Den Wald an der Stimme erkennen:
Entwicklung eines Waldvogelindikators


Sowohl in Österreich als auch europaweit gehören Vögel zu den am intensivsten untersuchten Artengruppen. Über ihre Biologie und ihre jeweilige Umgebung liegt ein umfangreicher Wissensstand vor, wodurch sich die verschiedenen Vogelarten gut als Bioindikatoren eignen. Das heißt: Wenn sich Vogelpopulationen verändern, kann man Rückschlüsse auf einen Wandel in den Umweltverhältnissen ziehen. In Österreich wurde im Jahr 1998 von BirdLife das Brutvogel-Monitoring als Beobachtungsprogramm initiiert. Dieses umfasst jährliche Zählungen auf festgelegten Zählstrecken, die jedes Jahr von denselben Beobachtern um dieselbe Jahreszeit aufgesucht werden. Im Gegensatz zum Farmland Bird Index, in dem die Bestandestrends von 24 typischen, im Kulturland vorkommenden Brutvogelarten zu einem Wert aggregiert werden, liegt für den österreichischen Wald kein derartiger Indikator vor. Für Österreich als waldreiches Land mit derzeit rund 47,6 Prozent Waldanteil ist die Bedeutung eines solchen Indikators naheliegend.

Ökologische Nischen abdecken

Basierend auf den jährlichen Zähldaten des Brutvogel-Monitorings wurde die Idee entwickelt, einen Biodiversitäts-Indikator für die häufigen Brutvogelarten zu erstellen. Im Rahmen der Machbarkeitsstudie wurde nun geklärt, welche Datensätze aus welchen Erhebungen wie verwendet werden können. Dabei wurden verschiedene Vogelarten so ausgewählt, dass sie möglichst viele unterschiedliche ökologische Nischen im Wald abdecken. Die Bindung an den Lebensraum Wald, die waldbezogene Indikatorfunktion, die Erfassbarkeit, die Häufigkeit, Verbreitung und Biologie nehmen dabei eine zentrale Rolle ein, was methodisch in einer Arten-Ressourcen-Matrix abgebildet wurde. Die Herausforderung liegt bei der Zusammenführung und Interpretation der Datensätze der Österreichischen Waldinventur und den Daten des Brutvogel-Monitorings. Auch die Kombination der unterschiedlichen Erhebungen ist entscheidend: Mithilfe der terrestrischen Erhebung können wesentlich mehr signifikante Zusammenhänge zu den Lebensraumanforderungen der Vogelarten identifiziert werden als mit dem Laserscan, der jedoch eine einfache Zuordnung zu Vogeldaten erlaubt.

Plausible Zusammenhänge

Im Rahmen der Machbarkeitsstudie konnten etliche biologisch plausible Zusammenhänge gefunden werden. Für fundierte Aussagen sind jedoch tiefer gehende Analysen notwendig, um Interdependenzen und sogenannte "Auslöschungseffekte" wie bei Seehöhe, Fichtenvorkommen, Totholzvariablen u.a. zu eruieren. Aus der Analyse geht auch hervor, dass das Brutvogel-Monitoring wenig waldspezifische Daten hat, das durch eine gezielte Ergänzung von Zählstrecken ausgeglichen werden könnte. Alternative Integrationsideen der Monitoringsysteme für Brutvögel und dem Wald erscheinen derzeit nicht oder noch nicht realisierbar.
Kooperationspartner: Ministerium für ein lebenswertes Österreich, BirdLife Österreich

Webtipps

www.waldinventur.at
www.birdlife.at



Fitis (Phylloscopus trochilus)


Pirol (Oriolus Oriolus)




Bundesforschungs- und Ausbildungszentrum für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)
Austria, 1131 Wien, Seckendorff-Gudent-Weg 8 | Tel.: +43 1 878 38-0

Autor: Büchsenmeister R.

Quelle/URL: https://bfw.ac.at/rz/bfwcms.web?dok=9463