereits groß und damit die Belastung durch die Gifthaare hoch sind. Die Durchführung von Bekämpfungsmaßnahmen ist zu diesem Zeitpunkt aufwändig und mit Risiken für die Gesundheit verbunden. Für den Einsatz von Insektiziden ist es zu spät. Um die Belastung durch Gifthaare zu minimieren, ist die mechanische Entfernung der Nester mitsamt Raupen das Mittel der Wahl. Dies ist nur möglich, wo Bäume gut zugänglich sind. Es empfiehlt sich, die Nester vor dem Herunterlösen zum Beispiel mit Schaum einzusprühen, um zu Verhindern, dass die Haare verweht werden. Auch Spezialsauger werden zur Entfernung der Nester eingesetzt. Die gesammelten Raupen sollen verschlossen transportiert und sicher deponiert oder verbrannt werden. Geeignete Schutzausrüstung (Mundschutz, Schutzbrillen, Ganzkörperschutzanzug) ist bei den Arbeiten zu verwenden und die Umgebung zu sichern. Sperren von Parks oder anderen, stark frequentierten Gebieten während der Bekämpfung sind sinnvoll. Das manchmal angewandte Abbrennen der Nester ist problematisch. Durch die entstehende Thermik kommt es zu starker Ausbreitung von Gifthaaren, alten Raupenhäuten mit Gifthaaren und überlebenden Raupen, so dass die Belastung im ungünstigen Fall für einige Zeit noch höher wird und die gewünschte Entlastung ausbleibt.

Erkennt man den Befall schon rechtzeitig während die Raupen noch in jungen Stadien sind oder zeigen Prognosen (Nester aus dem Vorjahr, Zählung von Eigelegen an Probezweigen), dass ein starkes Auftreten im Frühjahr zu erwarten ist, können junge Raupenstadien des Eichenprozessionsspinners auch mit gegen freifressende Schmetterlingsraupen zugelassenen Insektiziden bekämpft werden (siehe dazu etwa das forstliche Pflanzenschutzmittelverzeichnis). Auch biologische Mittel auf der Basis von Bacillus thuringiensis sind gegen junge Prozessionsspinnerraupen wirksam. Das Präparat wird von den Raupen mit der Nahrung aufgenommen. Nach einigen Tagen kommt es zum Fraßstopp, dann zum Tod der Raupe. Ältere Raupenstadien sind weniger empfindlich, daher ist das richtige Timing wichtig. Die Ausbringung von Insektiziden wird von professionellen Anwendern durchzuführen sein, denn es ist die ganze Krone der betroffenen Bäume zu behandeln. Zu bedenken ist auch, dass der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln im Siedlungsgebiet aus gesundheitlichen Gründen Einschränkungen unterliegen kann. Darüber hinaus bietet die Krone einer Eiche im Frühjahr einer Vielzahl, zumeist harmlosen, teils nützlichen oder geschützten Insekten Lebensraum und Nahrung. Hinsichtlich der Nebenwirkungen sind daher spezifisch gegen Schmetterlingsraupen wirkende Bacillus thuringiensis Präparate bevorzugen.

Beobachten und Warnen

Baumbesitzer, Park- oder Waldbewirtschafterinnen in vom Eichenprozessionsspinner betroffenen Gebieten sollten das Problem über den Winter nicht vergessen, um einerseits keine unliebsamen Überraschungen durch den Kontakt mit Gifthaaren in der raupenfreien Zeit zu erleben und andererseits um allenfalls im nächsten Jahr nötige Bekämpfungseinsätze vorbereiten zu können. Auch bei der mechanischen Bekämpfung ist es günstig die Nester früh zu entfernen, noch bevor es zu starker Gifthaarbelastung kommt. Die gesellige Lebensweise kommt hier zu Hilfe: Der Blick mit dem Feldstecher in die Kronen wird anhand einzelner, befressener Zweige die Anwesenheit von Raupen schon im Mai zeigen. Meist entdeckt man dann auch ein Knäuel behaarter Raupen an einem Ast in der Nähe. Aber nicht immer muss aufwendig bekämpft werden. In vielen Fällen werden Hinweise (zum Beispiel Anbringen von Tafeln) genügen, um die Menschen zu warnen und unangenehme Begegnungen mit den Gifthaaren zu verhindern.

Gernot Hoch
Institut für Waldschutz des BFW
Seckendorff-Gudent-Weg 8, 1131 Wien
gernot.hoch@bfw.gv.at



 

Eichenprozessionsspinner sind  in Gruppen unterwegs und können gesundheitliche Probleme verursachen.


Die giftigen Brennhare sind nur wenige Zehntelmilimeter groß (mikroskopische Aufnahme).















Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Hoch G.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=10542